Argentinien und Spanien im WM-Finale: Ein Blick auf die Geschichte der Endspiele
Argentinien und Spanien stehen sich im WM-Finale gegenüber. Wird es ein hochklassiges Spiel? Ein Blick auf die bisherigen Endspiele der Weltmeisterschaften.
München – Das letzte Finale in der Geschichte der Weltmeisterschaften, das als das beste angesehen wird, liegt erst etwas mehr als drei Jahre zurück. Argentinien und Frankreich in Katar boten alles: ein Team, das von der ersten Minute an offensiv aufspielte (Argentinien), und ein anderes, das aus einer scheinbar aussichtslosen Position (0:2 in der 80. Minute) ein Comeback schaffte (Frankreich). Es gab eine Verlängerung mit fast entscheidenden Momenten auf beiden Seiten und schließlich ein Elfmeterschießen. Das Spiel endete 3:3, mit einem 4:2 im Elfmeterschießen – ein Übermaß an Action für ein Finale, das oft als ereignislos gilt.
Diese Wahrnehmung geht zurück auf einige enttäuschende Endspiele in der Vergangenheit: 1994 enttäuschten Brasilien und Italien im Pasadena Rose Bowl in Los Angeles die Erwartungen, die an sie als mehrfache Weltmeister gerichtet waren, mit einem 0:0 und einem katastrophalen Elfmeterschießen der Italiener. Ein weiteres frustrierendes Finale war das von 2010 zwischen Spanien und den Niederlanden in Johannesburg, das von einer brutalen Spielweise der Holländer geprägt war. Das entscheidende 1:0 für Spanien fiel erst kurz vor dem möglichen Elfmeterschießen.
Auch die deutschen Finals gegen Argentinien in den Jahren 1990 (1:0 durch einen umstrittenen Elfmeter) und 2014 (1:0 nach hartem Kampf in der Verlängerung) wurden nicht als spielerische Meisterwerke angesehen. Sie folgten dem klassischen Muster: „Zuerst will niemand einen Fehler machen“, so Stefan Reuter, der 1990 am deutschen Titelgewinn beteiligt war.
Dennoch geschahen in erstaunlich vielen der bisherigen 21 Endspiele (1950 gab es kein Finale, sondern eine Finalrunde) frühzeitig entscheidende Momente. 19 Finaltore fielen in den ersten 20 Minuten. Ein schönes Beispiel ist das Finale von 1954 in Bern, als Deutschland nach acht Minuten mit 0:2 zurücklag, aber durch Tore in der 10. und 18. Minute gegen die favorisierten Ungarn ausglich. Dieses frühe Hin und Her verblasst jedoch in der Erinnerung und wird von einem ikonischen Moment geprägt: „Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen.“ Dies tat er in der 84. Minute.
Der Spruch „Wer 1:0 führt, der stets verliert“ hat sich in einigen WM-Endspielen bewahrheitet. So war es in den Jahren 1934, 54, 58, 62, 66 und 74. Erst ab 1978 stellte sich wieder weitgehend Normalität ein: Es war von Vorteil, in Führung zu gehen.
Acht Endspiele gingen in die Verlängerung, drei sogar ins Elfmeterschießen. Auffällig ist, dass seit 2006 bis auf das Finale 2018 (Frankreich – Kroatien 4:2) kein Finale nach 90 Minuten entschieden wurde. Die FIFA sorgt also für dramatische Momente. Dabei mangelt es nicht an großen Geschichten aus den Finals: Das Wembley-Tor (1966), die Frage, warum Ronaldo 1998 bei Brasiliens 0:3 gegen Frankreich wie ein Schatten spielte (wegen gesundheitlicher Probleme, die von seinem wichtigsten Werbepartner ignoriert wurden?), der Fehler von Oliver Kahn 2002 und der Kopfstoß von Zinedine Zidane 2006 – Finals haben immer viel zu bieten.