Borussia Mönchengladbach setzt auf gezielte Leihgeschäfte zur Talentförderung

Borussia Mönchengladbach setzt auf gezielte Leihgeschäfte zur Talentförderung

Die nationale Konkurrenz hat es bereits vorgemacht – nun plant auch Borussia Mönchengladbach, gezielt Talente auszuleihen.

Mönchengladbach – Die sozialen Netzwerke spiegeln nicht das gesamte Stimmungsbild der Fans von Borussia Mönchengladbach wider. Dennoch war der Aufschrei über die Leihe von Shio Fukuda an den Karlsruher SC deutlich zu hören. Ein Stürmer wird abgegeben, obwohl die Offensive des Teams derzeit eine Schwachstelle darstellt. Wie kann das sein?

Die Realität ist, dass Fukuda in 36 Einsätzen für die U23-Mannschaft zwar elf Tore erzielt hat, jedoch im Profi-Training nicht genug Eindruck hinterlassen konnte, um Trainer Gerardo Seoane zu überzeugen, ihn in die erste Mannschaft zu berufen. Erfahrenere Stürmer wie Haris Tabaković und Shuto Machino haben Vorrang, und Tim Kleindienst wird im Laufe der Hinrunde ebenfalls zurückkehren.

Fukuda benötigt Spielpraxis für seine Entwicklung, doch für die Bundesliga ist er momentan noch nicht bereit. Deshalb erfolgt der Wechsel in die 2. Bundesliga, ähnlich wie bei Noah Pesch, der in dieser Saison beim 1. FC Magdeburg spielt. Zuvor hatte Grant-Leon Ranos die Rückrunde 2024/25 leihweise beim 1. FC Kaiserslautern verbracht.

Mit dem Transfer von Yvandro Borges Sanches zu Heracles Almelo, für den Gladbach eine Rückkaufoption besitzt, wird deutlich, dass der Verein in diesem Sommer mehrere Talente abgegeben hat. Analog zur Eintracht Frankfurt, die in der vergangenen Saison neun Spieler verliehen hat, plant auch Borussia Mönchengladbach die Bildung einer kleinen „Loan Army“.

Das übergeordnete Ziel besteht darin, zwei Generationen von Talenten gleichzeitig zu fördern. „Wir haben neue Generationen, die nachkommen. Du musst Platz schaffen und abwägen, ob die Talente, die schon ein bis zwei Jahre weiter sind, in der Lage sind, 15 bis 20 Bundesligaspiele zu absolvieren“, erklärte Roland Virkus am Freitag die Beweggründe für die Ausleihen von Pesch und Fukuda.

Das Duo hat seine Fähigkeiten in der Regionalliga unter Beweis gestellt. „Wir müssen sehen, ob der Reiz Bundesliga noch zu hoch ist und was wir tun können, damit sie diesen Reiz schneller erreichen“, fügte Virkus hinzu und betonte: „Wir haben entschieden, dass die Spieler in die 2. Bundesliga gehen, um als bessere Spieler zurückzukehren. Danach wollen wir sie in unseren Kader integrieren.“

Wenn die Talente die gewünschte Entwicklung nicht erreichen, „gibt es immer noch die Möglichkeit, die Spieler zu monetarisieren“. Dies war beim Transfer von Borges Sanches der Fall. Der KSC verfügt zudem über eine Kaufoption für Fukuda, die im siebenstelligen Bereich liegen soll. „So schaffen wir Platz für die nächste Generation“, erinnerte Virkus an Spieler wie Wael Mohya, Mathieu Nguefack oder Jan Urbich, der sich kürzlich bei den Profis präsentieren konnte.

Die Fan-Unruhe über den Abgang von Fukuda kann Virkus nachvollziehen. „Aber das müssen die Leute einschätzen, die täglich mit ihm im Training arbeiten“, machte der 58-Jährige die Haltung des Vereins deutlich: „Kleindienst kommt zurück, Machino ist da, Tabaković ist da. Es hängt auch vom Spielsystem ab: Spielst du mit einem Stürmer, wechselst du ihn aus oder spielst du mit zwei Spitzen.“

Die entscheidende Frage lautet, wo die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass Fukuda mehr als 25 Spiele absolviert: bei Borussia oder in der 2. Bundesliga? „Das musst du dir immer fragen. Unsere Aufgabe ist es, uns um die Spieler zu kümmern und ihnen zu helfen, sich schneller zu entwickeln“, sagte Virkus und betonte: „Für mich ist eine Leihe immer ein weiterer Weg, um eine Entwicklung zu beschleunigen.“

Bereits in der vergangenen Woche hob der Sport-Geschäftsführer in einem Interview mit Vereinsmedien die große Bedeutung von Leih-Transfers in der Nachwuchsentwicklung hervor. Rocco Reitz und Moritz Nicolas haben durch solche Umwege den Durchbruch geschafft, und auch Oscar Fraulo zeigt nach zwei Jahren beim FC Utrecht Fortschritte. Die Fälle Fukuda und Pesch sind indes noch nicht abgeschlossen; möglicherweise werden sie bald in die Fußstapfen ihrer Vorgänger treten.

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