Der Klassiker: Bayern gegen Dortmund im Fokus
Der FC Bayern München trifft am Samstagabend auf Borussia Dortmund zum ersten „Klassiker“ der Saison. Diese Bezeichnung ist jedoch alles andere als traditionell und wird oft als ein Konstrukt der Medien betrachtet.
In Dortmund und München startet die Bundesliga erneut mit ihrer Marketingmaschinerie: „Here comes the Klassiker“, heißt es auf der internationalen Webseite der DFL. Seit Jahren wird versucht, das Duell zwischen Bayern und Dortmund zu einer Rivalität zu stilisieren, die dem „echten“ Clásico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid ähnelt.
Während die Feindschaft zwischen den Katalanen und den Königlichen über Jahrzehnte gewachsen ist, ist der Begriff „Klassiker“ in Deutschland vergleichsweise neu. Als Dortmund in den 1990er Jahren zum größten sportlichen Herausforderer der Bayern wurde, war dieser Begriff noch nicht etabliert.
Der Begriff „Klassiker“ fand erst während der Klopp-Ära beim BVB Verbreitung, besonders rund um das deutsch-deutsche Champions-League-Finale 2013 im Wembley-Stadion. In den 1970er Jahren hätte es durchaus einen „Klassiker“ zwischen Bayern und Borussia Mönchengladbach geben können, oder in den 1980er und frühen 1990er Jahren gegen Werder Bremen.
Die Rivalität mit Bremen wurde jedoch als „Nord-Süd-Schlager“ bezeichnet – zu einer Zeit, als die internationale Vermarktung der Bundesliga noch nicht das Millionenprojekt war, das sie heute ist. Der Begriff „Klassiker“ bleibt somit ein Produkt der Medien.
Obwohl die Fanlager beider Vereine oft hitzige Gesänge austauschen, existiert die wahre Rivalität woanders: beim BVB mit Schalke und bei Bayern mit 1860 München. Das Problem ist, dass Schalke in den letzten Jahren weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist und mehr in der zweiten Liga spielt, während 1860 für Bayern keine Rolle mehr spielt.
In den letzten 21 Jahren gab es nur ein Münchner Stadtderby, das 2008 im DFB-Pokal stattfand – abgesehen von den sechs Begegnungen zwischen den Löwen und Bayerns zweiter Mannschaft. In Ermangelung echter Erzrivalen gewinnen die sekundären Rivalitäten an Bedeutung, was die gestiegene sportliche Konkurrenz belegt.
Diese Rivalitäten könnten bei vielen Fans größere Emotionen hervorrufen, wenn nicht die Marketingmaschinerie im Hintergrund so stark wäre. Sportlich gesehen wird das Spiel am Samstag ein echtes Gipfeltreffen: Bayern und der BVB sind die einzigen beiden Teams, die in dieser Saison noch ungeschlagen sind.
Beide Mannschaften haben seit über einem halben Jahr kein Spiel gegen deutsche Klubs verloren. Bayern musste sich nur Inter Mailand, Benfica und Paris Saint-Germain geschlagen geben, während der BVB gegen Barcelona und Real Madrid verloren hat. Auch wenn das Spiel nicht als „Klassiker“ bezeichnet werden muss, könnte es dennoch zu einem spannenden Duell werden.
Die Konstellation stimmt, und beide Teams zeigen eine starke Form. Die Entwicklung dieser Rivalität wird sich jedoch nicht aufhalten lassen, es sei denn, ein anderes Duell etabliert sich dauerhaft. Der Bayer Leverkusen hat in den letzten zwei Jahren einige intensive Begegnungen mit dem Rekordmeister gehabt, doch diese Phase scheint vorbei zu sein, da viele Schlüsselspieler die Werkself verlassen haben. Der BVB bleibt neben Bayern der zweite Leuchtturm des deutschen Fußballs, wie es der scheidende Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke formulierte.