Joachim Löw über die Kontroversen rund um Özil und Gündogan

Joachim Löw über die Kontroversen rund um Özil und Gündogan

Die Kontroverse um ein Foto von Ilkay Gündoğan und Mesut Özil mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan hat für erhebliche Aufregung gesorgt. Nun hat sich Joachim Löw zu den Auswirkungen dieser Debatte geäußert.

Frankfurt – Selten hat ein Thema rund um die deutsche Nationalmannschaft so viel Unruhe ausgelöst wie die Diskussion um Mesut Özil und Ilkay Gündoğan, die im Vorfeld der Weltmeisterschaft 2018 auf einem Foto mit Erdoğan abgebildet waren. Mehr als sieben Jahre nach dem Vorfall hat Löw nun Stellung bezogen und die Auswirkungen auf die Mannschaft erläutert.

„Das hat für unglaublich viele Diskussionen in unserem Land gesorgt“, erinnerte sich der damalige Bundestrainer im Doppelpass von Sport1. Besonders problematisch war, dass sich fast alles nur um dieses Thema drehte und nicht um die sportliche Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft. „In den zwei, drei Wochen im Trainingslager gab es eigentlich nur ein Thema. Es ging einfach zu viel Energie und Konzentration verloren“, so Löw.

Das Foto tauchte einen Tag vor der Bekanntgabe des vorläufigen WM-Kaders auf, in dem Özil und Gündogan selbstverständlich enthalten waren. Daraufhin entbrannte eine Welle der Kritik gegen die beiden DFB-Stars, die auch innerhalb des Verbandes stark kritisiert wurden. Viele Fans stellten infrage, ob die beiden deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln sich dem DFB-Team wirklich zugehörig fühlten.

Die Debatte erreichte sogar den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Es war wenig überraschend, dass die Diskussion die Vorbereitung und das Teamgefüge erheblich beeinträchtigte. „Zum ersten Mal in meiner Zeit war die Mannschaft nicht mehr einig. Sie war gespalten“, verriet Löw, der mittlerweile auch sein eigenes Verhalten hinterfragt hat und möglicherweise anders gehandelt hätte.

„Möglicherweise wäre es besser gewesen, auf sie zu verzichten“, erklärte er. Damals stellte sich der 65-Jährige schützend vor seine Spieler und hielt trotz der hitzigen Debatte an ihnen fest. „Ich habe gesagt: Gerade jetzt, wenn die Spieler so unter Beschuss stehen, müssen wir sie schützen.“ Offensichtlich hatten Gündogan und Özil jedoch so sehr mit der Situation zu kämpfen, dass ihre sportlichen Leistungen erheblich litten.

„Weder Ilkay noch Mesut haben Leistungen gezeigt, die uns geholfen haben“, ergänzte Löw und bestätigte damit, dass er wohl die falsche Entscheidung getroffen hatte. Einen Vorwurf macht er den beiden jedoch nicht: „Ilkay saß in der Kabine und hat geweint. Mesut war natürlich ebenfalls demoralisiert. Die Anfeindungen haben die Spieler stark belastet.“

Das Resultat war das frühzeitige Ausscheiden der DFB-Elf aus der Gruppenphase. Auch wenn die Debatte um Gündogan und Özil nicht allein für die enttäuschende Leistung der Nationalmannschaft verantwortlich gemacht werden kann, wird sie immer mit dem Debakel in Russland verbunden sein. Zudem gab es nach dem Turnier weitere Diskussionen, nachdem Özil seinen Rücktritt bekanntgab und Rassismus gegenüber Teilen des DFB-Vorstands vorwarf.

Seither scheint das Verhältnis zum DFB zerrüttet. Özil ist mittlerweile Teil des Vorstands von Erdogans Partei AKP und unterstützt den Präsidenten offiziell. Gündogan hingegen hat seine Karriere im Deutschland-Trikot nach der WM-Blamage fortgesetzt und trat erst nach der EM 2024 als damaliger Kapitän zurück. Unterschiedlicher könnte ein Abschied kaum sein.

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