Finale der Fußball-Weltmeisterschaft: Spanien gegen Argentinien

Finale der Fußball-Weltmeisterschaft: Spanien gegen Argentinien

Im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft treffen Spanien und Argentinien am Sonntag in den USA aufeinander. Der Taktik-Experte Sebastian Friedl gibt Einblicke, worauf es ankommt.

New Jersey – Spanien, das taktisch stärkste Team mit den wenigsten Gegentoren, tritt gegen Argentinien an, das die meisten Tore erzielt hat und für seine kämpferische Stärke bekannt ist. Wer sich im Finale der Fußball-WM am Sonntag (21 Uhr) in New Jersey zum Weltmeister krönen wird, ist laut Friedl, Leiter der Spiel- und Taktikanalyse am Internationalen Fußball Institut (IFI), aus taktischer Sicht nicht vorhersagbar. „In einem Spiel auf diesem Niveau entscheiden Details oder eine außergewöhnliche Aktion über Sieg oder Niederlage – das klingt zwar nach einer Floskel, ist aber definitiv so“, erklärt er.

Mit „großartiger Positionierung“ und „sehr präzisem Passspiel“ gilt Spanien derzeit als das „taktisch stärkste Team“. Dank ihrer ausgeprägten Spielkontrolle konnten sie im Halbfinale die offensiv starken Franzosen mit 2:0 besiegen. „Auch wenn ihr Ballbesitz im Vorwärtsspiel phasenweise keinen Ertrag bringt, so bestimmt Spanien das Spieltempo, und der Gegner muss intensiver verteidigen“, so Friedl.

„Wenn es ihnen gelingt, den Ballbesitz mit offensiv ausgerichtetem Positionsspiel zu kombinieren, kommen sie während eines Spiels auch immer zu Torchancen.“ Im zentralen Mittelfeld orchestrieren Rodri und Fabian Ruiz das Spiel. Offensivtalent Lamine Yamal wird laut Friedl seine Schnelligkeit im Dribbling gegen Argentiniens Linksverteidiger Nicolas Tagliafico ausspielen wollen.

Schlüsselrollen spielen zwei in Deutschland bekannte Gesichter: der ehemalige Leipziger Dani Olmo und Marc Cucurella, der bei der EM 2024 mit einem Handspiel im Halbfinale gegen die DFB-Auswahl ungeschoren davonkam. „Mit Olmo haben die Spanier einen spielstarken offensiven Mittelfeldspieler, der immer wieder den nach vorne sprintenden Linksverteidiger Cucurella einsetzt“, erklärt Friedl über die Spielzüge, die in der Grafik gezeigt werden. „Oft folgen von der linken Seite flache Hereingaben in den Raum um den Elfmeterpunkt, wo Stürmer Mikel Oyarzabal, der bereits fünf Tore in sieben Spielen erzielt hat, oder ein aufgerückter Mittelfeldspieler zum Abschluss kommen.“

Defensiv haben die Spanier kaum Schwächen. „Bei Ballverlust arbeitet das Team im Gegenpressing sowie im Rückwärtsverteidigen stark im Kollektiv. Bisher haben sie nur ein einziges Gegentor kassiert, was die beste Defensive des Turniers darstellt“, sagt der Taktik-Experte. „Potenzielle Schwächen könnten nach Ballverlusten auftreten, wenn der Gegner in hohem Tempo auf die Abwehr zuläuft. Gelegentlich haben sie jedoch Probleme bei hohen Bällen und Hereingaben gezeigt.“

Mit Titelverteidiger Argentinien kommt nun ein Gegner auf Spanien zu, der mit 19 Toren die beste Offensive des Turniers hat. Wie man Superstar Lionel Messi neutralisieren kann, demonstrierte England im Halbfinale. „Die Mannschaft von Coach Thomas Tuchel setzte die argentinischen Spieler über weite Strecken im Mittelfeld unter Druck, um Messi aus dem Spiel zu nehmen“, erklärt Friedl.

In der Schlussphase verspekulierte sich Tuchel jedoch. Nach der Führung wechselte er drei Verteidiger ein und stellte auf eine Fünferkette um. Durch einen späten Doppelschlag nach zwei Vorlagen von Messi drehte Argentinien die Partie. Friedl erwartet, dass Spanien das Finale über Ballbesitz kontrollieren wird, während Argentinien in der eigenen Hälfte sehr aggressiv verteidigt, um bei Balleroberung schnell über Messi umzuschalten. „Aber wer weiß, vielleicht wird Cucurella wieder zu Spaniens Trumpf im Titelkampf“, schließt er.

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