FC Bayern: Fans fordern einheitliches Heimtrikot

FC Bayern: Fans fordern einheitliches Heimtrikot

Die Proteste der Fans des FC Bayern München gegen das Design der Heimtrikots des Rekordmeisters haben eine 25-jährige Tradition. Auslöser war der Meisterschaftsauftritt einer Vereinslegende auf dem Rathaus-Balkon.

München – Im zehnjährigen Rhythmus gab es auf dem Münchner Rathaus-Balkon auf dem Marienplatz legendäre Auftritte bei den Meisterschaftsfeiern des FC Bayern. Zweimal waren es die begeisterten Meistertrainer, die dafür verantwortlich waren: Während Jupp Heynckes 1990 den Fans für die nächste Saison den Gewinn des Henkelpotts versprach, grüßte der etwas schrullige Louis van Gaal 2010 „alle Muttis“. Dazwischen, im Jahr 2000, hatte Sammy Kuffour seinen unvergesslichen Auftritt: „Wir wolle rot-weiße Trikots.“

Ein Vierteljahrhundert später scheint dieser Wunsch bei vielen FCB-Fans größer denn je zu sein. Bereits bei den Bundesliga-Heimspielen gegen RB Leipzig und den Hamburger SV gab es im harten Kern der Bayernfans im Unterrang der Südkurve kleinere Aktionen mit dem Titel „Ein Trikot – größer als alle anderen“.

Während die Spieler gegen Werder Bremen im speziell für das Oktoberfest designten Wiesntrikot aufliefen, enthüllte die aktive Fanszene hinter dem Südkurventor ein riesiges rotes Jersey mit weißen Ärmelstreifen und dem entsprechenden Schriftzug über die gesamte Kurvenbreite. Dieser Wunsch ist keineswegs neu; seit dem Einzug in die Allianz Arena vor 20 Jahren gibt es regelmäßig derartige Aktionen des C12 (Club Nr. 12), der Dachorganisation der organisierten FCB-Fanszene, in der die Ultra-Gruppierung „Schickeria“ federführend ist.

Besonders zu Beginn der aktuellen Spielzeit scheint dieser Wunsch ausgeprägt zu sein. Während in früheren Jahren solche Protestbekundungen eher sporadisch auftraten, plant die Südkurve nun, ihre Forderungen mit weiteren Aktionen deutlich zu machen. Dies kündigt der aktuelle Newsletter der Südkurve München bereits an.

Dort bedankt man sich zunächst bei den „Mitstreitern“: „Zum Saisonstart haben wir den Auftakt gemacht, um dem EINEN FC Bayern-Trikot Präsenz und Sichtbarkeit zu verleihen, damit es in absehbarer Zeit als feste Hauptspielkleidung des FC Bayern etabliert wird. Vielen Dank an Euch alle, die überwältigende Beteiligung und viel Zuspruch gezeigt haben, was beweist, dass der Wunsch nach EINEM FC Bayern-Trikot in der Fanlandschaft weit verbreitet ist.“

Die FCB-Fanszene kündigt an: „Um das Bewusstsein für die Idee des EINEN FC Bayern-Trikots zu fördern, wollen wir beim nächsten Heimspiel gemeinsam mit Euch eine weitere Aktion durchführen, angelehnt an eine Aktionsform, die bereits vor einigen Jahren im Rahmen der Clubfarben-Kampagne erfolgreich war: Wir rufen euch dazu auf, eine ca. 1 x 1 m große Fahne im Design des EINEN FC Bayern-Trikots über oder neben Eure Fanclubfahne zu hängen. Die Überhängfahnen werden Euch am Südkurvenplatz, dem Registrierungsstand vom AKFD (Aktionskreis Fandialog) und im Stadion von den Helfern an den Brüstungen bzw. Zäunen zur Verfügung gestellt.“

Die gesamte Fußballwelt soll von diesem innigen Wunsch der Anhänger des FC Bayern erfahren: „Nehmt die Trikot-Fahnen nach dem Spiel mit – lasst sie nicht einfach liegen – und hängt sie weiterhin zusammen mit Eurer Fanclubfahne an die Zäune und Brüstungen der Stadien dieser Welt. Lasst uns gemeinsam dem EINEN FC Bayern-Trikot Präsenz und Sichtbarkeit geben!“

FCB-Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen, der bei den FCB-Ultras beliebt ist, äußerte sich zur Situation nach dem Werder-Spiel auf Anfrage von Sport1: „Wir haben einen offenen Austausch mit den Fans. Wir kennen ihre Anliegen. Natürlich ist das ein Thema, das wir ernst nehmen.“ Der 58-Jährige bemerkte zudem, dass das aktuelle Heimtrikot zwar die gewünschten farblichen Komponenten aufweist, es jedoch „nicht so ist, wie die Fans es sich gewünscht hätten. Wir werden sehen, wie wir nächste Saison mit dem Heimtrikot umgehen.“

Der CEO fügte hinzu: „Ich könnte jetzt Attribute wie Meinungsfreiheit nennen. Es ist völlig in Ordnung, dass die Fans ihren Unmut und ihre Meinung äußern. Allerdings sind wir im Austausch und es war nicht überraschend – dieses Trikot, das wir gerade haben.“ Dreesen deutet damit unmissverständlich an, dass bei der Wahl des nun teilweise scharf kritisierten Trikot-Designs auch Anhänger des Rekordmeisters beteiligt waren.

Während die Hardcore-Anhänger ihren innigen Wunsch nach der Einhaltung der Vereinsfarben Rot und Weiß, möglichst in schlichter Form, bei den Heimtrikots dauerhaft durchsetzen wollen, scheinen die Vereinsverantwortlichen vor allem den finanziellen Aspekt im Blick zu haben. Wenn der Rekordmeister Jahr für Jahr im selben Design aufläuft, werden die Trikotverkäufe zwangsläufig rückläufig sein. Warum das (fast) gleiche Jersey in den Folgejahren wieder kaufen, wenn es sich nicht signifikant von den vorherigen Modellen unterscheidet?

Interessanterweise zeigen sich gerade die Ultras im Stadion nicht mit den offiziellen Kollektionen ihrer Vereine, sie erscheinen größtenteils in Schwarz und bieten eigene Kollektionen an. Sollte der Verein ihrem Wunsch nachkommen, wäre es andererseits eine starke Geste, selbst mit dem „Wunsch-Trikot“ in der Kurve aufzutreten. Doch dies wird wohl nicht geschehen, ebenso wenig wie der Verein eine Einmischung in seine finanziellen Angelegenheiten dulden wird.

Übrigens: Nach der Vereinsgründung im Jahr 1900 waren die Vereinsfarben des FC Bayern zunächst (Hell-)Blau und Weiß, entsprechend auch die Kleidung auf dem Fußballplatz, alternativ weiße Hemden und schwarze Hosen. Erst mit dem Anschluss an den Münchner SC am 1. Januar 1906 änderten sich die Vereinsfarben und die FCB-Kicker wurden zu den legendären „Rothosen“ auf dem Spielfeld.

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