BVB siegt im Elfmeterschießen gegen Frankfurt
Der BVB hat sich im Elfmeterschießen gegen Eintracht Frankfurt durchgesetzt, was viele Fans überraschend fand. Laut der Analyse von ‚Pollmanns Besserwisserei‘ zeigt die Statistik eine erfreuliche Erfolgsquote.
Dortmund – Liebe BVB-Fans und alle, die es werden wollen,
Hand aufs Herz: Wer von euch hat nach dem Elfmeterschießen in Frankfurt am Dienstag erleichtert aufatmen können? Nach dem Motto: „Endlich mal Nervenstärke bewiesen!“? Borussia Dortmund hatte in der Vergangenheit oft das Nachsehen bei Entscheidungen vom Punkt. Auch auf der Pressetribüne im Waldstadion war die Meinung weit verbreitet, dass die Eintracht favorisiert sei.
Doch das ist bestenfalls eine Halbwahrheit, denn die Statistik erzählt eine andere Geschichte. Seit dem ersten offiziellen Elfmeterschießen in Deutschland am 23. Dezember 1970 hat der BVB insgesamt 19 „Nervenschlachten“ bestritten, und die Bilanz der Schwarzgelben ist durchaus positiv.
Die nackten Zahlen sprechen für sich: Zwölf Siege und sieben Niederlagen ergeben eine Erfolgsquote von 63,2 Prozent. Wenn man bedenkt, dass ein Elfmeterschießen oft als „Fifty-fifty“ betrachtet wird, sieht die Bilanz für den BVB also erfreulicher aus. Im DFB-Pokal liegt die Erfolgsquote sogar bei 72,7 Prozent, mit acht Siegen aus elf Elfmeterschießen. Daraus lässt sich keine mangelnde Nervenstärke ablesen.
Im Vergleich zu anderen aktuellen Topteams in Deutschland schneidet der BVB ebenfalls gut ab. Der FC Bayern hat in seiner Geschichte 66,7 Prozent der Elfmeterschießen gewonnen, während Eintracht Frankfurt bei 64,3 Prozent liegt. Der VfB Stuttgart und Bayer Leverkusen erreichen jeweils 53,8 Prozent, und RB Leipzig hat lediglich eine Erfolgsquote von 33,3 Prozent.
Dortmunds Erzrivale Schalke 04, der das erste offizielle Elfmeterschießen im deutschen Profifußball am 23. Dezember 1970 gegen Wolfsburg gewann, verzeichnet eine Erfolgsquote von 60 Prozent, und liegt damit ebenfalls hinter dem BVB. Woher also dieser hartnäckige Mythos? Die Antwort ist einfach: Einzelne schmerzhafte Niederlagen prägen das kollektive Gedächtnis stärker als Erfolge.
Ein verlorenes Elfmeterschießen hat den BVB einst sogar dem finanziellen Ruin nähergebracht: Als Dortmund in der Saison 2003/04 gegen den Club Brügge ausschied und die Champions-League-Teilnahme verpasste, kostete das viele Millionen Euro, die für die Bewältigung der steigenden Schulden eingeplant waren.
Auch das Pokalfinale 2016 gegen Bayern, als Sven Bender und Sokratis Papastathopoulos scheiterten, bleibt vielen Fans schmerzlich in Erinnerung. Dass der BVB 2015 im Halbfinale gegen die Münchner erfolgreich war, ist weniger präsent, da das anschließende Endspiel gegen Wolfsburg verloren ging.
Einige andere Elfmeterschießen sind schlichtweg zu lange her, um noch im Gedächtnis zu bleiben. Wer kann sich 30 Jahre später noch an den 15. August 1995 erinnern, als der BVB in der ersten Pokalrunde gegen die TSG Pfeddersheim aus der damaligen Oberliga Südwest die Blamage verhinderte, obwohl Weltmeister Andreas Möller seinen Versuch nicht verwandeln konnte?
So wird es vermutlich auch im Jahr 2055 sein: Dass Torhüter Gregor Kobel den Versuch von Ritsu Doan über das Tor lenkte und dann gegen Farès Chaibi entscheidend parierte, werden in 30 Jahren nur noch Hardcore-Fans und die ältere Generation im Gedächtnis haben – beziehungsweise wir BVB-Besserwisser.
Klugscheißer-Modus aus – bis zum nächsten Mal, Euer BVB-Besserwisser.