BVB blickt auf goldene Ära vor Spitzenspiel gegen Bayern
Der BVB tritt zum entscheidenden Spiel nach München an. Im Vorfeld erinnert Sportchef Lars Ricken an die glorreiche Dortmunder Ära der 1990er Jahre.
Dortmund – In der Vergangenheit wurde dem BVB gelegentlich vorgeworfen, nicht klar über seine Ambitionen zu kommunizieren. Doch vor dem "Klassiker" am Samstagabend gegen den FC Bayern senden die Dortmunder auffällige Signale. In einem Interview mit Sport Bild beschwört Sportchef Lars Ricken den Geist jener Ära, in der das Duell zwischen BVB und Bayern erstmals richtig intensiv war.
„Ich habe in den 90er-Jahren mit einigen der größten Spieler der Bundesliga gespielt“, erklärt Ricken und zählt auf: „Stefan Reuter, Jürgen Kohler, Matthias Sammer, Kalle Riedle, um nur einige deutsche Spieler zu nennen.“ Diese Mannschaft war gespickt mit Weltmeistern von 1990, einer Ansammlung von Titelsammlern, die genau wussten, was Erfolg bedeutet.
Der BVB gewann 1995 und 1996 die Meisterschaft und krönte sich 1997 mit dem Champions-League-Triumph gegen Juventus. Es war Ricken selbst, der mit einem legendären Lupfer kurz nach seiner Einwechslung das wohl schönste Tor in der Geschichte des BVB erzielte. „Damals war unser Motto: ‚Erfolge sind da, um sie zu bestätigen.‘ Wir hatten eine Mannschaft, die nie satt war“, erinnert sich der heutige Sportchef.
Diese Mentalität erwartet Ricken auch von der aktuellen Mannschaft und äußert sich zufrieden über die jüngsten Aussagen seiner Spieler. „Wir haben einige Profis, die klar formuliert haben, was ihre Ambitionen sind. Dazu gehören Nico Schlotterbeck, Karim Adeyemi, Julian Ryerson und Maxi Beier“, so Ricken.
Beier erklärte nach einem 2:0-Sieg in Heidenheim: „Unser Ziel ist: Wir wollen Meister werden.“ Karim Adeyemi fügte hinzu: „Dieses Jahr wollen wir wieder um Titel spielen – und sie hoffentlich auch gewinnen.“ Julian Ryerson brachte es auf den Punkt: „Ich habe keine Lust, zweite Plätze zu sammeln.“ Klare Worte einer Mannschaft, die sich nicht mit der Rolle des ewigen Verfolgers zufrieden geben will.
Ricken sieht die öffentlichen Ambitionen positiv: „Ich finde es nicht falsch, wenn solche Ansprüche geäußert werden. Das hat zur Folge, dass die Spieler Verantwortung übernehmen und über die gesamte Saison meisterliche Leistungen bringen müssen.“ Die Stabilität der letzten Monate – der BVB hat seit Mitte März nur zwei Pflichtspiele verloren – muss weiterhin abgerufen werden.
Aus der Führungsetage des BVB wird es jedoch keine übertriebenen Töne geben. „Wir sind maximal ambitioniert, und Spieler sind zu uns gekommen, um Titel zu gewinnen. Aber man kann sie nicht garantieren“, stellt Ricken klar. „Durch Reden hat noch niemand die Meisterschale in der Hand gehalten. Und mit Bayern haben wir eine der besten Mannschaften im europäischen Fußball als Platzhirsch und größten Konkurrenten in der Liga.“
Das Aufeinandertreffen mit diesem Platzhirsch am Samstag in der Münchner Allianz Arena wird wegweisend sein: Bei aktuell vier Punkten Rückstand auf den Titelverteidiger kann der BVB die Bundesliga spannend halten – oder der FC Bayern könnte bereits Mitte Oktober die Feierlichkeiten am Saisonende einläuten.
Das Selbstbewusstsein der Profis wird sicherlich zu einem mutigen Auftritt beim Rekordmeister beitragen. Ob jedoch wirklich der Geist der 1990er Jahre beschworen werden kann? Damals stellte der BVB Teams mit Weltmeistern und erfahrenen Stars auf, für die Titel selbstverständlich waren. Unter den heutigen BVB-Profis ist die Titelsammlung größtenteils noch nicht besonders ausgeprägt.