Emre Can: Die ungewisse Zukunft des Dortmund-Kapitäns
Bei Borussia Dortmund gibt es derzeit nur wenige Personalprobleme, doch das Schicksal des Kapitäns Emre Can bleibt mysteriös und kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt.
Der Trainingsplatz von Borussia Dortmund im Stadtteil Brackel ist momentan nahezu leer, da 15 Spieler mit ihren Nationalmannschaften unterwegs sind. Emre Can gehört weder zu dieser Gruppe noch zum kleinen Trainingsbetrieb unter Trainer Niko Kovač. Die Situation um den Kapitän ist unklar und könnte nicht ungünstiger sein.
Can ist seit über fünf Monaten außer Gefecht. Nach seiner Einwechslung am 17. Mai im Spiel gegen Holstein Kiel hat der 31-Jährige kein einziges Pflichtspiel mehr bestritten. Die offizielle Diagnose des Vereins bleibt vage: „Adduktorenprobleme“ ist die standardisierte Formulierung, die mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet.
Der Verein schweigt hartnäckig über die genauen Beschwerden des Kapitäns. Eine konkrete medizinische Diagnose steht aus, und ein realistischer Zeitplan für seine Rückkehr ist nicht vorhanden. Stattdessen müssen sich Fans und Medien mit unklaren Formulierungen zufriedengeben, während Spekulationen über eine mögliche Schambeinentzündung im Raum stehen.
„Emre macht Fortschritte. Wir können zufrieden sein, aber es ist ein wackeliger Zustand“, erklärte Trainer Niko Kovač und brachte damit kaum Licht ins Dunkel. Konkrete Ziele für eine Rückkehr könne er nicht nennen. „Dass Emre nicht dabei ist, ärgert uns alle, ihn am meisten“, gestand Kovač und betonte gleichzeitig Cans Bedeutung für das Team.
„Emre ist ein sehr wichtiger Bestandteil dieser Mannschaft. Auch wenn er nicht dabei ist, übernimmt er die Funktion, die er als Kapitän wahrnehmen muss. In der Kabine ist er sehr aktiv.“ Die bittere Realität bleibt jedoch, dass Can seinem Team dort, wo es darauf ankommt, nicht helfen kann. Die Ursachen seiner Misere scheinen weit zurückzureichen.
Bereits in der Schlussphase der letzten Saison soll Can trotz starker Schmerzen weitergespielt haben. Diese Aufopferung könnte ihm nun zum Verhängnis geworden sein. Das Timing könnte für Can kaum schlechter sein, denn sein Vertrag, der ihm geschätzte acht Millionen Euro einbringt, läuft 2026 aus. Damit befindet sich der 31-Jährige in seinem letzten Vertragsjahr bei Borussia Dortmund.
Normalerweise ist dies die Zeit, in der Profis sich für eine Vertragsverlängerung empfehlen und oft ihre besten Leistungen zeigen. Stattdessen war Can seit der Bekanntgabe seines Fehlens bei der FIFA Klub-WM im August kaum zu sehen. Berichten zufolge würde der BVB nur bei „überdurchschnittlichen Leistungen“ eine Vertragsverlängerung in Betracht ziehen.
Leistungen, die Can derzeit nicht erbringen kann. Mit jedem Tag, den er länger ausfällt, schwindet die Wahrscheinlichkeit einer Vertragsverlängerung. Ein stilles Aus bei Borussia Dortmund am Saisonende wird wahrscheinlicher. Auch beim DFB läuft Can die Zeit davon. Nach seinem Comeback in der Nationalmannschaft als EM-Nachrücker bleibt Can auf dem Radar von Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Die WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko wäre vermutlich seine letzte Chance auf ein großes Turnier gewesen, doch diese Hoffnungen sind mittlerweile in weite Ferne gerückt. Während andere Spieler vor Nagelsmanns Augen um Plätze in der Nationalmannschaft kämpfen, kann Can nicht einmal für seinen Verein auflaufen.
Laut jüngsten Meldungen ist ein Comeback beim BVB vor dem Jahreswechsel kaum noch realistisch. Ob dann die Zeit ausreicht, um sich auch für den DFB zu empfehlen, ist mehr als fraglich. Cans langwierige Abwesenheit wirft zudem Fragen zur Zukunft des Kapitänsamts in Dortmund auf. Nico Schlotterbeck gilt intern bereits als designierter Nachfolger.
Der 25-Jährige hat sich sowohl beim BVB als auch in der Nationalmannschaft etabliert und ist unumstrittener Leistungsträger und Publikumsliebling. Doch auch hier gibt es Unwägbarkeiten: Schlotterbeck zögert mit einer Vertragsverlängerung über 2027 hinaus und möchte neben finanziellen Aspekten auch realistische Titelambitionen sehen.
Ein Verkauf im kommenden Sommer ist nach aktuellem Stand nicht auszuschließen, sollte keine Einigung erzielt werden. Damit könnte die Führungsstruktur des BVB insgesamt ins Wanken geraten. Umso wichtiger wäre es, dass bei Emre Can in absehbarer Zeit Licht am Ende des Tunnels erkennbar wird.