Jobe Bellingham: Ein neuer Weg beim BVB
Der Name Bellingham ist zurück beim BVB! Doch der Neuzugang Jobe Bellingham möchte einige Dinge anders machen als sein Bruder Jude, der intern durchaus auch aneckte.
Dortmund/Saalfelden – Als bislang einziger prominenter Neuzugang zieht Jobe Bellingham bei Borussia Dortmund besondere Aufmerksamkeit auf sich. Dies ist vor allem darauf zurückzuführen, dass sein Bruder Jude beim BVB zum Star reifte, für über 100 Millionen Euro zu Real Madrid wechselte und heute zu den besten Fußballern der Welt zählt. Der ständige Vergleich hätte beinahe den Wechsel von Jobe zum BVB verhindert.
Der Neuzugang vom Premier-League-Aufsteiger AFC Sunderland grenzt sich jedoch deutlich von seinem Bruder ab. Obwohl sie sich ähnlich sehen, ist Jobe physisch eine weitaus imposantere Erscheinung als Jude zu seinen Anfangszeiten als 17-Jähriger beim BVB. Auch in seinen Aussagen wird deutlich, dass Jobe mehr als nur eine Kopie seines Bruders ist.
Jude Bellingham entwickelte sich schnell vom Talent zum Star und genoss das Spiel mit den Fans. Am Ende seiner Zeit in Dortmund stellte er sich manchmal alleine vor die Südtribüne, um den Applaus der Menge zu genießen, und er forderte seine Mitspieler lautstark auf, präziser zu spielen. In der Kabine sorgte der heutige Real-Profi gelegentlich für Spannungen.
Einige Teamkollegen sollen erleichtert gewesen sein, als Jude den BVB verließ, da ihm eine One-Man-Show vorgeworfen wurde. Jobe hingegen scheint, zumindest basierend auf seinem Auftritt bei einer Medienrunde im Trainingslager von Saalfelden (Österreich), nicht in Gefahr zu laufen, in ähnlicher Weise wahrgenommen zu werden.
„Ich möchte neben dem Platz nicht im Mittelpunkt stehen, weshalb ich immer etwas nervös bin, wenn ich Interviews gebe“, gestand der Jungprofi ehrlich. „Dortmund ist kein Klub, zu dem man kommt, um ein Superstar zu sein. Ich möchte kein Superstar sein, sondern auf dem Platz wie eine Maschine agieren.“ Leistungskultur statt Personenkult – so könnte man seine Einstellung zusammenfassen.
Wohlbemerkt, auch Jude Bellingham lieferte hervorragende Leistungen, was ihn in den Fokus rückte. Sein jüngerer Bruder scheint jedoch nicht aktiv nach solcher Aufmerksamkeit zu streben. Zunächst geht es ihm darum, sich einzugewöhnen. „Ich versuche, mich mit Menschen zu umgeben, von denen ich lernen kann, besonders von Pascal“, erklärte er seine Herangehensweise.
Die Wahl von Pascal Groß, dem stillen Leader des BVB, als ersten Mentor spricht Bände. Jobe Bellinghams Aussagen deuten auch darauf hin, wie sehr Cheftrainer Niko Kovač seinen Wechsel nach Dortmund beeinflusste, trotz der ständigen Vergleiche mit seinem Bruder.
„Er möchte intensiven Fußball spielen, auch im Training, und das passt zu dem, was ich glaube und wie ich mich sehe. Er ist streng, leidenschaftlich und versteht das Spiel gut, weil er viel Erfahrung hat. Ich hatte das Gefühl, dass er die beste Person ist, um meine Zukunft in seine Hände zu legen“, sagte Bellingham.
Bemerkenswert ist auch sein Umgang mit den Erwartungen beim BVB. Anstatt sich hinter Floskeln zu verstecken, spricht er Klartext: „Ich denke, Titel sollten das Ziel jedes Spielers sein, der zu einem Verein mit so viel Fanliebe kommt. Warum sollte man nicht zu einem Verein wie diesem kommen und große Dinge erreichen wollen?“, so seine rhetorische Frage.
In dieser Hinsicht hilft es, dass Jobe den Klub aus nächster Nähe erlebt hat, als Jude in Dortmund spielte. „Es ist ein Verein, der in den letzten Jahren von dem großen Moment, den er verdient, beraubt wurde – sei es in der Champions League oder beim Unentschieden gegen Mainz. Ich war im Stadion und weiß, was die Fans denken und fühlen.“
Dass ein 19-Jähriger dieses Thema gleichzeitig selbstbewusst und doch sensibel angehen kann, ist bemerkenswert. Es zeigt, wie professionell die Familie Bellingham ihren talentierten Sohn vorbereitet hat. „Ich möchte einer der besten Mittelfeldspieler in Europa werden“, sagte Jobe Bellingham, nicht mit lautem Getöse, sondern mit fester Überzeugung. „Ich möchte mein gesamtes Spiel verbessern und meine Stärken zu Super-Stärken entwickeln.“