Havard Nordtveit über das Derby zwischen Gladbach und Köln

Havard Nordtveit über das Derby zwischen Gladbach und Köln

Havard Nordtveit erwartet ein spannendes Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln. Er rät seinem Schützling Sebastian Sebulonsen, das Spektakel in vollen Zügen zu genießen. Die Vorfreude ist greifbar, wenn die beiden Rivalen aufeinandertreffen.

Nordtveit, der zwischen 2011 und 2016 insgesamt fünfeinhalb Jahre für Gladbach spielte, absolvierte 187 Partien für die Fohlen und erlebte sowohl die Champions League als auch die Europa League. Seine aggressive Spielweise brachte ihm den Spitznamen „NordtFight“ ein. Nach dem Ende seiner aktiven Karriere arbeitet der Norweger nun als Spielerberater, was vor dem bevorstehenden Derby eine besondere Konstellation schafft.

„Howie“ Nordtveit trägt nach wie vor die Raute im Herzen, drückt jedoch als Berater von Sebulonsen auch seinem Schützling die Daumen. Im Interview mit EXPRESS.de äußert sich Nordtveit über die Faszination des Derbys, teilt seine eigenen Erfahrungen und gibt „SebSeb“ einige Ratschläge.

„Havard Nordtveit, Sie haben einen FC-Transfer eingefädelt. So etwas passiert nicht jeden Tag, oder?“

„Das kann man so sagen“, lacht Nordtveit. „Ich war vorher etwas nervös, weil ich nicht wusste, wie die Reaktionen sein würden. Aber ich habe mir umsonst Gedanken gemacht. Wir wurden beim FC herzlich empfangen. Es ist eine besondere Situation, und Thomas Kessler und ich haben vor der Vertragsunterzeichnung viel darüber gescherzt. Er wollte mir sogar ein FC-Trikot mit meinem Namen schicken. Am Ende war alles unproblematisch, und ich bin froh, dass Seb nun beim FC ist.“

„Wie beurteilen Sie seine bisherigen Leistungen?“

„Ich finde, er hat einen großartigen Start in der Bundesliga hingelegt. Ich bin sehr zufrieden mit ihm und freue mich, dass er in Köln eine Chance bekommt. Im Sommer hatte er viele Optionen, aber ich habe ihm klar zum FC geraten. Ich sagte ihm: ,Wenn du die Chance hast, bei einem der traditionsreichsten Vereine in Deutschland zu spielen, dann ergreife sie!‘“

„Nun steht das erste Derby an. Was werden Sie ihm für dieses besondere Spiel mit auf den Weg geben?“

„Ich habe ihm gesagt: ,Freu dich auf das Spiel und genieße es!‘ Er wird Teil einer großartigen Show sein. In Gladbach wird die Hölle los sein, und das Derby zwischen Gladbach und Köln gehört zu den besten und intensivsten in Deutschland, wenn nicht in ganz Europa. So etwas erlebt man nicht jeden Tag in seiner Fußballkarriere.“

„Sie haben solche Spiele mehrfach erlebt. Welche Derby-Erinnerungen haben Sie?“

„Diese Spiele vergisst man nie. Sie brennen sich ins Gedächtnis ein. Es gibt normale Bundesliga-Spiele und es gibt Derbys – da gelten andere Regeln. Besonders erinnere ich mich an mein erstes Spiel gegen die Kölner, als ich beim 5:1-Sieg mein erstes Tor für Gladbach erzielte. Das war ein ganz besonderer Moment in meiner Karriere.“

„Wussten Sie bei Ihrem Wechsel nach Gladbach 2011, welche Bedeutung das Derby in der Region hat?“

„Nein, vor meinem ersten Derby war mir die Wichtigkeit nicht bewusst. Es wurde mir aber klar, als unser damaliger Trainer Michael Frontzeck vor dem Spiel gegen Bayern sagte: ,Egal, was heute passiert. Wichtig ist nächste Woche gegen Köln.‘ Die gesamte Dimension wurde mir erst nach einem besonderen Vorfall bewusst.“

„Erzählen Sie…“

„Ein Schlüsselmoment für mich war, als wir im Bus saßen und ein Fanbus des FC neben uns hielt. Ich hörte Musik und als ich rüberblickte, sah ich die Fans, die die Kopf-ab-Geste in unsere Richtung machten. Da wurde mir klar, dass es für die Menschen in der Region mehr als nur ein gewöhnliches Spiel ist.“

„Haben Sie nach verlorenen Derbys auch mal den Unmut der eigenen Fans zu spüren bekommen?“

„Das ist sicher vorgekommen, aber ich erinnere mich an eine andere Situation. Nach mehreren Niederlagen unter Lucien Favre verloren wir auch das Derby in Köln. Als wir zurück im Borussia-Park ankamen, warteten rund 5000 Fans auf uns. Niemand wollte aus dem Bus aussteigen, bis der Trainer uns aufforderte, rauszukommen. Wir waren auf das Schlimmste vorbereitet, aber die Fans waren nur gekommen, um uns zu zeigen, dass sie hinter uns stehen. Das war ein unvergesslicher Moment.“

„Genießen Sie als Derby-Torschütze immer noch einen besonderen Stellenwert in Gladbach?“

„Ich denke schon, dass sich die meisten Gladbach-Fans daran erinnern, dass ich gegen Köln getroffen habe. Wenn man als Spieler jahrelang für den Verein gekämpft hat, wird man nicht vergessen. Wenn ich heute in den Borussia-Park komme, fühlt es sich an, als hätte ich immer noch einen Schlüssel zu jeder Tür. Viele Leute erinnern sich an mich als Spieler und nicht als Berater.“

„Haben Sie noch Verbindungen zur aktuellen Mannschaft?“

„Ich habe mit Eugen Polanski bei der TSG Hoffenheim gespielt. Ich freue mich, dass er am Wochenende die drei Punkte gegen St. Pauli geholt hat. Wir haben ein gutes Verhältnis. Ich habe ihn zuletzt angerufen, um zu fragen, ob ich mir ein Training anschauen darf. Er hat mich sofort eingeladen.“

„Wie bewerten Sie die Ausgangslage vor dem Spiel? Der FC sorgt als Aufsteiger für Aufsehen, während Gladbach trotz eines Sieges gegen St. Pauli tief im Abstiegskampf steckt.“

„Ich glaube, es ist ganz egal, was vorher war oder wie die Tabellenkonstellation aussieht. Das Derby hat seine eigenen Gesetze. Es spielt keine Rolle, ob eine Mannschaft gut drauf ist oder die andere im Keller steckt. Wenn das Derby angepfiffen wird, stehen die Uhren auf null. Alles ist möglich. Ich habe selbst erlebt, dass wir in schlechten Phasen ein Derby gespielt haben und ein Erfolg in diesem Spiel eine Wende bringen kann. Alle 22 Spieler wissen, worum es geht. Ich würde also keine Wette auf den FC abschließen, obwohl sie aktuell stark auftreten. Ich erwarte ein enges Spiel, und es wird darauf ankommen, wer den Sieg mehr will.“

„Abschließend die Frage: Für wen schlägt Ihr Herz am Samstag?“

„Tut mir leid, Seb, aber immer für Borussia. Mein Wunsch-Szenario wäre, dass er einen Treffer erzielt…“

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