Felix Nmecha und die Debatte um seinen Glauben bei der WM 2026
Felix Nmecha sorgt bei der WM 2026 für Aufsehen. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) stellt sich hinter den Dortmunder Spieler, doch seine Vergangenheit holt ihn ein.
Toronto – Auf dem Spielfeld hat Nmecha nicht nur durch seine sportlichen Leistungen für Gesprächsstoff gesorgt. Der Mittelfeldspieler von Borussia Dortmund wird auch wegen seines öffentlich gelebten Glaubens, der in der säkularisierten Fußballwelt polarisiert, diskutiert. Diese Debatte überschreitet die Grenzen des Sports und bringt den DFB in eine unangenehme Situation.
Nach dem überzeugenden Auftaktsieg Deutschlands gegen Curaçao (7:1), in dem Nmecha einen Treffer erzielte, bildete er zusammen mit Nationalspieler Jonathan Tah und mehreren Gegenspielern einen Gebetskreis auf dem Spielfeld. Diese Szene in Houston sorgte für großes Aufsehen. Auf Instagram teilte Nmecha zudem seine Dankbarkeit mit den Worten: „Dankbar. Gesegnet. Hunger auf mehr.“ Für viele war dies ein weiterer Beweis dafür, dass der 25-Jährige seinen Glauben offen zur Schau trägt, während andere alte Vorwürfe erneut aufgriffen.
Der Wirbel um Nmechas Frömmigkeit bringt eine Debatte zurück, die im Jahr 2023 für erhebliche Unruhe sorgte. Damals hatten Fans von Borussia Dortmund eine Verpflichtung des damaligen Wolfsburgers abgelehnt, nachdem er Inhalte in sozialen Netzwerken geteilt und geliked hatte, die als homophob und transfeindlich interpretiert wurden. In einem Interview mit Sky wehrte sich Nmecha gegen diese Deutung: „Ich glaube nicht, dass ich homophob oder transphob bin, nicht einmal annähernd.“
DFB-Präsident Bernd Neuendorf äußerte sich in einem Interview mit RTL/ntv schützend über den Nationalspieler. „Wir haben damals die Berichterstattung verfolgt und seine Äußerungen dazu gehört. Er hat sich klar positioniert und von solchen Vorwürfen der Homophobie distanziert“, erklärte Neuendorf. Auf die Frage, ob er Nmecha aus voller Überzeugung glaube, antwortete der DFB-Chef eindeutig: „Ja, das würde ich schon so sagen. So wie ich ihn kenne oder erlebe, sehe ich das so.“
Neuendorf verteidigte zudem Nmechas öffentlich gelebte Religiosität und betonte, dass der Dortmunder mit seinem Glauben eine positive Botschaft sende. „Die Intention, die er damit verfolgt, ist positiv. Es geht darum, über das Fußballspielen hinaus für Menschlichkeit und Respekt einzutreten“, sagte Neuendorf. „Das nehme ich ihm hundertprozentig ab. Er ist wirklich ein sehr sensibler Mensch und steht für diese christlichen Werte.“
Gleichzeitig zeigte Neuendorf Verständnis für diejenigen, die mit Nmechas Auftritten Schwierigkeiten haben: „Das Bekenntnis zu Gott, das hier stattfindet, kann in einer säkularisierten Welt für einige Menschen ungewöhnlich erscheinen.“ Nmecha selbst erklärte den Gebetskreis nach dem Spiel gegen Curaçao mit den Worten, dass die Gruppe zeigen wollte, „dass wir Brüder in Christus sind und es im Leben mehr gibt als Fußball.“ Der Dortmunder gilt als Aushängeschild der „Ballers in God“, einer Vereinigung evangelikaler Fußballer – ein Umfeld, das ihm immer wieder kritische Blicke einbringt.