Eintracht Frankfurt unter Albert Riera: Erste Fortschritte und neue Spielansätze
Albert Riera ist erst seit zwei Wochen Trainer von Eintracht Frankfurt, doch bereits jetzt sind erste Veränderungen unter seiner Leitung erkennbar.
Frankfurt – Es klang wie eine Drohung, als Riera vor seinem Debüt bei der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Union Berlin (1:1) sagte: „Alles wird anders sein. Sie werden eine andere Mannschaft sehen – selbst beim Einwurf.“ Diese Ankündigung war durchaus selbstbewusst, da der Spanier nicht für Understatement bekannt ist.
Obwohl die Eintracht noch nicht das Niveau des FC Barcelona erreicht hat, zeigen die ersten 180 Minuten in Berlin und gegen Borussia Mönchengladbach (3:0) bereits erkennbare Unterschiede. Riera untersucht jeden Aspekt des Kaders und scheut sich nicht vor überraschenden Entscheidungen. Das Fußballportal „Absolut Fussball“ hat vier wesentliche Punkte identifiziert.
In Berlin leitete der Spielaufbau der Eintracht über Kapitän Robin Koch, Rasmus Kristensen und Arthur Theate, die alle über 100 Ballkontakte hatten. Bei einem Ballbesitz von fast 73 Prozent waren sie ständig gefordert. Gegen Gladbach ersetzte Aurèle Amenda den verletzten Theate. Da die Frankfurter insgesamt nur 44 Prozent Ballbesitz hatten, waren die Abwehrspieler weniger involviert.
Das Muster ist jedoch klar erkennbar, selbst die verletzungsbedingte Auswechslung von Kristensen änderte daran nichts. Nnamdi Collins übernahm seine Position, hatte 43 Ballkontakte und eine Passquote von 88 Prozent. Riera hat eine klare Vorstellung, und das Team folgt ihm bisher gut. Die ersten beiden Spiele dienen zudem als Mutmacher.
Als Arnaud Kalimuendo in der 17. Minute verletzt ausgewechselt werden musste, brachte Riera nicht Ansgar Knauff, sondern rief Mahmoud Dahoud. Dies deutet auf eine Umstellung bei der Eintracht hin, um den 30-Jährigen im zentralen Mittelfeld zu positionieren. Riera erklärte nach dem Spiel: „Ich liebe es, mit einer falschen Neun zu spielen.“
Diese Anpassung veränderte das Spiel der Eintracht, und die beiden Flügelspieler Ayoube Amaimouni-Echghouyab und Jean-Matteo Bahoya wurden entscheidend. Bahoya lieferte zwei Vorlagen, während Amaimouni-Echghouyab bei seinem Startelfdebüt ein schönes Tor erzielte. Riera bringt frischen und mutigen Wind ins Spiel.
Der Führungstreffer von Nathaniel Brown war ein präziser Abschluss ins Eck mit dem schwächeren rechten Fuß. Spannender war jedoch die Entstehung des Tores: In der 22. Minute erkämpften sich die Frankfurter einen Einwurf tief in der eigenen Hälfte. Kristensen warf in der 22:39 das Leder zu Ritsu Doan.
Es folgten 25 kurze Pässe mit Seitenverlagerungen, Bewegung ohne Ball, Mut, Tempoverschärfungen und Eins-gegen-Eins-Situationen. Gladbach war 78 Sekunden lang nicht am Ball und hatte keine Möglichkeit, in Zweikämpfe zu kommen. Dies erinnerte an Tiki-Taka und an die Kombinationen großer Mannschaften. Auch mit Bahoya, Brown, Hugo Larsson und Co. ist ein gepflegtes Passspiel möglich.
Die Gegentorflut aus der Saison 2026 wurde vorerst gestoppt. Nach 15 Gegentoren in den ersten fünf Partien fiel zuletzt nur ein Treffer – und zwar durch einen Strafstoß in Berlin. Frankfurt agiert noch nicht fehlerfrei, jedoch ist eine neue Kompaktheit zurückgekehrt, und die Zweikampfquote wurde gegen Gladbach auf 54 Prozent gesteigert. Dies war erst das vierte Mal in dieser Bundesliga-Saison, dass die Null gehalten wurde. Für Santos war es sogar die erste „weiße Weste“ in dieser Spielzeit.
In der Hinrunde kassierte die Eintracht gegen diese beiden Gegner insgesamt sieben Gegentore, was zu einer emotionalen Achterbahnfahrt führte und in der Entlassung von Dino Toppmöller endete. Sportvorstand Markus Krösche lobte: „Wir haben eine ganz andere Boxverteidigung und Verteidigungsmentalität gezeigt. Im Strafraum geht es darum, seinen Mann zu verteidigen, und das haben wir gut gemacht.“
Es wird noch Zeit brauchen, bis alle Pläne von Riera vollständig umgesetzt sind. Der gebürtige Mallorquiner konnte jedoch durch diese vier Punkte ein Abrutschen ins Mittelfeld der Bundesliga verhindern und das Selbstvertrauen seines Teams stärken. Ob dies ausreicht, um am kommenden Samstag (15:30 Uhr) gegen den FC Bayern München bestehen zu können, bleibt abzuwarten.
Die entscheidenden Wochen stehen nach dem Spiel gegen den Rekordmeister an. Der SC Freiburg (H), FC St. Pauli (A), 1. FC Heidenheim (H), FSV Mainz 05 (A), 1. FC Köln (H) und VfL Wolfsburg (A) warten nacheinander. In diesen sechs Duellen wird sich entscheiden, wie die Saison für Frankfurt verläuft. Intern ist man sich bei der Eintracht bewusst, wie viel Arbeit noch vor ihnen liegt. Der Sieg gegen Gladbach war jedoch ein wichtiges Signal nach einer schwierigen Zeit.