Deutschland gewinnt gegen USA, aber Herausforderungen bleiben
Deutschland hat am Samstagabend gegen Co-Gastgeber USA mit 2:1 gewonnen. Dennoch reicht dieser Sieg nicht aus, um die deutsche Nationalmannschaft zu den Titelfavoriten der kommenden WM zu zählen. Ein Kommentar.
In den letzten Monaten, vielleicht sogar Jahren, ist die Ansage des DFB konstant: Man sei zwar kein Favorit, könne an guten Tagen jedoch jeden Gegner besiegen. Als Beweis werden starke Leistungen, wie bei der Heim-EM 2024 gegen Spanien, angeführt – auch wenn man das Spiel gegen Spanien nicht gewonnen hat. Doch die Siege gegen Top-Nationen sind rar gesät.
Die Tatsache, dass Deutschland nun neunmal in Folge vor der WM gewonnen hat, sollte nicht unterschätzt werden. Dennoch war keiner dieser Gegner eine echte Top-Nation, und die USA stellten die größte Herausforderung dar.
Besorgniserregend war es daher zu beobachten, wie die deutsche Nationalelf gegen den ersten ernsthaften Gegner in Phasen des Spiels agierte, als wäre sie ein Mittelklasse-Team in der Allianz Arena. Die Mannschaft stand ungewohnt tief, zeigte wenig Kreativität im Angriff und konnte kaum Ballgewinne in eigenen Pressingsituationen erzielen. In dieser Verfassung zählt man nicht zu den Favoriten, es sei denn, man hat in den kommenden Wochen außergewöhnlich gute Tage.
Ein Hoffnungsschimmer könnte jedoch der Spielplan der Gruppenphase sein. Gegen Curaçao, das im Niveau weit unter Finnland anzusiedeln ist, wäre alles andere als ein hoher Sieg eine große Überraschung. Aufgrund der erweiterten WM-Teilnahme, bei der auch die acht besten Gruppendritten weiterkommen, wäre man mit einem gewünschten Ergebnis bereits gut aufgestellt.
Die zwei weiteren Gruppenspiele gegen die Elfenbeinküste und Ecuador werden zeigen, wie gut man mit stärkeren Teams umgehen kann. Danach wartet die K.-o.-Phase, in der bereits im Achtelfinale Schwergewichte wie Frankreich oder Brasilien auf die DFB-Elf warten. Bevor man jedoch zu hart mit Kritik ist, lohnt sich ein Blick auf die anderen Nationen: Auch Frankreich (1:2 gegen die Elfenbeinküste) und Spanien (1:1 gegen den Irak) konnten zuletzt nicht gerade für vorzeitige WM-Euphorie sorgen.