Deutschland trifft auf Curacao im WM-Auftaktspiel

Deutschland trifft auf Curacao im WM-Auftaktspiel

Am Sonntag beginnt die deutsche Nationalmannschaft ihr WM-Abenteuer gegen Curacao. Sebastian Friedl, Leiter der Spiel- und Taktikanalyse am Internationalen Fußball Institut (IFI) in Ismaning, gibt im Gespräch mit Absolut Fußball einen Einblick in die Herausforderungen, die auf die DFB-Auswahl warten.

Der Trainer von Curacao, Dick Advocaat, ist eine Legende im Fußball. Dennoch bleibt seine Nationalmannschaft ein großes Fragezeichen. Die zentrale Frage lautet: Worauf muss sich die DFB-Auswahl beim WM-Auftakt am Sonntag um 19 Uhr MESZ einstellen? Friedl erläutert: „Taktisch können wir Curacao in einem geordneten 5-4-1-System erwarten. Der Fokus liegt auf einer defensiven Ausrichtung, kombiniert mit schnellem Umschaltspiel. Zudem haben viele Spieler Erfahrung in europäischen Ligen, sodass Deutschland auf eine komplett professionelle Mannschaft trifft.“

„Allerdings ist Deutschland auf jeder Position deutlich stärker besetzt und daher der klare Favorit“, fügt er hinzu. „Gegen diesen tiefstehenden Verteidigungsblock benötigt das Team von Julian Nagelsmann Geduld, um Torchancen herauszuspielen. Besonders Spieler wie Jamal Musiala, Florian Wirtz und Kai Havertz können mit ihrer Kreativität und individuellen Klasse in engen Räumen entscheidende Momente schaffen und Lücken ausnutzen.“

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Anstoßzeit, meint Friedl: „Um 12 Uhr Ortszeit in Houston, Texas, herrschen heiße Bedingungen. Wenn es den Deutschen gelingt, die Curacao-Spieler ständig in Bewegung zu versetzen, könnte dies im Laufe des Spiels dazu führen, dass die Abstände zwischen den Verteidigern der Karibikinsel größer werden. Solange Deutschland nach Ballverlust konsequent im Gegenpressing und in der Kontersicherung bleibt, stellt sich die Frage: Wie lange kann Curacao das 0:0 halten?“

Interessanterweise sind fast alle Spieler von Curacao in den Niederlanden geboren und dort fußballerisch auf hohem Niveau ausgebildet. Viele Akteure sind derzeit in der holländischen Eredivisie oder der englischen 2. Liga aktiv. „Herausragende Spieler sind die Offensivkräfte Tahith Chong von Sheffield United und Sontje Hansen vom FC Middlesbrough, die besonders über ihre Geschwindigkeit im Konterspiel gefährlich werden können“, erklärt Friedl.

Auch die Defensive bringt Erfahrung aus der Eredivisie mit. „Im Abwehrzentrum gibt Armando Obispo, Innenverteidiger der PSV Eindhoven, die Kommandos“, so Friedl weiter. Bekannte Spieler aus Deutschland sind Tahith Chong (kurzzeitig bei Werder Bremen) und Jürgen Locadia (ehemals Hoffenheim und Bochum, jetzt beim Miami FC).

Der wahre Star der Nationalmannschaft ist jedoch Trainer Advocaat. Friedl beschreibt ihn als „eine Persönlichkeit, die für Disziplin, Autorität und eine klare, vor allem defensive Struktur seiner Mannschaft steht. Er bringt große Erfahrung mit, nachdem er unter anderem bei bekannten europäischen Clubs wie Borussia Mönchengladbach als Coach tätig war. Dies ist nun sein dritter WM-Einsatz als Cheftrainer.“ Nach seiner Teilnahme 1994 mit den Niederlanden in den USA und 2006 mit Südkorea in Deutschland möchte der 78-Jährige nun mit Curacao für eine Überraschung sorgen.

„Es scheint, als wäre seine Persönlichkeit und klare Richtungsvorgabe in Kombination mit der Kultur Curacaos eine sehr gut funktionierende Mischung“, meint Friedl. „Die Spieler aus der Karibik freuen sich, dabei zu sein, was zu einem besonderen Teamgeist und Stärke führen kann, insbesondere wenn sie es schaffen, stärkere Nationen herauszufordern und vor fußballerische Probleme zu stellen“, ergänzt er.

„Zudem geht das Team als klarer Außenseiter ins Turnier, was bedeutet, dass keine belastenden Erwartungen bestehen. Gegen Deutschland kann Curacao eigentlich nur gewinnen, während die Nagelsmann-Auswahl viel zu verlieren hat. Alles andere als ein klarer Auftaktsieg wäre eine Enttäuschung.“

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