Gerardo Seoane von Borussia Mönchengladbach entlassen
Die Trennung von Gerardo Seoane als Trainer von Borussia Mönchengladbach war eine logische Konsequenz, die bereits früher hätte vollzogen werden müssen.
Mönchengladbach – Am Montag um 17:33 Uhr gab Borussia Mönchengladbach die unvermeidliche Nachricht bekannt: Der Bundesligist hat sich von Cheftrainer Gerardo Seoane getrennt. Die 0:4-Niederlage gegen Werder Bremen stellte das endgültige Aus für den Schweizer dar.
Laut Sport-Geschäftsführer Roland Virkus fehlte den Verantwortlichen der Glaube daran, mit Seoane eine Wende herbeiführen zu können. Ursprünglich hatte man gehofft, dass der Schweizer Borussia zurück auf den richtigen Weg bringt. Doch ein Punkt und 0:5 Tore nach drei Bundesliga-Spieltagen sprechen eine deutliche Sprache, ebenso wie die Serie von zehn ligaübergreifenden Spielen ohne Sieg.
Das Vertrauensverhältnis zwischen Virkus und Seoane konnte nicht mehr als Argument für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit dienen. Borussia sah sich gezwungen zu handeln, da der Ex-Coach zum zweiten Mal in Folge mit einem Rückstand in die neue Saison startete und sich keinen Fehlstart erlauben konnte. Vor den anstehenden Spielen gegen Bayer Leverkusen, Eintracht Frankfurt und den SC Freiburg wären Siege gegen den Hamburger SV und Werder Bremen notwendig gewesen, um mit einer gewissen Gelassenheit in die Länderspielpause zu gehen.
In über zwei Jahren gelang es Seoane letztlich nicht, mit der Mannschaft Konstanz zu entwickeln. Auf 67 Gegentore in der Saison 2023/24 folgten 57 Gegentore in der Saison 2024/25. Die vergangene Spielzeit war bis Ende Oktober von Schwierigkeiten geprägt, erlebte von November bis März eine positive Phase und endete mit sieben sieglosen Bundesliga-Spielen in Serie. Zu jeder Zeit gab es Krisenherde – sei es die Abwehr, verspielte Führungen oder die seit dem 3. Mai anhaltende Torflaute.
Der Trainerwechsel Mitte September ist daher eine folgerichtige Entscheidung, die jedoch zu spät getroffen wurde. Gladbach hätte die Reißleine in der Sommerpause ziehen müssen, um mit einem neuen Trainer und dem damit verbundenen frischen Wind in die Saison zu starten. Dieser hätte sechs Wochen Zeit gehabt, um die Mannschaft auf die anstehenden Herausforderungen vorzubereiten.
Bis auf Weiteres übernimmt U23-Trainer Eugen Polanski die Verantwortung. Der 39-Jährige galt bereits 2023 als Kandidat für die Nachfolge von Daniel Farke, bevor Seoane verpflichtet wurde. Gladbach überträgt Polanski die anspruchsvolle Aufgabe, die Mannschaft innerhalb weniger Tage vor den entscheidenden Spielen gegen Leverkusen und Frankfurt zu motivieren und ihr neues Vertrauen zu schenken.
Als Underdog geht Borussia in beide Spiele. Im schlimmsten Fall droht eine Länderspielpause im Oktober mit nur einem Punkt auf dem Konto. Ob dieses Horrorszenario durch einen Trainerwechsel im Sommer hätte vermieden werden können, bleibt jedoch spekulativ. Polanski hat die Chance, sich für den Cheftrainerposten zu empfehlen, sofern klare Absprachen bestehen.
Alternativ könnte er bis zur Länderspielpause an der Seitenlinie stehen, bevor ein neuer Trainer seine Arbeit aufnimmt. Weder die eine noch die andere Situation sind ideal, da Gladbach frühzeitig unter Druck steht. Innerhalb kurzer Zeit muss gegen starke Gegner eine 180-Grad-Wende gelingen, andernfalls könnte aus der Wundertüte ein Sorgenkind werden.