Brasilien steigert sich vor dem WM-Achtelfinale gegen Japan

Brasilien steigert sich vor dem WM-Achtelfinale gegen Japan

Brasilien zeigt sich im Verlauf des WM-Turniers zunehmend verbessert: Vor dem Achtelfinale gegen Japan wächst die Zuversicht, nicht zuletzt dank des jungen Stars Rayan.

New Jersey – Wer den amerikanischen Charme sucht, muss nur in die Somerset Hills von New Jersey fahren. Dort reihen sich typische Einfamilienhäuser im Kolonialstil ohne Zäune entlang breiter Straßen, und in vielen gepflegten Gärten weht das Sternenbanner. Für einige mag dies eine perfekte Filmkulisse sein, für andere ist es das ideale Teamquartier: Die brasilianische Fußballmannschaft hat sich an der Abzweigung zur Maple Avenue in Basking Ridge niedergelassen. Das Hotel „The Ridge“, das der Verband als Kraftzentrum für die Titelmission ausgewählt hat, strahlt zwar keinen übertriebenen Luxus aus, bietet jedoch die gewohnten Annehmlichkeiten.

Um sicherzustellen, dass die rund 300 Medienschaffenden im angrenzenden Pressezentrum das große Ziel nicht aus den Augen verlieren, sind überall Plakate und Leuchtwände mit dem Motto „É proibido sonhar pequeno“ angebracht – es ist verboten, klein zu träumen. Zusammen mit dem Slogan „Bate no peito“ (Schlag dir auf die Brust) wird der Ton für die Delegation gesetzt, die vor dem Sechzehntelfinale gegen Japan (Montag, 19 Uhr MESZ, alle TV-Infos) fröhlich, aber nicht überdreht wirkt. Man soll wieder stolz auf die Selecao sein. Der sechste Stern ist vorsichtig angedeutet, schließlich liegt der letzte WM-Gewinn 24 Jahre zurück.

Im Gegensatz zu den Deutschen hat sich das südamerikanische Team in jedem Spiel verbessert. Nach dem zähen Auftakt gegen Marokko (1:1) folgten ein solider Sieg gegen Haiti (3:0) und ein ungefährdeter Erfolg gegen Schottland (3:0). Unter der Leitung des erfahrenen Carlo Ancelotti basiert alles auf einer soliden Organisation. Zuerst muss das Gefüge stabil stehen: Der 67-Jährige hat seine italienische Denke auf die Mannschaft übertragen. Ähnlich war es bereits bei der WM 1994 in den USA, als Carlos Dunga als verlängerter Arm von Luiz Felipe Scolari ein Team orchestrierte, das sich selbst im Finale gegen Italien bis zum Elfmeterschießen dem Spektakel verweigerte.

Für viele kommt der Rekordweltmeister bereits als Abziehbild von Real Madrid daher; der pragmatische Ansatz ist nicht zu übersehen. „Don Carlo“ führt die Superstars wie einst in Madrid gerne mit langer Leine, vorausgesetzt, die Leistung auf dem Platz stimmt. Auch die taktischen Parallelen sind verblüffend: Die Mannschaft wird so aufgebaut, dass vor allem Ancelottis Lieblingsspieler Vinicius Junior glänzen kann, der längst nicht mehr als Linksaußen an der Linie klebt, sondern ständig im Strafraum auftaucht.

Der 25-Jährige hat bisher in jeder Partie brilliert. Nach seinem vierten WM-Tor lobte Ancelotti ihn als „einen der besten Spieler der Welt“. Dennoch scheint jede Regung von Superstar Neymar ein mindestens ebenso großes Medienecho auszulösen. Der 34-Jährige hat in seinem Kurzcomeback gegen die Schotten auf sich aufmerksam gemacht, doch seine Situation bleibt sensibel. Ancelottis Sohn Davide, Co-Trainer, verdrehte bei Neymars Einwechslung in Miami die Augen. Ein Einsatz in der Startelf im ersten K.-o.-Duell in Houston ist aufgrund der langen Spielpause kaum realistisch. Auch Angreifer Raphinha vom FC Barcelona wird aufgrund seiner Oberschenkelverletzung weiterhin fehlen.

Deshalb braucht es frische Gesichter – und da kommt Rayan wie gerufen. Der 19-Jährige, der beim AFC Bournemouth mit Tempo, Technik und Tordrang überzeugte, gilt nach nur vier Länderspielen als Hoffnungsträger. Bei einer Pressekonferenz am Freitag wirkte er allerdings etwas schüchtern. Erst im Januar wechselte er für stolze 35 Millionen Euro von Vasco da Gama in die Premier League zu dem Klub, den bald Marco Rose trainieren wird.

Rayan lebt gerade seinen WM-Traum. Beim Aufwärmen kamen ihm die Erinnerungen an seine Kindheit in den Sinn, erzählte er mit leuchtenden Augen. Freunde und Familie seien stolz, dass der Sammelbildhersteller Panini in der zweiten Auflage sein Konterfei hinzugefügt hat – in der ersten war sein Bild nicht enthalten. „Ich habe viele Fotos davon erhalten. Es ist alles sehr schnell gegangen: Jetzt bin ich bei einer Weltmeisterschaft – mit 19 Jahren.“ Er ist sich jedoch bewusst, dass die K.o.-Runde eines Turniers tückisch ist: „Man macht einen Fehler – und man ist raus. Wir wissen, dass es ein schwieriges Spiel wird.“

Als er jedoch gefragt wurde, ob er nur einen Spieler des Gegners kenne, antwortete er ehrlich: „Nein!“ Als das Gelächter im Raum nicht abreißen wollte, fügte er hinzu, dass Lehrmeister Ancelotti ihm noch ein Video zeigen würde. Dann würde er erfahren, dass Brasilien im Herbst 2025 ein Freundschaftsspiel gegen die motivierten Japaner trotz eines 2:0-Vorsprungs mit 2:3 verlor. Von dieser Lehrstunde aus Tokio sind jedoch nur noch acht Spieler im Kader, wie in Basking Ridge betont wird. Sie alle wollen noch eine ganze Weile bleiben.

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