Champions-League-Duell: Borussia Dortmund trifft auf Athletic Club
Der BVB empfängt in der Champions League den Athletic Club. Der deutsche Trainer Jupp Heynckes wird von den Basken bis heute mit großer Verehrung bedacht.
Dortmund – Wenn Borussia Dortmund am Mittwochabend um 21 Uhr den Athletic Club aus Bilbao empfängt, treffen zwei unterschiedliche Fußballwelten aufeinander. Auf der einen Seite steht der international erfahrene BVB, der in herausragender Form ist. Auf der anderen Seite die Basken, die erst zum dritten Mal in der Königsklasse vertreten sind. Viele Fans kennen den Verein nur wenig, dabei gehört Jupp Heynckes zu den Vereinslegenden.
Der spätere Triple-Trainer des FC Bayern prägte Athletic in zwei Amtszeiten wie kaum ein anderer ausländischer Coach. Anders als nicht-baskische Spieler sind die Basken stolz auf ihre Identität, was Heynckes den Spitznamen „Don Jupp“ einbrachte. Dieser Titel ist weniger auf sportliche Erfolge zurückzuführen, sondern vielmehr auf die Art und Weise, wie der Trainer mit den Menschen umging, wie Bilbao-Experte Dirk Segbers im Interview mit Absolut Fussball, dem Fußballportal von Home of Sports, erklärt.
„Wenn du in Bilbao unterwegs bist und dich als Deutscher zu erkennen gibst, fällt oft der Name Jupp Heynckes“, berichtet Segbers. Die Erinnerungen an seine Zeit sind durchweg positiv geblieben, obwohl diese nicht immer von sportlichem Erfolg geprägt war. Heynckes trainierte Athletic von 1992 bis 1994 und kehrte 2001 für zwei weitere Jahre zurück.
Der Schlüssel zu seinem Erfolg lag in seiner persönlichen Art, den Menschen zu begegnen. „Er war sehr nahbar und kannte trotz der Sprachbarriere schnell die Namen der Mitarbeiter in der Geschäftsstelle“, so Segbers. Diese menschliche Wärme fand in einer Region, die Authentizität schätzt, großen Anklang.
Ein früherer Übersetzer von Heynckes erzählte Segbers: „Wenn wir über die Straße gingen und jemand mit Jupp reden wollte, dann hat er einfach geplaudert – über Fußball, Gott und die Welt.“ Dabei kam der Trainer 1992 ohne Sprachkenntnisse nach Bilbao.
Heynckes beschrieb die Basken als „Menschen, die sehr zuverlässig, loyal und korrekt sind. Das sind Menschen, zu denen man Vertrauen haben kann“, blickte er vor einigen Jahren im Interview mit dem Tagesspiegel zurück.
Segbers analysierte, dass Heynckes 1992 zu einem Verein kam, der sich in einer Phase der Stagnation befand. „Man hatte sich auf den Lorbeeren ausgeruht. Jupp war damals ein junger Trainer und sagte, dass er keine Angst davor habe, die Dinge anzupacken und zu verändern.“ Der Deutsche brachte frischen Wind in die traditionsreiche Institution und führte Athletic zurück nach Europa.
Titel blieben ihm jedoch verwehrt. „Es gibt ein Zitat, das besagt, dass er gesagt haben soll: ‚Bei Athletic zu trainieren ist ungefähr so, als würde man mit einem Volkswagen in der Formel 1 fahren‘“, erinnert sich Segbers. „Das kam hier natürlich nicht besonders gut an, aber das hat ihm niemand übel genommen.“
„Ich frage mich manchmal, ob er das auch so sagen würde, wenn er den jetzigen Kader zur Verfügung hätte, oder ob er sich mit diesem Kader vielleicht doch einen Titel zutrauen würde“, überlegt Segbers. Athletic feierte 2024 nach Jahrzehnten den ersten großen Pokalsieg mit dem Triumph in der Copa del Rey.
In der laufenden Saison qualifizierte sich der Verein erstmals seit 2014/15 wieder für die Champions League. Das Auswärtsspiel in Dortmund müssen die Basken jedoch ohne ihren Superstar und Bayern-Flirt Nico Williams bestreiten, der aufgrund muskulärer Beschwerden nicht rechtzeitig fit geworden ist. „Das ist kein Nachteil für uns“, erklärte Niko Kovač am Dienstag in der BVB-Pressekonferenz.