DFB-Trainer Nagelsmann verschiebt WM-Kaderbekanntgabe
Verletzungssorgen beim DFB: Bundestrainer Julian Nagelsmann hat die Bekanntgabe des WM-Kaders um eineinhalb Wochen verschoben. Der Grund für diese Entscheidung ist taktischer Natur.
Frankfurt – Wer fährt zur WM? Diese Frage müssen Millionen deutsche Fußballfans nun noch etwas länger aushalten. Nagelsmann hat die Bekanntgabe des 26-Mann-Kaders für das Turnier in den USA, die ursprünglich für den 12. Mai geplant war, auf den 21. Mai verschoben. Diese neun zusätzlichen Tage könnten für einige Spieler entscheidend sein.
Die Verschiebung wurde offenbar bewusst gewählt, um die Fitness mehrerer angeschlagener Nationalspieler abzuwarten. Kai Havertz hat mit Leistenproblemen zu kämpfen, während Tom Bischof und Lennart Karl an Muskelfaserrissen leiden. Felix Nmecha fällt aufgrund eines Außenbandrisses aus. Alle diese Spieler stehen auf Nagelsmanns Liste, und er möchte sich die Möglichkeit offenhalten, sie zu berücksichtigen.
Der neue Termin am 21. Mai ist nicht zufällig gewählt: Fünf Tage zuvor, am 16. Mai, findet der letzte Bundesliga-Spieltag statt. Nagelsmann möchte sich bis nach dem Saisonfinale Zeit lassen, um seine endgültige Entscheidung zu treffen. Dies ist ein kluger Schachzug, da er so nicht nur die Verletzungsverläufe beobachten, sondern auch die Form der Kandidaten in den letzten Pflichtspielen ihrer Klubs berücksichtigen kann.
Auch das ursprünglich für den 25. Mai geplante Treffen des Nationalmannschafts-Trosses in Herzogenaurach wurde verschoben und findet nun am 27. Mai statt. Hintergrund ist das DFB-Pokalfinale am 23. Mai zwischen dem FC Bayern und dem VfB Stuttgart, bei dem zahlreiche Nationalspieler auf dem Platz stehen werden. Diese Spieler sollen danach etwas mehr Zeit zur Erholung erhalten, bevor die WM-Vorbereitung richtig beginnt.
Am 31. Mai steht in Mainz ein Testspiel gegen Finnland an, bevor die DFB-Elf am 2. Juni von Frankfurt nach Chicago aufbricht. Dort findet am 6. Juni das letzte Vorbereitungsspiel gegen den Gastgeber USA statt – ein wichtiger Stimmungstest vor dem Turnier. Deutschland wird ab dem 14. Juni im WM-Geschehen eingreifen, mit dem ersten Gegner in Gruppe E, dem WM-Neuling Curaçao in Houston, gefolgt von der Elfenbeinküste und Ecuador. Nagelsmann wird auf 26 Spieler setzen – und diese Auswahl möchte er erst dann bekanntgeben, wenn er alle Informationen hat.
Die Verschiebung der Kaderbekanntgabe ist also kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von Bedachtheit. Nagelsmann lässt sich nicht drängen, was letztlich auch den Spielern zugutekommen dürfte, die noch um ihre WM-Chance kämpfen. Ob Havertz, Nmecha und Co. rechtzeitig fit werden, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Spannung steigt.