Die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer im Schatten von Jürgen Klopp
Die Frage, wie lange Julian Nagelsmann Bundestrainer bleibt, hängt auch vom bevorstehenden Spiel gegen Paraguay ab. Jürgen Klopp hingegen zieht derzeit mit seiner Präsenz alle Blicke auf sich.
Boston – Jürgen Klopp hat sich durch seine offene und charismatische Art als Trainer von Dortmund und Liverpool in die Herzen der fußballbegeisterten Menschen gespielt. Der 59-Jährige ist dafür bekannt, Namen und Gesichter zu merken, was in der oft oberflächlichen Fußball-Branche selten vorkommt. Selbst wenn er jemanden nur einmal getroffen hat, vermittelt er bei einem Wiedersehen das Gefühl, sich schon lange zu kennen.
Die meisten deutschen Fußballfans schätzen Klopp, auch wenn seine ersten Auftritte als Experte bei MagentaTV während der WM einige Sympathiepunkte gekostet haben. Nach seiner Entschuldigung im Live-Fernsehen haben ihm die meisten diese „Noch“-Äußerung jedoch verziehen. Oder wie Klopp es ausdrücken würde: „Schwamm drüber.“
Im Gegensatz dazu scheint die deutsche Fußballgemeinschaft mit Julian Nagelsmann noch nicht ganz warm zu werden. Seine Aussagen werden häufig hinterfragt: Mal erscheinen sie zu forsch, mal wird ihm Schmallippigkeit vorgeworfen oder er wirkt einfach beleidigt. Es scheint, als könne der Nationaltrainer es seinen Kritikern nicht recht machen.
Als Nagelsmann am Sonntag in Boston auf den ständigen Druck von außen angesprochen wurde, antwortete er: „Das ist wie bei jedem Menschen. Die Frage können Sie sich also selbst beantworten.“ Er habe jedoch nicht das Gefühl, eine Beweispflicht gegenüber Menschen außerhalb der Nationalmannschaft zu haben. Nagelsmann spürt, dass er von einigen kritisch betrachtet wird.
Der DFB hat erkannt, dass der zweifache Familienvater in seiner Kommunikation manchmal impulsiv ist. Hier kommt Rudi Völler ins Spiel, den Nagelsmann selbst als „Vaterfigur“ bezeichnet hat. Mit seiner Erfahrung und Souveränität hilft der Sportdirektor immer wieder, wenn Nagelsmann in seinen öffentlichen Äußerungen ins Straucheln gerät.
Ein Beispiel dafür war nach der 1:2-Niederlage gegen Ecuador, als Kapitän Joshua Kimmich anmerkte, dass der Gegner den Sieg an diesem Tag mehr gewollt hätte. „Bitte hört auf mit dem Quatsch, ehrlich. Warum wollten die Jungs nicht Vollgas geben?“, entfuhr es Nagelsmann im Live-Interview mit Magenta-Moderator Johannes B. Kerner.
Auf die Frage, ob Nagelsmann sich in solchen Situationen nicht leichter tun könnte, antwortete Völler: „Julian hat das genau so gemacht, wie man es machen muss – die Spieler in Schutz nehmen. Das bedeutet jedoch nicht, dass der eine oder andere es nicht auch etwas besser machen könnte.“
Nachdem Hansi Flick im September 2023 als Bundestrainer zurücktrat, wurde Nagelsmann schnell als ideale Lösung präsentiert – auch weil Klopp zu diesem Zeitpunkt noch beim FC Liverpool unter Vertrag war. Mittlerweile ist Klopp jedoch nicht mehr bei den Reds und schwebt wie ein Schatten-Bundestrainer über Nagelsmann. Bei der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko steht Klopp jedoch im Rampenlicht.
Seine Rolle als TV-Experte und seine Präsenz bei Veranstaltungen abseits der Fußballstadien in den USA tragen dazu bei. Als sein Ausstatter Adidas ihn zu einer Panel-Diskussion in die World of Soccer nach Brooklyn einlud, nahm sich Klopp viel Zeit, gab ausführliche Interviews und erfüllte jeden Selfie-Wunsch.
Klopp's omnipräsente Erscheinung ist sicherlich auch Nagelsmann nicht entgangen. Hinter den Kulissen wird bereits seit der umstrittenen „Noch“-Äußerung heftig über die Zukunft des Bundestrainers diskutiert: Ob Nagelsmann tatsächlich bis 2028 weitermachen möchte oder ob der Verband vielleicht andere (Klopps) Pläne verfolgt, wird sich erst nach dieser Weltmeisterschaft zeigen.