Countdown zur NFL-Saison nach der WM in Foxborough
In Foxborough, Massachusetts, kündigte die Anzeigetafel nach dem Spiel zwischen Frankreich und Paraguay den Countdown zur NFL-Saison an. Zum ersten Mal seit 2006 gibt es bei einer Weltmeisterschaft keine „weißen Elefanten“ – ungenutzte Stadien, die nach dem Turnier zurückgelassen werden.
Für die Abschlussfeier im New-York-New-Jersey-Stadion, auch als „Closing Ceremony“ bezeichnet, wird alles größer, bunter und lauter. Ein beeindruckendes Line-up von Stars, darunter Laura Pausini, Nicole Scherzinger, Robbie Williams und IShowSpeed, wird auf der Bühne stehen, während Tom Cruise einen Überraschungsauftritt haben wird. Zudem wird eine Halbzeitshow mit Shakira, Madonna und Justin Bieber erwartet, deren Dauer noch ungewiss ist.
Die FIFA hat eine „besondere Darbietung der US-Nationalhymne“ angekündigt, was möglicherweise als Hommage an Präsident Donald Trump gedeutet werden könnte. Die strengen Sicherheitsvorkehrungen, die mit seinem ersten Auftritt verbunden sind, könnten auch der Grund sein, warum die Zuschauer bereits vier Stunden vor dem Anpfiff (21 Uhr MESZ) den schwierigen Weg über den Hudson River antreten müssen.
In Umfragen unter WM-Besuchern wird häufig dieses Stadion als das unbeliebteste des Turniers genannt. Es wäre jedoch schwer zu vermitteln gewesen, wenn die XXL-Endrunde den Großraum New York umgangen hätte. Die meisten US-Stadien werden bereits wieder für ihre regulären Veranstaltungen umgerüstet. Diese Weltmeisterschaft, die in 16 Stadien (elf in den USA, drei in Mexiko und zwei in Kanada) ausgetragen wurde, hat jedoch keinen einzigen „weißen Elefanten“ hervorgebracht. Das bedeutet, dass es erstmals seit der WM 2006 in Deutschland eine Garantie für eine sinnvolle Weiternutzung der Stadien gibt.
Im Gegensatz dazu haben Länder wie Südafrika, Brasilien, Russland und Katar opulente und teils überteuerte Arenen gebaut, die nach dem Turnier kaum genutzt wurden. In Städten wie Kapstadt, Manaus, Samara sowie in Doha und Al Khor stehen solche Denkmale für den Größenwahn, den die FIFA gefördert hat. In Nordamerika hingegen fand das Turnier hauptsächlich in den luxuriösen Stadien der National Football League (NFL) statt, die die höchsten Zuschauerzahlen und Einnahmen aller Sportligen weltweit anziehen. Es gibt jedoch erste Diskussionen darüber, ob der speziell verlegte Naturrasen nach dem Turnier bleiben könnte, obwohl Kunstrasen in der Regel strapazierfähiger ist.
Einige NFL-Städte scheinen Schwierigkeiten mit der vorübergehenden Übernahme durch eine andere Sportart zu haben. In Foxborough, wo die New England Patriots beheimatet sind, war es untersagt, Bilder von Tom Brady, einem lokalen Sportidol, zu machen.
Ex-Bundestrainer Julian Nagelsmann musste nach dem deutschen Desaster gegen Paraguay durch das Stadion, und als die Franzosen die Südamerikaner besiegten, verkündete die Stadionregie sofort über die Anzeigetafel: „Countdown zur NFL-Saison 2026: 35 Tage.“ American Football wird hier wahrlich vermisst.
Auch die Dallas Cowboys möchten ihre Heimstätte schnellstmöglich zurück, nachdem sie am Dienstag die Spanier im WM-Finale gesehen haben. In Philadelphia, dem Gründungsort der Vereinigten Staaten, interessierte sich am selben Tag kaum jemand dafür, da die besten Baseballspieler des Landes im Stadion der Philadelphia Phillies beim MLB All-Star Game auftraten. Jeder Spieler wurde einzeln aufgerufen, um im All-Star-Gästebuch zu unterschreiben, was viel Zeit in Anspruch nahm. Hoffentlich beobachtet Gianni Infantino dies nicht, denn dann könnte es auch noch in das FIFA-Protokoll für ein WM-Finale aufgenommen werden.
In Atlanta, dem Schauplatz des zweiten Halbfinals, wird das Fehlen der konsumfreudigen Gäste, die Lieder wie „Football’s Coming Home“ sangen, sehr bedauert. Die Stadt erlebte während der WM eine Vielfalt. Unternehmer Arthur Blank hat versichert, dass in seiner Arena weiterhin sowohl American Football als auch Soccer gespielt wird.
Das 2017 gegründete Franchise Atlanta United zieht im Durchschnitt mehr als 37.000 Zuschauer zu jedem Heimspiel in der Major League Soccer an, mehr als jeder andere Standort in der US-Profiliga. Die MLS bereitet sich nun auf den Restart-Modus vor, um das Fußballinteresse zu nutzen. Am Donnerstag sind vier Spiele angesetzt, darunter das kanadische Derby zwischen CF Montréal und Toronto FC.
Thomas Müller wird mit den Vancouver Whitecaps im Soldier Field gegen Chicago Fire antreten. Viele sagen, dass Chicago ein schöner Ort für die WM gewesen wäre, doch die Stadt zog ihre Bewerbung frühzeitig aufgrund finanzieller Risiken durch die FIFA-Auflagen zurück. Nicht alle wollten an dem Spektakel teilnehmen, das mit einem großen Knall endet.