Hasan Ismaik kündigt Darlehensverträge mit TSV 1860 München
Investor Hasan Ismaik hat seine Darlehensverträge mit dem TSV 1860 München gekündigt. Der Verein steht nun unter Druck, bis zum 3. Juni 2,7 Millionen Euro aufzubringen, andernfalls droht der Zwangsabstieg in die Regionalliga.
München – Manchmal benötigt eine Nachricht keine langen Erklärungen, um Aufsehen zu erregen. Ein markantes Beispiel aus der Geschichte des TSV 1860 ist der Abstieg in die Zweitliga im Jahr 2017, als der Verein um die Lizenz für die 3. Liga kämpfte. Damals stellte Ismaik mehrere Forderungen an den Verein, um die benötigten finanziellen Mittel bereitzustellen, die jedoch unerfüllt blieben. Kurz vor Ablauf der Frist sendete der Jordanier eine WhatsApp-Nachricht an Journalisten.
Der Inhalt dieser Nachricht war die einfache Zahl „4“, die den Zwangsabstieg des Vereins in die Regionalliga Bayern ankündigte. Eine ähnliche Situation könnte sich nun wieder anbahnen, nachdem Ismaik am Mittwochabend um 22:13 Uhr eine neue, umfangreiche Nachricht an Absolut Sechzig übermittelte.
In dieser Nachricht, die 550 Wörter umfasste, blickte der 48-Jährige auf seine bisherige Zeit bei den Löwen zurück und äußerte: „Nahezu 80 Millionen Euro in 15 Jahren, Erwartungen nicht erfüllt“. Er machte deutlich, dass die aktuelle Situation nicht länger tragbar sei und bestätigte die Kündigung seiner Darlehensverträge, da „wichtige Verpflichtungen unter den Darlehensverträgen nicht eingehalten wurden“. Konkrete Details nannte Ismaik jedoch nicht.
Er betonte, dass er eine Lösung in Form eines neuen Finanzierungsmodells bereitstelle, das „bessere Konditionen als zuvor, zinslos und mit zusätzlicher finanzieller Unterstützung“ bieten soll. Dieses Modell sei darauf ausgelegt, den Verein zu schützen und dessen Verbleib in der Dritten Liga zu sichern. Der TSV 1860 muss bis zum 3. Juni um 17 Uhr die erforderlichen 2,7 Millionen Euro aufbringen, um die Lizenz für die 3. Liga beim DFB zu beantragen.
Obwohl Ismaiks Aussagen nach einer ausgestreckten Hand in Richtung des Vereins klingen, stellt er auch klare Bedingungen: „Diese Unterstützung muss jedoch an Transparenz und finanzielle Disziplin gebunden sein, damit wir sicherstellen können, dass die Mittel ordnungsgemäß verwendet werden.“ Hierbei spielen die mittlerweile bekannten sieben Bedingungen für eine Weiterfinanzierung eine entscheidende Rolle.
Vier der sieben Punkte scheinen auf den ersten Blick unproblematisch: 1. Ordnungsgemäße Finanzberichterstattung und der Aufbau eines Finanzberichterstattungssystems bis zum 30. September 2026. 2. Beauftragung eines externen Finanzexperten bis zum 30. Juni 2026. 3. Ausgabebeschränkungen zur Gewährleistung einer strikten Zweckbindung neuer Mittel. 4. Umstrukturierung der KGaA bis zum 31. Oktober 2026 auf der Grundlage eines vereinbarten Umstrukturierungsplans, der bis zum 30. Juni 2026 fertiggestellt werden soll.
Die drei verbleibenden Forderungen bedürfen jedoch einer genaueren Betrachtung. Eine davon ist der „Verzicht auf Herabwürdigung“. Was Ismaik damit konkret meint, bleibt unklar. Es ist jedoch möglich, dass die kontrovers diskutierte Ismaik-Fahne in der Kurve ihn stört, auch wenn sie juristisch durch die Meinungsfreiheit geschützt ist.
Die Forderung zur „strikten Einhaltung des genehmigten Budgets“ könnte zunächst irritierend wirken, da die Etat-Erhöhung im vergangenen Sommer durch Ismaiks Vertrauten Saki Stimoniaris durchgesetzt wurde. Es könnte jedoch sein, dass Ismaik speziell Ausgaben außerhalb des durch den Aufsichtsrat festgelegten Rahmens anspricht.
Die wohl umstrittenste Forderung betrifft das Vorkaufsrecht. Ismaik verlangt vom e. V., auf sein Vorkaufsrecht im Rahmen eines Verkaufs seiner Anteile zu verzichten, was im Kooperationsvertrag nicht vorgesehen ist. Dies würde bedeuten, dass der e. V. kein Vetorecht mehr hätte, wenn Ismaik einen Käufer für seine Anteile findet, unabhängig von der Seriosität des Käufers. Es ist schwer vorstellbar, dass der Verein diesem Punkt zustimmt.
Sollten beide Seiten nicht aufeinander zugehen, könnte der TSV 1860 am kommenden Mittwoch in die Regionalliga absteigen – ein Super-GAU. Ismaik ließ zwischen den Zeilen durchblicken, dass dies für ihn eine mögliche Option darstellt: „Manchmal ist es notwendig, einen Schritt zurückzugehen, um eine solide und stabile Zukunft aufzubauen. Entscheidend ist nicht, in welcher Liga wir heute spielen, sondern dass wir einen Verein aufbauen, der in der Lage ist, stark zurückzukehren und über viele Jahre hinweg fortzubestehen.“