Analyse des WM-Finales und der Spielerhaltung – Ein Gespräch mit Marcell Jansen und Florian Malburg
In der neuesten Ausgabe von „Die WM-WG“ von Absolut Fussball (powered by IPPEN.MEDIA) diskutieren der ehemalige Nationalspieler Marcell Jansen und der TV-Experte Florian Malburg über das WM-Finale, das umstrittene Spiel um Platz 3 sowie die Ansätze von Thomas Tuchel im Umgang mit den englischen Nationalspielern.
Zu Thomas Tuchel und seinem Umgang mit den Spielern äußerte sich Jansen: „Was ich an Tuchel schätze, ist seine Fähigkeit zur Reflexion. Die Frage bleibt jedoch, wie nachhaltig dies ist. Er hat vieles richtig gemacht und ist fachlich ein herausragender Trainer, jedoch fehlt ihm manchmal das Gespür, wie nach dem Sieg gegen Mexiko. Ich verstehe seine Botschaft: Es muss mehr möglich sein! Aber die aktuelle Generation von Spielern erfordert einen anderen Zugang, das ist ein schmaler Grat. Zudem ist der Umgang mit Kritik entscheidend: Wie gehe ich damit um und wie reagiere ich? Bei Tuchel ist das oft ein schmaler Grat, wo Spieler denken könnten: ‚Muss das jetzt sein?‘“
Bezüglich des Spiels um Platz 3 bemerkte Malburg: „Früher war dieses Spiel von großer Bedeutung. Man kann sich anschauen, wie Portugal und Uruguay gegen uns auftraten. Jetzt sehen wir bei dieser Weltmeisterschaft zwei Mannschaften, England und Frankreich, die zu Recht nicht im Finale stehen. Sie wirken beleidigt und ruinieren am Ende das Spiel. Für das Land ist es jedoch wichtig, auf das Treppchen zu kommen. Es scheint eine gewisse Respektlosigkeit zu geben – ein 6:4 kann ich nicht ernst nehmen. Hätten sie ein Elfmeterschießen veranstalten können, wäre das besser gewesen. Wenn ein Platz 3 bei der WM nichts mehr wert ist, wird es in den kommenden Jahren schwer im Fußball.“
Zur Haltung der Spieler nach dem Ausscheiden sagte Jansen: „Ich kann die Spieler verstehen, die eine lange Saison hinter sich haben und nach dem emotionalen Abfall nicht ins Finale kommen. Dennoch sollten sie nach außen anders auftreten, auch in den Interviews. Sie müssen sagen: Wir bringen das jetzt gemeinsam zu Ende. Wir haben einen breiten Kader mit vielen Spielern, die bereit wären zu spielen. Die Enttäuschung hätte mehr in die Inhalte fließen müssen, um vielleicht im Finale zu stehen.“
Zum Thema Messi und dessen Einfluss auf das Spiel meinte Malburg: „Es ist sehr schwierig, ihn zu stoppen. Ich habe sowohl bei der U20-WM als auch 2010 gegen ihn gespielt. Sein Tempo und seine Sprints mit dem Ball sind unglaublich. Es ist schwer, ihn zu stoppen. Die Spanier müssen versuchen, seinen Einfluss auf das Spiel zu minimieren.“
Über die Schlüsselspieler bei Spanien sagte Jansen: „Natürlich Rodri, dann die Vorlagen zu Olmo und Lamine Yamal, der den Unterschied ausmachen kann. Andererseits benötigen die Spanier eine stärkere linke Seite, um gefährlich zu bleiben. Ich würde mich für die Spanier freuen, da ich sie für die verdienstvollste Mannschaft halte. Ich drücke ihnen die Daumen, glaube jedoch, dass es am Ende Argentinien sein wird.“
Zu Tuchels Konflikten mit den Spielern fügte Jansen hinzu: „Man muss mit dieser Form der Reibung umgehen können. Das ist ein diplomatischer Drahtseilakt. Bei Kimmich war offensichtlich, dass Tuchel ihn durch ständige öffentliche Kritik aus dem Konzept gebracht hat. Kimmich ist mittlerweile in einem Alter, in dem er hinterfragen kann, ob diese Vorgehensweise noch zeitgemäß ist.“
Abschließend äußerte sich Malburg zum Spiel um Platz 3: „Ich denke, das Spiel hat den Entertainment-Aspekt für die Amerikaner erfüllt.“ Zu seinen Erwartungen an das Finale sagte er: „Ich erwarte dominante Spanier. Deschamps ist eher ein Moderator, der die Spieler sich selbst überlässt. Im Gegensatz dazu treten die Spanier sehr systematisch auf, fast wie ein Vereinsfußball-Team. Ein Schlüssel ist, dass de la Fuente über Jahre hinweg aufgebaut wurde, und die Spieler ihn gut kennen. Die Spanier sind prädestiniert, das Tempo in diesem Spiel zu bestimmen. Ich glaube, es wird sehr schwer für Argentinien.“