Deutschland auf dem Weg zur WM in Nordirland
Deutschland steht vor einem wichtigen Spiel auf dem Weg zur Weltmeisterschaft in Nordirland. In Belfast erwartet das Team eine herausfordernde Atmosphäre. Wird es dem Team gelingen, emotionale Lösungen zu finden?
Belfast – freundlich und hilfsbereit! So zeigen sich die Menschen in Nordirland bereits am Flughafen. Die Reise von Frankfurt nach Belfast gestaltet sich als anstrengend, da es keinen Direktflug gibt. Die erste Etappe am Sonntagvormittag führt daher nach Manchester. Dort verzögert sich der Anschlussflug und startet um 16:30 Uhr statt wie geplant um 12:35 Uhr – verursacht durch dichten Nebel.
Etwa 45 Minuten später erhellt die Sonne den grauen Himmel über der „Stadt der Titanic“, die rund 350.000 Einwohner zählt. Hier wurde das berühmte „Schiff der Träume“ gebaut. Während ich gegen 17:15 Uhr den Flieger verlasse, scheint der Traum von der Weltmeisterschaft noch weit entfernt. Wie geht es nun weiter?
Schnell zeigen mir Nordiren den Weg zur Buslinie 300a. Mit nur Handgepäck ausgestattet, sitze ich gegen 17:30 Uhr im Doppeldeckerbus und überprüfe nervös die App auf mögliche Verbindungen. Glücklicherweise benötigt ein Taxi von der „Grand Central Station“ nur etwa 10 Minuten. Nach einer rund 30-minütigen Fahrt steige ich auf gut Glück aus und finde ein gelbes Auto. Der Fahrer lacht herzlich.
„Another journalist? Come in!“ Er weiß sofort, wohin ich möchte: „Clearer Twist National Stadium at Windsor Park“. Wir bleiben bei „Windsor Park“. Hier wird schnell klar, dass alles etwas kleiner und familiärer ist. Der Empfangsmitarbeiter reicht mir freundlich die Liste und lächelt: „Find your name and check it off.“ Das bedeutet: Michel, Christopher. Absolut Fußball. Der zweite auf der Liste.
Ich erkunde die Katakomben. Sofort fällt die „Mixed Zone“ ins Auge, in der Spieler, Verantwortliche und Journalisten nach den Spielen zusammentreffen. Die Wege sind kurz, der Arbeitsraum nur fünf Meter entfernt. Im Pressekonferenzsaal wird es kuschelig, hier werden die Akkreditierungen an die Journalisten verteilt – unsere Eintrittskarten für die Partien und verschiedenen Zonen.
Der Mitarbeiter verteilt die Karten mit großer Freude und spricht sogar ein paar Brocken Deutsch. Er erzählt, dass er eine Familie in Essen hat. Solche Geschichten bringen die Branche zum Leben. Die Pressekonferenz beginnt mit etwas Verspätung, da „Julian Nagelsmann noch seine Nase pudern muss“, wie ein Kollege scherzhaft anmerkt.
Die kleine Holztribüne vor dem Podium knirscht und knarrt, als Bundestrainer Julian Nagelsmann und Nico Schlotterbeck, begleitet von Pressesprecherin Franziska Wülle, den Raum betreten. Ich stelle zwei Fragen: Wie wichtig ist ein gut funktionierender Bayern-Block? Und an Schlotterbeck gerichtet, wie fit er nach seiner langen Verletzungspause sei.
Der Abwehrspieler fühlt sich „fit wie nie“ und hat sich „fünf Monate“ auf seine Rückkehr vorbereitet. Bei Schlotterbeck fällt die Klarheit und Reife auf; er hat beim BVB viele Fortschritte gemacht. In Belfast wird es für die Innenverteidiger vermutlich mehr Arbeit geben, da es um zweite, dritte oder vierte Bälle geht.
Rund 800 Fans begleiten die deutsche Nationalmannschaft ins Windsor Park, der etwa 18.500 Zuschauer fasst. Wer die Zeit hat, sollte den Fußweg zum Stadion auf sich nehmen. Es lohnt sich, durch die Siedlung zu laufen und an der „Wall of Questions“ in der Nähe des Stadions vorbeizugehen. Eine Frage lautet: „Ist Fußball Kunst oder Wissenschaft?“ Eine andere: „Ist das Leben ein Spiel?“
Philosophie und Fußball gehen hier Hand in Hand. Im Hintergrund erstrahlt der Windsor Park, der am 2. September 1905 eröffnet und zuletzt 2017 renoviert wurde. Der letzte Auftritt des DFB-Teams liegt gar nicht so lange zurück: Am 5. Oktober 2017 setzte sich Deutschland mit 3:1 in Belfast durch und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft in Russland.
Zu diesem Zeitpunkt war der Bundestrainer noch Joachim Löw. Die rechte Seite bildeten Rechtsverteidiger Joshua Kimmich und der damalige Schalker Leon Goretzka. Sandro Wagner wurde vom kicker zum Spieler des Spiels gekürt. Übrigens: Kimmich traf früh und bereitete später noch ein Tor vor. Ein solches Ergebnis würde auch diesmal die Tür zum WM-Turnier weit aufstoßen.
Damit das gelingt, muss sich Deutschland am Montagabend (20:45 Uhr) voll und ganz auf diese Partie konzentrieren. Kimmich und Goretzka wissen, was auf die Mannschaft zukommt. Die Freude sollte den Druck überstrahlen. Es ist eine reizvolle Herausforderung, in einem solch bedeutenden Duell einen großen Schritt machen zu können gegen einen motivierten Gegner. Ich jedenfalls bin nach meiner Reise nach Nordirland wirklich gespannt auf das Stadion, die Atmosphäre und das Spiel!