DFB-Team unter Druck: BVB-Block soll helfen

DFB-Team unter Druck: BVB-Block soll helfen

Die deutsche Nationalmannschaft steht in der WM-Qualifikation unter Druck. Nach der historischen 0:2-Niederlage in der Slowakei, die als erste Auswärtspleite in der WM-Qualifikation gilt, hat Bundestrainer Julian Nagelsmann bei der Nominierung für die kommenden Spiele gegen Luxemburg und Nordirland ein Zeichen gesetzt. Fünf Spieler von Borussia Dortmund wurden in den Kader berufen, was den gleichen Block wie beim FC Bayern bildet.

Diese beiden Teams führen die Tabelle an, was sich auch in der Bilanz der letzten internationalen Spiele zeigt: Bayern hat seit Mitte März drei Niederlagen hinnehmen müssen, während Dortmund nur zwei verlor. Während die Münchener derzeit in Topform sind, zeigt Dortmund großen Einsatz. Matthias Sammer, Kritiker und ehemaliger Sportdirektor des DFB, erkennt in beiden Ansätzen eine wertvolle Blaupause.

Sammer hebt hervor, dass die Tugenden, die er im deutschen Fußball vermisst, unter Trainer Niko Kovač bei Borussia Dortmund gelebt werden. „Er hat es wunderbar geschafft, dass die Mannschaft wieder marschiert“, lobt Sammer bei Sky. „Das ist mit allen Daten nachweisbar und dokumentiert.“

Die Fans von Borussia Dortmund wissen, dass ihre Mannschaft unter Kovač deutlich laufstärker geworden ist. Im erfolgreichen Endspurt der Vorsaison überschritt Dortmund regelmäßig die von Bundesliga-Trainern als „magisch“ bezeichnete Marke von 120 Kilometer Laufleistung. Der schwedische Spieler Daniel Svensson ist ein Lieblingsspieler von Kovač, was nicht verwunderlich ist.

„Er hat nicht nur gesagt, dass sie mehr laufen sollen, sondern dass sie dafür auch etwas tun müssen“, erklärt Sammer. Kovač habe „an der Intensität und der Dauer geschraubt, das Grundlagentraining wieder implementiert und den Spielern Vertrauen gegeben.“ Diese Unterstützung erhält der Trainer auch von der Vereinsführung, die ihm kürzlich eine Vertragsverlängerung bis 2027 angeboten hat.

Obwohl Sammer nicht aktiv im operativen Geschäft bei Borussia Dortmund tätig ist, hat seine Meinung Gewicht, insbesondere für Kovač, der Sammer als „Sparringspartner“ sieht, wie BVB-Experte Pit Gottschalk in seinem Podcast „Fever Pit’ch“ formulierte. Es ist bekannt, dass Kovač und Sammer gedanklich nahestehen.

„Alles, was ich in meinem Leben erreicht habe, habe ich durch harte Arbeit geschafft“, betonte der BVB-Trainer bereits bei seiner Vorstellung im Februar. Seine Grundsätze fasst er gerne in wenigen Schlagworten zusammen: „Disziplin, Ordnung, Leidenschaft, Intensität – und dass man jede Trainingseinheit nutzt.“

Manchmal wird Kovač vorgeworfen, ein altmodischer Trainer zu sein. Sammer ist jedoch der Meinung, dass eine Rückbesinnung auf solche Werte dem deutschen Fußball gut tun würde. „Wir sind nicht mehr fitter und läuferisch besser als andere Nationen“, klagt Sammer. „Vielleicht sind wir uns mittlerweile zu schade für die Drecksarbeit. Vielleicht sind wir zu bequem geworden.“

„Wir stellen die Idee über die Qualität des einzelnen Spielers. Das macht keinen Sinn“, so Sammer weiter. Stattdessen müsse man „Mittelwege finden für die Kreativität und Individualität unserer Spieler und daraus eine Mannschaft formen“. Genau das ist Kovač beim BVB gelungen. Ein Beispiel dafür ist Karim Adeyemi, der eine neue Ernsthaftigkeit zeigt, ohne seine offensive Freiheit zu verlieren.

Die positive Entwicklung von Dortmund unter Kovač könnte auch für die Nationalmannschaft ein gutes Vorbild sein, da sie in relativ kurzer Zeit erreicht wurde. Es ist noch nicht lange her, dass Dortmund konzeptlos wirkte, was Sammer nach der Niederlage gegen den FC Bologna im Januar scharf kritisierte.

„Diese Mannschaft ist körperlich und geistig in einer Nicht-Verfassung“, äußerte Sammer damals bei Amazon Prime. Diese Kritik stieß auf Widerspruch, doch Sammer sprach im Grunde nur aus, was viele Fans dachten und was Beobachter nicht zu sagen wagten.

Während er Nuri Şahin damals stark kritisierte, lobt Sammer nun dessen Nachfolger: „Niko ist ruhig, hat die Erfahrung und ist gelassen.“ Kovač verkörpert genau das, was der Europameister von 1996 im deutschen Fußball vermisst und fasst es in drei Schlagwörtern zusammen: „Körperlichkeit, als Mannschaft verteidigen zu können und zu wollen und wie man einen Teamgeist entwickelt.“

Die fünf nominierten BVB-Spieler – Adeyemi, Waldemar Anton, Maximilian Beier, Felix Nmecha und Nico Schlotterbeck – sind lebende Beispiele für Kovačs Einfluss in Dortmund und sollen auch der Nationalmannschaft helfen. „Julian Nagelsmann sucht Stabilität, und das geht über Kontinuität und Vertrauen“, analysiert Sammer.

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