Adi Hütter übernimmt Verantwortung bei Eintracht Frankfurt
Trainer Adi Hütter hat bei seiner ersten Pressekonferenz nach der Rückkehr zu Eintracht Frankfurt die richtigen Worte gefunden. Jetzt ist es an der Zeit, dass Taten folgen.
Frankfurt – Die letzten vier Monate waren von Unruhe geprägt, und die Pressekonferenzen bei Eintracht Frankfurt glichen einem Tollhaus. In einer ruhigen, seriösen Atmosphäre, die dennoch Emotionen zuließ, konnte Hütter während seiner Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte überzeugen, ohne dabei das Bild von Spielern zu zeichnen, die vom Balkon springen.
Der Blick in die Zukunft lässt sich nicht ohne einen Rückblick bewältigen. Frankfurt hat eine Phase totaler Unruhe hinter sich. Der Vorgänger Albert Riera war ein Sprücheklopfer, wie man ihn in der Bundesliga selten erlebt. In den ersten Wochen half es, den Fokus von einer verunsicherten Mannschaft abzulenken, doch bald nahm das Chaos überhand.
Die Eintracht stand oft im Mittelpunkt, jedoch nicht aus sportlichen Gründen. Riera suchte die Fehler nach Niederlagen selten bei sich und stellte sich über den Klub, was zu Spannungen mit den Medien führte. Die Presseabteilung war erleichtert, wenn eine Pressekonferenz normal verlief, was viel über die internen Verhältnisse aussagte. Auf vollmundige Ankündigungen folgten oft zu wenige Taten.
Die Defensive, die zwischenzeitlich stabilisiert war, wackelte erneut, und in den letzten acht Spielen der Saison 2025/26 betrug der gewohnte Schnitt zwei Gegentore pro Spiel. Im Angriff fehlte ein auf das Team abgestimmtes System, was das Chaos weiter verstärkte und die Unzufriedenheit unter den Spielern wachsen ließ. Dieses Kapitel ist nun endgültig geschlossen.
Unter Hütter, so viel lässt sich aus seiner Zeit von 2018 bis 2021 sagen, soll es anders werden. Der Österreicher ist ein harter Arbeiter, der nichts dem Zufall überlässt. Die Führung der Mannschaft ist ihm wichtig: „Du bist nicht nur Trainer, sondern auch Coach, Kommunikator und Motivator. Ich will Ansprechpartner und Vaterfigur sein.“ Sein Motto lautet: So nah wie nötig und so distanziert wie möglich.
Genau dieses Gefühl hat bei Eintracht Frankfurt gefehlt. Hütter möchte eine Wohlfühlatmosphäre schaffen, die nicht auf Bequemlichkeit abzielt, sondern auf ein gesundes und produktives Umfeld im Profi-Campus. Um dies zu erreichen, muss er die Spieler motivieren und ihnen klare Pläne aufzeigen.
Wer bereit ist, mit ihm zu arbeiten, kann in schwierigen Momenten auf seine Unterstützung zählen. Als der damalige Kapitän David Abraham im Herbst 2019 in einer schwierigen sportlichen Situation die Nerven verlor und Freiburg-Trainer Christian Streich umrempelte, blieb Hütter seiner Linie treu: „Ich bin keiner, der jemanden fallen lässt, wenn er einen Fehler macht.“
Filip Kostić holte er einst „aus der untersten in die oberste Schublade“. Hütter erklärte bereits nach wenigen Monaten der Zusammenarbeit: „Ich habe ihn intensiv unterstützt, damit er seine Qualitäten zeigt und seinen Ruf in eine positive Richtung lenkt. Das hat er sehr gut hinbekommen.“ Heute ist Kostić ein Europa-League-Held von 2022.
Hütter hat dabei nie nachgelassen: „Ich will kein Traben sehen!“ Genau an diesen Stellschrauben muss der 56-Jährige in Zukunft drehen. Er setzt bei der Entwicklung einer fußballerischen Identität auf Intensität. Malocher-Mentalität und harte Arbeit sind die Grundvoraussetzungen für diesen Spielstil.
Als Mensch hat sich Hütter nicht verändert, jedoch hat er seine sportliche Betrachtungsweise angepasst. In seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach machte er Fehler im Umgang mit der gesamten Kabine. Bei der AS Monaco erweiterte er sein Repertoire und lernte, wie man mit einer dominanten Mannschaft tiefe Abwehrblöcke bespielt und überwindet.
Trotz des achten Platzes werden die Frankfurter in vielen Duellen weiterhin als Favoriten antreten. Die Konkurrenz aus Paderborn, Elversberg, Schalke, Bremen oder Köln wird sicherlich versuchen, einen offenen Schlagabtausch mit den talentierten Spielern der Eintracht zu vermeiden. Hütter hat in solchen Geduldsspielen bereits Erfahrung gesammelt.
Dieses Wissen möchte er künftig an Spieler wie Can Uzun, Ansgar Knauff und Robin Koch weitergeben. Wen er in der Saison 2026/27 einsetzen kann, ist jedoch noch ungewiss. Der Verlauf der Weltmeisterschaft wird die Abläufe auf dem Transfermarkt beeinflussen, was seriöse Prognosen erschwert.
Dennoch stehen spannende Fragen im Raum, auf die es noch keine endgültige Antwort gibt: Kehrt Hütter zur Dreierkette zurück und baut Kapitän Koch als zentralen Mann auf? Kann er aus dem vorhandenen Potenzial einen Kostić 2.0 für die Flügel entwickeln? Und wird er den im Eintracht-Umfeld lange ersehnten Super-Sechser von Krösche erhalten? Die Suche danach läuft laut Informationen von Absolut Fussball auf Hochtouren.
Der Umbruch in Frankfurt wird mit großer Spannung erwartet. Die Personalie Hütter ist entscheidend für die nächsten Schritte. Jetzt zählen nur noch die Taten auf dem Feld – große Versprechungen sind nicht mehr gefragt. Doch wer könnte das besser wissen als der erfahrene Adi Hütter?