Dokumentation über die WM 1994: Effenbergs Stinkefinger und seine Folgen

Dokumentation über die WM 1994: Effenbergs Stinkefinger und seine Folgen

Die Fußball-Weltmeisterschaft 1994 gilt als eine der umstrittensten in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Im Mittelpunkt steht der berüchtigte Mittelfinger von Stefan Effenberg. Eine neue Dokumentation bietet nun spannende Einblicke in diese Zeit.

Chicago/Dallas – Update vom 2. Juni, 6:55 Uhr: Die vierteilige Dokumentation „Elf Helden – Ein Albtraum“ ist jetzt in der Mediathek verfügbar. Hier können die vier Folgen angesehen werden.

Am 27. Juni 1994 erlebte die deutsche Nationalmannschaft ein denkwürdiges Spiel. Obwohl Deutschland Südkorea mit 3:2 besiegte, gingen die Ereignisse über das Spiel hinaus. In den Fokus rückte Stefan Effenberg und eine denkwürdige Geste.

Was war geschehen? Bei extremen Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius im Cotton Bowl führte die DFB-Elf zur Halbzeit mit 3:0, dank zweier Tore von Jürgen Klinsmann und einem Treffer von Karl-Heinz Riedle. Doch nach der Pause geriet die Mannschaft unter Druck und ließ die sichere Führung fast entgleiten.

Die Reaktion der deutschen Fans war unmissverständlich: Es wurden Pfiffe laut, vor allem gegen Effenberg. In der Dokumentation erinnert er sich: „Es wurde unruhig. Die Beschimpfungen kamen direkt aus dem deutschen Block.“ Sein ehemaliger Teamkollege Maurizio Gaudino fügt hinzu: „Stefan wurde von den deutschen Fans ausgepfiffen.“

Die Reaktion Effenbergs war der berüchtigte Stinkefinger in Richtung der Tribüne. Er erläutert: „Das Angestaute entlud sich in Richtung der Fans …“ Ironischerweise wurden zahlreiche Berichte über diesen Vorfall veröffentlicht, jedoch gab es kein Bild von der tatsächlichen Szene.

Effenberg selbst stellt klar: „Es hat niemand gesehen, keine Kamera hat es eingefangen, es gibt kein einziges Foto davon.“ Er hätte den Vorfall leugnen können, entschied sich jedoch, die Wahrheit zu sagen und war wenig kompromissbereit. Wolfgang Niersbach, damals Mediendirektor, versuchte vergeblich, Effenberg zu einer Entschuldigung zu bewegen.

Die Situation entwickelte sich anders als erwartet. Effenberg erinnert sich: „Bei meiner Ankunft in Chicago sagten Egidius Braun (damaliger DFB-Präsident) und Berti Vogts: ‚Wir werden jetzt mal eine Nacht darüber schlafen.‘ In dem Moment wusste ich, dass ich packen und abreisen würde.“

Am nächsten Morgen wollte Braun mit Effenberg sprechen, doch dieser hatte bereits seine Koffer gepackt. „Ich brauche nicht mehr hin“, sagte er. Tatsächlich wurde Effenberg, ein zentraler Spieler im deutschen Team, nach Hause geschickt. Dies markierte den Beginn seines sportlichen Rückzugs. Klinsmann und nahezu alle Spieler stellten sich hinter Effenberg: „Das kann doch nicht wahr sein. Wir können Stefan Effenberg nicht wegen so eines Vorfalls nach Hause schicken – bei 48 Grad im Schatten …“

Effenbergs eigene Reaktion war überraschend: „Ich war gar nicht mal traurig. Ist das komisch? Das ist schon komisch.“ Bundestrainer Berti Vogts forderte Effenberg auf, sich zu entschuldigen, doch dieser weigerte sich. Vogts erklärte: „Stefan, das kann man nicht machen. Wenn du das nicht machst, müssen wir uns trennen.“

Vogts hatte bereits eine Vorahnung: „Ich habe immer gewusst, dass er ein großer Egoist ist. Das muss man mögen …“ Dennoch äußert Effenberg am Ende der Dokumentation ein positives Urteil über Vogts: „Für mich gehört er zu den besten Bundestrainern, die wir hatten.“ Trotz des Vorfalls bleibt die Beziehung zwischen den beiden kompliziert.

Die vierteilige Dokumentation „Elf Helden – Ein Albtraum“ ist ab dem 2. Juni in der ARD-Mediathek verfügbar. Am 14. Juni wird sie als 90-minütige Sendung im Free-TV nach dem WM-Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curacao ausgestrahlt.

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