Guirassy unterbewertet beim Fußballer des Jahres

Guirassy unterbewertet beim Fußballer des Jahres

Der BVB-Star Serhou Guirassy ist für den Ballon d'Or nominiert, hat jedoch beim Rennen um den Titel des Fußballers des Jahres nur knapp die Top Ten verpasst. Diese Einschätzung äußert Lars Pollmann.

In Dortmund gab das Fachmagazin kicker am Sonntag die Gewinner der Wahlen zur Fußballerin, zum Fußballer und zum Trainer des Jahres bekannt. Der Sieg ging an Florian Wirtz, der 191 der 632 gültigen Stimmen von Mitgliedern des Verbandes Deutscher Sportjournalisten erhielt.

Wirtz, der Neuzugang des FC Liverpool, setzte sich nach einer herausragenden Saison bei Bayer Leverkusen gegen Michael Olise vom FC Bayern durch. Beide Spieler wurden diese Woche auch für den Ballon d'Or nominiert, ebenso wie Harry Kane von Bayern München und Serhou Guirassy von Borussia Dortmund.

Kane belegte mit 48 Stimmen den fünften Platz, während Guirassy mit nur sechs Stimmen den zehnten Platz teilt, zusammen mit Leon Goretzka, dem Dauer-Comebacker des FC Bayern. Es ist bemerkenswert, dass Guirassy international als einer der 30 besten Fußballer des Jahres gefeiert wird, während er in Deutschland nur mühsam in die Top Ten gelangt.

Die 633 teilnehmenden Journalisten (eine Stimme war ungültig) sahen neben Wirtz, Olise und Kane auch Nick Woltemade (VfB Stuttgart), Thomas Müller, Jamal Musiala, Joshua Kimmich (alle FC Bayern), Omar Marmoush (Eintracht Frankfurt/Manchester City) und Jonathan Burkardt (FSV Mainz 05/Eintracht Frankfurt) als besser an als Guirassy.

Woltemade, ein U21-Nationalspieler, hatte eine beeindruckende Rückrunde und rückte in den Fokus der Bayern, wurde jedoch zu Saisonbeginn vom VfB nicht für die Champions League gemeldet. Bei Thomas Müller spielt die Sentimentalität eine Rolle, da er sportlich kein ernsthafter Kandidat mehr ist.

Ob Musialas Verletzungen ihn disqualifizieren sollten, ist fraglich. Im Vergleich zu Guirassy müssten hier wohl die Haare gespalten werden. Es bleibt jedoch schwer nachzuvollziehen, dass Marmoush für ein starkes Halbjahr bei Eintracht Frankfurt vor Guirassy platziert wird.

Bei der Wahl zum Fußballer des Jahres sind nur deutsche Profis und ausländische Profis bei deutschen Klubs wählbar. Für Marmoush zählen somit nur die Monate bis zu seinem Abschied aus Frankfurt. Burkardt möchte in Guirassys Fußstapfen treten, und ob seine 18 Tore für Mainz höher zu bewerten sind als die 21 Tore von Guirassy für den BVB, bleibt fraglich.

Guirassy war zudem international äußerst erfolgreich und darf sich nach seiner Premierensaison beim BVB Co-Torschützenkönig der Champions League und der FIFA Klub-WM nennen. Dies hätte ihm eine bessere Platzierung als die, die Goretzka erhielt, verdient gehabt.

Vielleicht wäre Guirassy besser platziert worden, wenn weniger der teilnehmenden Journalisten die Wahl ad absurdum führen würden. So erhielten die Zweitligaprofis Davie Selke (Hamburger SV) und Marvin Wanitzek (Karlsruher SC) jeweils zwei Stimmen, während eine Stimme unter anderem für Robin Fellhauer (SV Elversberg), Julian Kania (Arminia Bielefeld), Mats Pannewig (VfL Bochum) und Marc Uth (1. FC Köln) abgegeben wurde.

Sogar Niklas Leibing vom SV Weidenstetten, einem Kreisligisten in Baden-Württemberg, erhielt eine Stimme, ebenso wie Christian Wirtz vom VfL Jüchen. Es stellt sich die Frage, ob es sich hierbei um eine Verwechslung mit Florian Wirtz handelte. Solche Stimmen untergraben jedoch die Bedeutung der Wahl zum Fußballer des Jahres, die seit 1960 besteht.

Serhou Guirassy wird es wahrscheinlich egal sein, dass ihn die deutschen Journalisten für eine individuell herausragende Saison, in der er zur „Lebensversicherung“ des BVB aufstieg, wie Cheftrainer Niko Kovač sagt, stark unterbewerten. Übrigens erhielt Kovač 29 Stimmen beim Trainer des Jahres. Das ist eine beachtliche Leistung für eine Amtszeit von nur einem knappen Halbjahr.

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