FC Bayern: Lob und Kritik vor dem Saisonfinale
Vor dem Saisonfinale erhält der FC Bayern München viel Lob, jedoch bleibt eine Person oft unberücksichtigt. Ein Kommentar.
München – Der FC Bayern München geht als souveräner Tabellenführer der Bundesliga in die Länderspielpause und hat beste Chancen im DFB-Pokal sowie in der Champions League. Der Klub ist die punktbeste Mannschaft in den Topligen Europas, und die Offensive erzielt Tore wie nie zuvor in der Vereinsgeschichte. Es ist daher nicht überraschend, dass der Verein von allen Seiten gelobt wird und die Mehrheit der Experten ihn im Viertelfinal-Klassiker der Champions League gegen Real Madrid als Favoriten sieht.
Cheftrainer Vincent Kompany hat in seinen fast zwei Jahren an der Säbener Straße aus einer verunsicherten Mannschaft ein homogenes, spektakulär und erfolgreich spielendes Team geformt, das international hohe Anerkennung findet. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist der besondere Teamgeist, für den sowohl der Trainer als auch die Charaktere der Spieler gelobt werden.
Jedoch sind auch die „Macher“ des Vereins, insbesondere die Sportbosse, für diesen außergewöhnlichen Erfolg verantwortlich. Beim FC Bayern sind dies Sportdirektor Christoph Freund und Sportvorstand Max Eberl. Während Freund in der Öffentlichkeit allgemein positiv bewertet wird, ist dies bei dem bayerischen Urgestein Eberl weniger der Fall. Überraschenderweise kommen einige Kritiken sogar aus den eigenen Reihen.
Die Sport Bild berichtete kürzlich, dass an der Säbener Straße intensiv über die Zukunft des Sportvorstands diskutiert wird. Während die Zukunft von Vorstandschef Jan-Christian Dreesen und Sportdirektor Christoph Freund relativ klar erscheint, ist eine Verlängerung von Eberls Vertrag über das Ende im Juni 2027 nicht sicher; die Chancen dafür werden auf 50:50 geschätzt.
Trotz der herausragenden Leistungen der Mannschaft, zu denen auch die Eberl-Transfers von Michael Olise, Luis Díaz und Jonathan Tah sowie die Verpflichtung von Vincent Kompany beigetragen haben, bestehen laut Sport Bild weiterhin Vorbehalte gegenüber Eberl bei den Vereinsbossen. Ein zentraler Kritikpunkt ist das nicht intakte Vertrauensverhältnis zwischen ihm und Teilen der Bayern-Spitze. Es wird beispielsweise angeführt, dass der Aufsichtsrat bei größeren Transfers und Vertragsabschlüssen teilweise erst spät informiert wurde.
Viele Bayern-Fans reagieren auf solche Gerüchte, insbesondere in den sozialen Medien, zunehmend genervt: „Für mich ist das kompletter Unfug. Schaut auf die Bundesligatabelle, die Champions-League-Tabelle und wer noch im DFB-Pokal dabei ist, und man sieht, wie gut die Arbeit von Max ist. So eine tolle, ausgeglichene Mannschaft, die auch unsere Vereins-DNA ausstrahlt, hatten wir lange nicht.“
Obwohl die Sport Bild keine Namen nennt, wird spekuliert, wer die angeblich unzufriedenen FCB-Bosse sein könnten. Viele kommen nicht infrage: Präsident Herbert Hainer und CEO Jan-Christian Dreesen haben sich öffentlich positiv über Eberl geäußert. Uli Hoeneß gilt als Eberls Mentor, obwohl er im Herbst dessen „Empfindsamkeit“ kritisierte. Karl-Heinz Rummenigge hält sich in solchen Angelegenheiten völlig zurück.
Falls die Behauptungen der Sport Bild tatsächlich auf kritischen Andeutungen der FCB-Granden basieren, würden diese wenig Sympathien bei den Bayern-Anhängern finden. Eine beträchtliche Mehrheit bewertet die Arbeit von Max Eberl äußerst positiv. Zudem müssen hochdotierte Transfers ohnehin vom mächtigen Aufsichtsrat genehmigt werden, sodass der Zeitpunkt der Einbindung kein wirkliches Diskussionsthema sein sollte. Uli Hoeneß hätte sich früher sicherlich nicht reinreden lassen.
Als Alternative zu Eberl wird derzeit das Duo Freund/Dreesen genannt. Dabei würde jedoch eine erhebliche sportliche Expertise verloren gehen, wenn ein Banker einen erfolgreichen Fußball-Manager ersetzen sollte. Zudem hat Dreesen erst im Herbst das Ressort des scheidenden Finanzvorstands Michael Diederich übernommen.
Natürlich wird auch der Name des aktuellen Sportvorstands von Eintracht Frankfurt, Markus Krösche, ins Spiel gebracht. Dessen Arbeit in Frankfurt wurde jedoch von Hoeneß nicht gelobt, da die Eintracht im Gegensatz zum FC Bayern als „Verkäuferverein“ gilt. Dies ist nicht bayern-like und zeigt keine erkennbare Qualifikation für die Säbener Straße.
Max Eberls Vertrag als Sportvorstand des FC Bayern läuft noch bis zum 30. Juni 2027 und kann laut Statuten frühestens ein Jahr vor seinem Auslaufen (also am 1. Juli 2026) und maximal um drei Jahre verlängert werden. Gewinnt das von Eberl hervorragend geformte Team zuvor das Triple, würde es fast einem Skandal gleichkommen, seinen Vertrag nicht zu verlängern. Selbst wenn diese Krönung nicht gelingt, wäre es dennoch eine überaus erfolgreiche Saison gewesen – und man sollte auch dann mit ihm verlängern.
Es bleibt zu hoffen, dass im Falle einer „Nur-Meisterschaft“ nach der Saison nicht der bis 2029 laufende Vertrag von Vincent Kompany infrage gestellt wird…