Iranische Nationalspielerinnen brechen Asyl ab nach Drohungen
Nach Drohungen gegen ihre Angehörigen haben offenbar fünf iranische Nationalspielerinnen ihr Asyl in Australien abgebrochen. Zwei ihrer Teamkolleginnen bleiben jedoch standhaft in ihrem Entschluss.
Brisbane – Die erschütternde Geschichte dieser Spielerinnen zeigt, wie schnell ein mutiger Schritt in Richtung Freiheit in ein Netz aus Angst und Erpressung umschlagen kann. Was für sieben iranische Fußballerinnen in Australien als Hoffnung begann, endete für fünf von ihnen vorerst in der Rückkehr in die Ungewissheit. Hinter diesem plötzlichen Sinneswandel steckt offenbar ein perfides System aus psychischer Manipulation und gezielten Drohungen aus der Heimat.
Der Fall von Kapitänin Zahra Ghanbari illustriert besonders eindrücklich, wie weit die Reichweite des Regimes reicht. Ghanbari hatte nach dem Asien-Cup ursprünglich geplant, in Australien zu bleiben, wo ihr und sechs weiteren Teamkolleginnen Asyl angeboten wurde. Kurz darauf gerieten jedoch ihre Angehörigen im Iran ins Visier der Revolutionsgarden. Laut Medienberichten wurden ihre Familienmitglieder massiv eingeschüchtert, um Druck auf die Nationalspielerin auszuüben.
Der Druck soll auch innerhalb der Mannschaft weitergegeben worden sein. Die Betreuerin Zahra Soltan Meshkehkar, die selbst zunächst Asyl beantragt hatte, soll versucht haben, die Spielerinnen zur Rückkehr zu bewegen. Aktivistinnen in Australien äußerten ähnliche Bedenken. „Ich habe wirklich Sorgen“, sagte Tina Kordrostami vom iranisch-australischen Netzwerk dem Sydney Morning Herald und äußerte die Vermutung, dass Entscheidungen unter massivem Druck getroffen wurden.
Der Hintergrund: Beim ersten Gruppenspiel des Asien-Cups hatten die iranischen Spielerinnen die Nationalhymne nicht gesungen – ein symbolischer Protest, der in staatlichen Medien als Hochverrat gewertet wurde. Bereits während der Fußball-WM 2022 in Katar hatte die iranische Herrenmannschaft vor dem ersten Gruppenspiel bei der Hymne geschwiegen. Beim zweiten Spiel wurde die Hymne dann wieder gesungen, was vermutlich auf den erheblichen Druck aus der Heimat zurückzuführen war.
Während fünf Spielerinnen und eine Betreuerin mittlerweile auf dem Rückweg in den Iran sind, halten zwei Nationalspielerinnen an ihrem Asylgesuch fest. Fatemeh Pasandideh und Atefeh Ramezanisadeh trainieren jetzt an einem geheimen Ort in Brisbane bei Brisbane Roar. Der Klub hat sie öffentlich unterstützt: „Wir setzen uns weiterhin dafür ein, ihnen ein unterstützendes Umfeld zu bieten, während sie die nächsten Schritte angehen“, schrieb Geschäftsführer Kaz Patafta auf Instagram.
Die Sorge um die Frauen, die zurückkehren mussten, bleibt jedoch bestehen. Viele von ihnen verzichteten aus Angst um ihre Familien auf ein Asylgesuch in Australien, wie Innenminister Tony Burke mittlerweile bestätigte. Nun kehren sie in ein Land zurück, in dem ihr stiller Protest weiterhin schwer gegen sie ausgelegt werden könnte – und ihre Zukunft bleibt ungewiss.