Eröffnung einer Menschenrechtsausstellung zur Fußball-WM in Atlanta

Eröffnung einer Menschenrechtsausstellung zur Fußball-WM in Atlanta

In Atlanta wird anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft eine Sonderausstellung eröffnet, die sich mit Menschenrechten im Sport beschäftigt. Der FC St. Pauli wird für seine Initiativen gegen Faschismus ausgezeichnet.

Der Eingang zum National Center for Civil and Human Rights, das sich im Herzen von Atlanta befindet, präsentiert sich zur Fußball-Weltmeisterschaft in einem bunten und sportlichen Licht. Ein Banner an der Glasfront kündigt die Ausstellung mit den Worten „The people’s game – Soccer human rights exhibit – Now Open“ an.

Die Ausstellung thematisiert Werte, die von einflussreichen Persönlichkeiten wie FIFA-Präsident Gianni Infantino und dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump oft verletzt werden. Infantino hatte grundlegende Regeln seines Verbandes außer Kraft gesetzt, nachdem Trump wegen eines gesperrten US-Fußballers intervenierte.

Trump wiederum hat seiner Einwanderungsbehörde ICE so weitreichende Befugnisse erteilt, dass es in Houston zu einem weiteren Todesfall kam. Ein mexikanischer Staatsbürger, der aus einem der WM-Gastgeberländer stammt, wurde erschossen. Laut Human Rights Watch starben unter Trumps Präsidentschaft in nur 18 Monaten 52 Menschen in ICE-Gewahrsam.

Atlanta ist ein Ort, der die Bedeutung von Menschenrechten eindrucksvoll hervorhebt, besonders wenn sie gefährdet sind. Viele behaupten, dass es keinen besseren Ort gibt, um schwarzen Kindern die Realität der Rassentrennung bis in die 60er Jahre zu verdeutlichen. Die Ausstellung nutzt Worte, Bilder und Klänge, um die schmerzhaften Erfahrungen der Vergangenheit zu veranschaulichen.

Besucher können die demütigenden Erfahrungen und die Gewalt, die viele erlitten haben, durch Kopfhörer erleben. Schilder, die einst zwischen „White“ und „Colored“ unterschieden, sind ebenfalls zu sehen. An jeder Ecke finden sich Zitate von Martin Luther King Jr., dessen Botschaften für die Bürgerrechtsbewegung weltweit von historischer Bedeutung sind.

Besonders prägnant ist das Zitat seiner Frau Coretta Scott King: „Der Kampf ist ein nie endender Prozess. Freiheit wird niemals wirklich gewonnen, man verdient sie und erkämpft sie in jeder Generation.“ Am Ruhetag der XXL-WM sprechen Erwachsene leise mit den Kindern, die viele Fragen haben.

Die Verbindung zum Fußball wird durch eine Ausstellung in der oberen Etage hergestellt. Hinter der Eingangstür hängt ein schwarzes Plakat mit der Aufschrift: „Keinen Fußbreit den Faschisten“. Der FC St. Pauli wird für seine Projekte geehrt, während auch andere prominente Persönlichkeiten wie Didier Drogba und Socrates aus Brasilien vertreten sind.

Die Ausstellung zeigt außerdem Originaltrikots von Fußballstars wie Pele, Messi, Ronaldo und Mbappé, die verdeutlichen, dass Vielfalt den Fußball bereichert.

Sechs europäische Teams wären nicht im WM-Viertelfinale, wenn ihre Nationalmannschaften nicht längst multikulturelle Schmelztiegel wären. Das zweite Halbfinale findet am Mittwoch im Atlanta-Stadium statt, das für seine spektakulären Veranstaltungen bekannt ist.

Die Multifunktionsarena, die auch den Super Bowl 2028 ausrichten wird, wäre ein geeigneterer Ort für das Finale als New Jersey, das über eine unzureichende Verkehrsanbindung verfügt. In der Nähe des Stadions befindet sich der Centennial Olympic Park, der als offizieller Fanfest für alle Argentinier und Engländer dient.

Das Gebiet ist zentral gelegen und hat rund 530.000 Einwohner, während die Metropolregion fast 6,5 Millionen Menschen zählt. Viele Attraktionen in Atlanta sind in den letzten zehn Jahren entstanden, darunter der Eastside Beltline Trail, der als Freizeitweg dient.

Die städtische Planung in Atlanta könnte als Vorbild für deutsche Städte dienen. Der Kontrast zwischen den herzlichen, einladenden Bereichen und den kalten Hochhausschluchten ist deutlich. Cafés, Bars und Sporteinrichtungen prägen die ehemalige Eisenbahnstrecke, die tagsüber zum Sport und abends zum geselligen Beisammensein einlädt.

Unbenutzte Flächen wurden in Spielfelder umgewandelt, um Kindern unabhängig von ihrem wirtschaftlichen Hintergrund das Fußballspielen zu ermöglichen. Die Initiative „League of Stations“ sorgt dafür, dass jeder Zugang zu den Plätzen hat. Der Bundesstaat Georgia hat den Fußball im Alltag angenommen, und Atlanta United FC zieht mit über 37.000 Zuschauern im Durchschnitt die meisten Fans in der Major League Soccer (MLS), obwohl das Team derzeit in der unteren Tabellenhälfte steht.

Die Entwicklung des Fußballs in Atlanta ist eng mit dem Unternehmer Arthur Blank verbunden, der auch Eigentümer der NFL-Mannschaft Atlanta Falcons ist. Bei der Planung des Stadions war ihm klar, dass ein zweiter Nutzer erforderlich war, weshalb ein Fußball-Franchise gegründet wurde. Ein deutscher Automobilhersteller hat sich die Namensrechte bis 2042 gesichert, jedoch darf das Logo während der WM aufgrund der Exklusivrechte der FIFA-Sponsoren nicht sichtbar sein.

Vor 30 Jahren blickte die Sportwelt bereits nach Atlanta, als die Olympischen Sommerspiele 1996 stattfanden. Viele hätten sich Athen als Austragungsort gewünscht, doch das Internationale Olympische Komitee belohnte Atlanta für seine großzügigen finanziellen Zusagen. Jamie Kirsch, ein 64-jähriger ehemaliger Siemens-Mitarbeiter, erinnert sich an die damalige Zeit, als er lieber außerhalb der Stadt lebte.

Er beschreibt Atlanta vor den Olympischen Spielen als hässlich und erinnert sich an die Geburt seiner Tochter kurz vor dem Event, weshalb er wenig von den Wettkämpfen mitbekam. Heute ist sein Herz den Atlanta Braves gewidmet. Fußball hat er jedoch auch verfolgt und das WM-Aus der US-Mannschaft im „LikeMinds“ verfolgt, während Bruce Springsteen mit „Born in the U.S.A.“ die Lautsprecher erfüllte.

Jamie Kirsch und seine Frau Kay wohnen mittlerweile im Inman Park, wo sie die positiven Entwicklungen der Stadt schätzen, aber auch die Herausforderungen der Obdachlosigkeit wahrnehmen, die vor allem die schwarze Bevölkerung betrifft.

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