Eintracht Frankfurt plant Umstrukturierung mit Fokus auf eigene Talente
Der Bundesligist Eintracht Frankfurt plant, künftig nur noch 17 Spieler auf Topniveau im Kader zu halten. Die Positionen 18 bis 20 sollen von Nachwuchsspielern aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) besetzt werden.
Vor einigen Wochen gab Finanzvorstand Julien Zamberk in einem wenig beachteten Podcast einen tiefen Einblick in das Geschäftsmodell des Vereins. Die Strategie der Eintracht, die auf der Entwicklung junger Talente basiert, ist bekannt: Spieler werden gefördert, verbessert und anschließend zu hohen Preisen verkauft. Diese Vorgehensweise hat über Jahre hinweg hervorragend funktioniert, und der Verein wurde in ganz Europa als Vorbild gefeiert. Doch mit dem Wachstum und den Erfolgen kamen auch steigende Kosten.
Der Personalaufwand erreichte mit 177,3 Millionen Euro einen Rekordwert, was einem Anstieg von einem Viertel im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Ein erheblicher Teil dieser Ausgaben fließt in die Gehälter der Spieler, die durch die Qualifikation für die Champions League hohe Einnahmen erzielen. Doch irgendwann ist das finanzielle Limit erreicht.
Die Ausgaben sind erheblich, und die Struktur des Vereins erscheint ungesund. Zamberk deutete bereits vor zwei Monaten an, dass eine Anpassung der Strategie notwendig sein könnte: „Wir haben die Möglichkeit, Kosten und Abschreibungen zu reduzieren und die Personalkosten zu senken“, erklärte der 38-Jährige. „Wir können unsere Investitionen anpassen und die Ausgaben regulieren.“
Er brachte auch die Möglichkeit ins Spiel, dass sich der Verein von seiner bisherigen Strategie abwenden könnte. „Wenn sich der Transfermarkt verändert und wir der Meinung sind, dass es zu riskant ist, in diesen Größenordnungen zu agieren, dann benötigen wir eine andere Strategie. Vielleicht setzen wir dann stärker auf die eigene Jugend, investieren in das NLZ oder verpflichten jüngere Spieler, die in einer anderen Preisklasse liegen.“
Jetzt scheint der Zeitpunkt für diese Veränderungen gekommen zu sein. Der Verein plant zwar keine radikale Kursänderung, aber es werden Anpassungen vorgenommen: Die finanziellen Mittel werden straffer geschnallt und das Geschäftsgebaren den aktuellen Gegebenheiten angepasst. Eintracht Frankfurt geht einen neuen Weg.
Es ist für den Verein nicht mehr so einfach, junge, talentierte Spieler zu verpflichten, die Entwicklungspotenzial besitzen und erschwinglich sind. „Die Märkte sind von anderen Klubs besetzt“, erklärt Sportvorstand Markus Krösche. „Große Klubs, die früher eher Spieler gekauft haben, drängen jetzt in den Talentemarkt.“ Dies führt zu steigenden Preisen.
Ein Beispiel dafür ist der Däne Victor Froholdt, an dem die Eintracht vor einem Jahr interessiert war und dessen Ablöse zunächst auf acht Millionen Euro geschätzt wurde. Letztendlich wechselte er jedoch für 22 Millionen Euro zum FC Porto. Auch im aktuellen Poker um Cajetan Lenz, 19, vom VfL Bochum, wurde das Paket, das mehr als zehn Millionen Euro kosten sollte, als zu teuer erachtet.
Krösche betont, dass der Verein seinen Fokus auf eine kleinere Gruppe von potenziellen Neuzugängen legen muss und bereit sein sollte, etwas mehr Geld auszugeben. Das bedeutet auch, dass Fehlentscheidungen weniger verziehen werden und härter bestraft werden. „Wir wollen neue Märkte definieren und erschließen, in denen die Preise nicht so explodieren“, sagt der Manager. „Wir wollen noch früher aktiv werden.“
Ein Beispiel für diese neue Strategie ist der 18-jährige schwedische Mittelfeldspieler Love Arrhov, für den die Eintracht 4,6 Millionen Euro bezahlt hat und der als großes Talent gilt. Auch Keita Kosugi, der für mehr als vier Millionen Euro von Djurgardens IF verpflichtet wurde, wird in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten unter dem ehemaligen Trainer Albert Riera, der ihn nicht einsetzte, soll der Nachwuchs in Zukunft eine größere Rolle im Verein spielen.
Die Eintracht plant, den Kader perspektivisch zu verkleinern. Aktuell stehen fast 30 Spieler im Kader, ohne die sieben ausgeliehenen Spieler zu zählen. „Wir wollen eine Mannschaft mit 17 Spielern auf Topniveau haben und die Positionen 18, 19 und 20 aus dem eigenen Nachwuchs besetzen“, erklärt Krösche und spricht von einem 17+3-Modell, zuzüglich drei Torhütern. „Das ist ein Zeichen an das NLZ: Wir wollen auf die Jungs setzen und sie gemeinsam entwickeln.“
Krösche ist sich bewusst, dass ein solches Vorhaben nicht innerhalb eines Jahres umgesetzt werden kann. „Wir stehen im Wettbewerb mit Klubs, die deutlich mehr Möglichkeiten haben, da müssen wir Lösungen finden“, sagt er. Dazu gehören die Reduzierung der Kadergröße, die Fokussierung auf den Kernkader und die Konzentration der Budgets.
Die Talente müssen zudem besser ausgebildet werden. Das Ziel ist, dass sie „Minuten bei den Profis bekommen und vielleicht sogar Stammspieler werden“. Aktuell stehen jedoch nur wenige hochbegabte Spieler bereit, um sich im Profibereich zu beweisen. Der 15-jährige Niko Ilicevic ist eine Ausnahme, während selbst der talentierte Alexander Staff von vielen Experten als weniger vielversprechend eingeschätzt wird. Es ist an der Zeit, dass die Eintracht verstärkt auf die Jugend setzt und diesen Weg konsequent verfolgt.