FC Bayern Amateure: Ein Rückblick auf die Meisterschaft der Saison 2019/20
Die U23 des FC Bayern München, bekannt als die „FC Bayern Amateuren“, erzielte in der Saison 2019/20 eine bemerkenswerte Leistung. Sechs Jahre später lohnt es sich, einen Blick auf den damaligen Kader zu werfen.
In der von der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison 2019/20 gelang der zweiten Mannschaft des Rekordmeisters etwas Einzigartiges im deutschen Profifußball: Sie ist bis heute die einzige Zweitvertretung eines deutschen Profivereins, die seit der Einführung der Dritten Liga im Sommer 2008 die Meisterschaft gewinnen konnte.
Dieser Erfolg ist besonders bemerkenswert, da die Bayern-Amateure unter Trainer Sebastian Hoeneß als Aufsteiger aus der Regionalliga Bayern antraten und ihr Saisonziel lediglich der Klassenerhalt war. Die Kaderzusammensetzung musste, wie auch heute, gemäß den DFB-Regeln für U23-Teams erfolgen. Das bedeutet konkret, dass maximal drei Spieler, die am 1. Juli das 23. Lebensjahr vollendet haben, gleichzeitig in einem Spiel eingesetzt werden dürfen.
U23-Teams sind nicht aufstiegsberechtigt in die 2. Bundesliga, dennoch ist ein solcher Erfolg unter diesen Bedingungen sportlich äußerst bemerkenswert. Zu den Drittliga-Meistern seit 2008/09 zählen zahlreiche aktuelle und ehemalige Bundesligisten wie Union Berlin, SV Elversberg, Eintracht Braunschweig, Karlsruher SC, 1. FC Heidenheim, Arminia Bielefeld, Dynamo Dresden, MSV Duisburg und Ulm 1846.
Nachdem die FCB Amateure in der ersten Saisonhälfte häufig in der Abstiegszone waren, starteten sie in der Rückrunde durch. Die Coronapause im Frühjahr brachte sie nicht aus dem Konzept, und sie beendeten die Spielzeit sensationell als Meister, vor den Würzburger Kickers, Eintracht Braunschweig und dem FC Ingolstadt. Der TSV 1860 München schloss die Saison als Tabellenachter ab.
Statt eines Aufstiegs in die 2. Bundesliga ging es für die Amateure ein Jahr später – mit völlig anderer Besetzung – zurück in die viertklassige Regionalliga, wo sie bis heute mehr oder weniger „dahindümpeln“.
Ein Blick auf den Kader der Saison 2019/20 erklärt, warum diese junge Mannschaft so herausragend spielte. Trotz der regelmäßigen Einsätze erfahrener Spieler wie „Otschi“ Wriedt (25), Maximilian Welzmüller, Timo Kern (beide 30) und Nicolas Feldhahn (33) lag der Altersdurchschnitt in den 38 Partien stets zwischen 21,5 und 22,9 Jahren.
Sieben der damals eingesetzten Spieler nehmen derzeit an der laufenden WM in den USA, Kanada und Mexiko für ihre Nationalmannschaften teil: Jamal Musiala (damals 17), Josip Stanisic (20), Alphonso Davies (19), Angelo Stiller (19) und Malik Tillmann (18) sind Profis beim Rekordmeister oder etablierte Bundesliga-Spieler. Zudem kommen Chris Richards (USA; damals 20), der seit 2022 für den Premier-League-Klub Crystal Palace spielt, und der Neuseeländer Sarpreet Singh (21) hinzu.
Drei weitere Spieler aus dem Kader von vor sechs Jahren sind aktuelle A-Nationalspieler: Joshua Zirkzee, der bei der EM 2024 für die Niederlande auflief, Derrick Köhn, der im März für Ghana beim WM-Test gegen Deutschland spielte, und Jeong Woo-yeong, der 23-fache südkoreanische Nationalspieler, der überraschenderweise nicht im WM-Kader seines Landes steht. Auch Taylor Booth (USA) und Kwasi Okyere „Otschi“ Wriedt (Ghana) haben Spiele für ihre Länder absolviert.
Nicolas Kühn, Träger der Fritz-Walter-Medaille 2019 in Gold (U19), spielte ebenfalls in der Saison für Bayern II. In der Champions-League-Zwischenrunde 2024/25 erzielte er in München das zwischenzeitliche 1:0 für Celtic Glasgow und hat sich in der abgelaufenen Saison mit Como 1907 sensationell vor Milan und Juventus Turin für die Königsklasse qualifiziert. Laut Julian Nagelsmann gehört er zum erweiterten Kreis der Nationalmannschaft, und eine Nominierung für die WM 2026 war ebenfalls möglich.
Die Durchlässigkeit vom Campus des FC Bayern zu den Profis ist äußerst gering. Obwohl der Wunsch groß ist, möglichst viele Eigengewächse in den Profikader zu integrieren, ist dies seit dem großartigen Jahrgang nur Aleksandar Pavlovic und Lennart Karl gelungen. Unter Vincent Kompany besteht die berechtigte Hoffnung, dass dies künftig wieder häufiger passiert. Die Truppe von 2019/20 war dennoch zweifellos außergewöhnlich – die aktuelle Weltmeisterschaft beweist dies.