Emotionen und Erinnerungen: Tiago Tomas und der Fußball beim VfB Stuttgart
In seiner Kolumne „Druck auf dem Kessel“ thematisiert Reporter Niklas Noack, warum der Fußball beim VfB Stuttgart für einen Moment in den Hintergrund trat.
Glasgow – Liebe Leserinnen und Leser, heute fällt es mir nicht leicht, über Fußball zu schreiben. Zwar dreht sich diese Kolumne um den Sport, dem 20 Männer nachjagen, doch es geht vielmehr darum, wie schnell die Leidenschaft für das Spiel zur Nebensache werden kann. Dennoch bleibt es eine wichtige Nebensache, da wir unsere Emotionen hier offen zeigen wie selten zuvor.
Es war sowohl absurd als auch schön, dass Tiago Tomas' Tor genau in dem Moment fiel, als die VfB-Kurve „Always Look on the Bright Side of Life“ sang. Natürlich gelingt es nicht immer, nach dieser Prämisse zu leben. Manchmal ist das Leben leider von Dunkelheit geprägt. Doch gerade in solchen Momenten wird das Schöne oft besonders deutlich.
Nach dem Tor von Tomas, der kürzlich seinen Vater viel zu früh verloren hat, war die emotionale Verbindung spürbar. Bereits nach dem Abpfiff der Partie gegen Köln, als Tomas nach langer Zeit wieder auf dem Platz stand, weinte er, und seine Mitspieler trösteten ihn. Als er dann im Celtic Park das 4:1 erzielte, liefen alle Teamkollegen erneut zu ihm, um ihn in diesem besonderen Moment zu unterstützen.
Die Mannschaftskameraden zeigten ein bemerkenswertes Gespür, ähnlich wie die Fans, die Tomas nicht nur feierten, sondern ihn auch mit extra Applaus aufbauten. Diese Momente verdeutlichten die intensive Verbindung zwischen der Mannschaft und den Anhängern. Solche Szenen berührten mich und drängten das gesamte Spektakel rund um das Spiel im legendären Celtic Park in den Hintergrund.
Inzwischen hat sich Tomas selbst zu seiner Trauer geäußert. Auf Instagram teilte er Fotos von sich und seinem verstorbenen Vater. Dazu verfasste er einen Text, der Einblicke in sein Seelenleben gewährt. Darin finden sich tröstliche Worte und eine positive Grundstimmung.
Er sprach von seinem Vater, der immer sein bester Freund bleiben wird. Er betonte, dass die Liebe nicht endet, sondern sich lediglich „wandelt“. Zudem bemerkte er: „Das Leben misst sich nicht an seiner Länge, sondern an den Spuren, die wir hinterlassen.“ Diese Spuren hinterlässt Papa Tomas, wie Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf dem Instagram-Kanal des Fußballers selbst nachlesen können.
Da seine eigenen Worte an den Vater am besten passen, möchte ich diesen Text mit einem Zitat von Tomas schließen: „Du hattest die seltene Gabe, Menschen zu berühren, sie sich wichtig fühlen zu lassen und ihnen Energie zu geben. Ein ansteckendes Lächeln, das niemanden kalt ließ.“
Weiter schreibt Tomas: „Mit dir habe ich auch gelernt, dass Fußball nicht das Wichtigste ist – obwohl du mein größter Kritiker warst und meine Siege mit noch mehr Begeisterung gefeiert hast als ich selbst. Und deshalb weiß ich, dass du heute dort oben feierst und dieses Tor noch mehr bejubelst als ich. Du bist stolz auf deinen Champion.“