Ballon d'Or 2025: BVB im Fokus, aber auch vor Herausforderungen
Die Nominierungsliste für den Ballon d'Or erscheint zunächst wie ein Triumph für Borussia Dortmund (BVB), birgt jedoch auch ernsthafte Warnsignale.
Am Donnerstag veröffentlichten France Football und L'Équipe die 30-köpfige Shortlist für den Ballon d'Or 2025. Der Preisträger, der am 22. September in Paris gekürt wird, wird von Journalisten aus den Top-100-Nationen der FIFA gewählt. Jeder Juror vergibt Punkte an seine Top-10, wobei individuelle Leistungen, Mannschaftserfolge und Fair Play berücksichtigt werden.
Die Liste der Nominierten ist für den deutschen Fußball ernüchternd. Mit Florian Wirtz ist lediglich ein Spieler des DFB zur Wahl nominiert, während nur drei Spieler aus der Bundesliga vertreten sind. Neben den Bayern-Stars Harry Kane und Michael Olise hat auch Serhou Guirassy von Borussia Dortmund es auf die Liste geschafft, was insgesamt eine Auszeichnung für den BVB darstellt. Man könnte sogar von einem ‚Ballon D‘ortmund‘ sprechen.
Neben Guirassy sind auch fünf ehemalige BVB-Spieler nominiert: Jude Bellingham, Ousmane Dembélé, Erling Haaland, Achraf Hakimi und Robert Lewandowski. Dembélé wird sogar als Top-Favorit auf die Auszeichnung gehandelt, nachdem er Paris Saint-Germain mit 35 Pflichtspieltoren zum historischen Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League geführt hat.
Die Zeit des Franzosen beim BVB wird von gemischten Gefühlen begleitet. In der Saison 2016/17 trug er maßgeblich zum DFB-Pokalsieg unter Trainer Thomas Tuchel bei, bevor er nach nur einer Saison zu Barcelona wechselte. Positiv bleibt vor allem die hohe Ablöse von 135 Millionen Euro, die inklusive Nachzahlungen für den späteren Weltmeister flossen.
Dembélé ist somit ein Beispiel für das ‚Sprungbrett-Modell‘ des BVB, das auch bei Bellingham (über 100 Millionen Euro) und Haaland (60 Millionen Euro aufgrund einer Ausstiegsklausel) erhebliche Transfergewinne erwirtschaftete. Hakimi spielte nur leihweise in Dortmund, während Lewandowski 2014 ablösefrei zu Bayern wechselte.
Das Modell, Talente günstig zu verpflichten, optimal zu entwickeln und mit hohem Gewinn weiterzuverkaufen, hat den BVB lange Zeit stark gemacht. Dieses System funktionierte jahrelang, da der BVB ein einzigartiges Angebot unterbreitete: regelmäßige Spielzeit auf höchstem Niveau, die Atmosphäre im Signal Iduna Park und das glaubwürdige Versprechen, als Sprungbrett zu größeren Vereinen zu dienen.
Doch die goldenen Jahre dieses Modells scheinen vorbei zu sein. Viele Talente umgehen heute die Zwischenstationen bei einem Klub wie Dortmund und wechseln direkt zu den europäischen Spitzenklubs. Beispielsweise sicherte sich Real Madrid in diesem Jahr das argentinische Wunderkind Franco Mastantuono, während Chelsea beim Brasilianer Estêvão Willian zuschlug. Früher wären solche Spieler wahrscheinlich beim BVB gelandet.
Die Finanzgiganten haben den Talentmarkt endgültig für sich entdeckt. Dortmund muss zusehen, wie die größten Nachwuchstalente oft von Klubs mit dicken Schecks und staatlicher Unterstützung weggeschnappt werden, was für einen ‚normalen‘ Fußballverein kaum zu bewältigen ist.
Die Nominierung von Guirassy ist daher umso bemerkenswerter. Der 29-Jährige steht als Paradebeispiel für einen anderen Ansatz, der im Umfeld des BVB oft kritisch betrachtet wird: die Verpflichtung etablierter Spieler aus der Bundesliga. In seiner ersten Saison in Dortmund erzielte der Guineer 21 Bundesliga-Tore und wurde zudem geteilter Torschützenkönig in der Champions League und bei der FIFA Klub-WM.
Dennoch hat sich der BVB nicht vollständig von der Talentestrategie verabschiedet. Der Transfer von Jobe Bellingham nach Dortmund wird intern als großer Erfolg gewertet. Der Bruder von Jude Bellingham hinterlässt in seinen ersten Wochen beim BVB einen hervorragenden Eindruck. Doch die Frage bleibt: Kann der BVB weiterhin die nächste Generation von Mega-Talenten anziehen, oder muss er sich mit den kleineren Brüdern der Superstars zufriedengeben?
Die Ballon-d'Or-Nominierten mit BVB-Vergangenheit sind das Vermächtnis einer Ära, in der Dortmund fast ein Monopol auf die vielversprechendsten Teenager Europas hatte. Heute kämpft der BVB gegen Klubs, die das Dortmunder Erfolgsrezept perfektioniert und mit unbegrenzten finanziellen Mitteln kombiniert haben. Es ist ein nahezu aussichtsloser Kampf.