Dani Alves: Vom Weltklassefußballer zum Prediger
Nicht alle Fußballprofis finden nach ihrem Karriereende den Weg zurück ins normale Leben. Ein ehemaliger Weltklasseverteidiger hat in dieser Hinsicht einen steinigen Pfad eingeschlagen.
Girona – Wenn man ganz oben steht, ist der Fall besonders tief. Der Brasilianer Dani Alves kann stolz auf 43 Titel in seiner Karriere zurückblicken. Nur der Fußballstar Lionel Messi hat mehr Trophäen gewonnen. Den Großteil seiner Erfolge feierte Alves während seiner Zeit beim FC Barcelona, wo er unter Trainer Pep Guardiola spielte und mit Messi auf dem Platz stand. Diese glanzvolle Zeit liegt jedoch längst hinter ihm. Dani Alves geriet in rechtliche Schwierigkeiten, verbrachte Zeit im Gefängnis und präsentiert sich nun als geläuterter Prediger. Doch der Reihe nach.
Am Silvesterabend 2022 begibt sich Alves mit einer 23-Jährigen in die Toilette eines Nachtclubs. Keine drei Wochen später wird der Brasilianer festgenommen. Der Vorwurf: Vergewaltigung. Der darauf folgende Prozess endet im Februar 2024 mit einem Urteil von viereinhalb Jahren Haft. Dank einer anonymen Kaution von einer Million Euro wird Alves zwei Monate später freigelassen. Im März dieses Jahres wird das Urteil aufgrund „unzureichender Beweise“ aufgehoben. Doch was bedeutet das für Alves? Ist er wirklich ein resozialisierter Prediger?
„Ich habe einen Pakt mit Gott geschlossen“, verkündet Alves in einer Predigt in Girona. In einem Video ist zu sehen, wie der mittlerweile 42-Jährige mit kurz geschorenen Haaren und einem großen Bart vor einer freikirchlichen Pfingstgemeinde spricht: „Inmitten des Sturms gibt es immer einen Boten Gottes. Dieser Bote brachte mich zur Kirche und zeigte mir den Weg.“ Die Szenerie wirkt surreal und übertrieben, ist jedoch charakteristisch für die Pfingstgemeinde.
In seinem Heimatland Brasilien hat die Freikirche großen sozialen und politischen Einfluss. Über 50 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer fühlen sich dieser exzentrischen Glaubensrichtung zugehörig. Nun zählt auch der Ex-Fußballer dazu. Alves möchte beweisen, dass er einen Wandel durchlebt hat; auf seinem Instagram-Profil bezeichnet er sich als „Jünger Jesu Christi“ und versieht jedes seiner veröffentlichten Bilder mit einem Bibelzitat. Zudem wurde er im Oktober Vater.
Wie authentisch dieser zur Schau gestellte Wandel wirklich ist, ist schwer zu beurteilen. Die Inszenierung ist auffällig und könnte einen bestimmten Zweck verfolgen. Der Oberste Gerichtshof wird in wenigen Wochen entscheiden, ob Dani Alves erneut in Haft muss oder in Freiheit leben kann. Die gefilmte Predigt, die geposteten Bibelzitate und sein neugeborenes Kind könnten als Argumente für seine Läuterung dienen. Wie nachhaltig diese Resozialisierung tatsächlich ist, bleibt vorerst unklar.