Deutschland entfacht WM-Euphorie mit Sieg gegen Finnland
Deutschland hat mit einem souveränen Testspielsieg gegen Finnland die Vorfreude auf die Weltmeisterschaft geweckt. Doch um tatsächlich im Turnier erfolgreich zu sein, ist mehr erforderlich. Ein Kommentar.
Mainz – Das Testspiel gegen Finnland wurde vom DFB strategisch klug gewählt. Zum einen erinnert der Austragungsort in Mainz an das Jahr 2014, als Deutschland ebenfalls seinen letzten Test vor der WM dort absolvierte und anschließend Weltmeister wurde.
Zum anderen erfüllte Finnland als Gegner gleich zwei wichtige Funktionen. Mit seiner defensiven Spielweise sollte die skandinavische Mannschaft die DFB-Elf auf das erste Gruppenspiel gegen Curacao vorbereiten. Zudem sorgte die vergleichsweise geringe Qualität der Finnen dafür, dass Deutschland sich mit einem hohen Sieg auf die Reise in die USA verabschieden konnte.
Das ist gelungen, und entsprechend euphorisch reagierten Spieler, Fans und Experten auf den 4:0-Sieg gegen Finnland. Dieser Erfolg war zudem der achte in Folge, wobei die Gegner jedoch nicht auf einem Niveau waren, das ernsthafte Herausforderungen für Deutschland darstellte. Die wirklichen Prüfungen warten erst in der Gruppenphase mit Ecuador und der Elfenbeinküste, die beide stärker sind, als häufig angenommen wird.
Die DFB-Elf gönnt sich die ausgelassene Feier in Mainz und hofft, diesen Rückenwind optimal zum Turnierstart mitzunehmen. Wie wichtig eine positive Stimmung im Land ist, zeigte die Heim-EM 2024, als Deutschland von der tollen Atmosphäre fast bis ins Halbfinale getragen wurde.
Damals fehlte ein nicht gegebener Handelfmeter – aber auch einige sportliche Prozentpunkte. Diese dürften – trotz der jüngsten Siegesserie – seit der EM eher zugenommen haben. Toni Kroos und İlkay Gündoğan sind zurückgetreten, während Jamal Musiala und Florian Wirtz (noch) nicht das Niveau von vor zwei Jahren erreichen.
Julian Nagelsmann darf die Aufbruchsstimmung genießen, die er und sein Team sich erarbeitet haben. Gleichzeitig bleiben die Herausforderungen groß – und eine bloße WM-Euphorie im Land wird nicht ausreichen, um Teams wie Frankreich, Spanien oder England zu besiegen.