Jonas Urbig als potenzieller Nachfolger von Manuel Neuer beim FC Bayern
Beim FC Bayern München wird Jonas Urbig als möglicher Nachfolger des fünfmaligen Welttorhüters Manuel Neuer in Betracht gezogen. Doch wie sieht die Situation im DFB-Team aus?
In München herrscht derzeit eine außergewöhnliche Lage: Während Jonas Urbig, der Stellvertreter von Julian Nagelsmann, erstmals für die A-Nationalmannschaft nominiert wurde, arbeitet die langjährige Nummer eins, Manuel Neuer, an seinem Comeback nach einem Muskelfaserriss in der Wade. Es könnte sich um das letzte Comeback in seiner aktiven Karriere handeln, da nicht ausgeschlossen ist, dass Neuer, der von vielen als einer der besten Torhüter der Fußballgeschichte gilt, nach dieser Saison seine Fußballschuhe an den berühmten Nagel hängen wird.
Seine beeindruckende Karriere sollte mit einem würdigen Abschluss enden: Geplant ist die Rückkehr des 40-jährigen Neuer ins Tor des Rekordmeisters beim Bundesliga-Spiel gegen Freiburg am 4. April, um sich dann in Bestform in den Champions-League-Duellen gegen Real Madrid am 7. und 15. April zu präsentieren und idealerweise auf das dritte Triple nach 2013 und 2020 hinzuarbeiten.
Die Entscheidung über Neuers Zukunft beim FC Bayern sollte ursprünglich während der Länderspielpause rund um seinen 40. Geburtstag fallen. Neuere Informationen deuten jedoch darauf hin, dass diese Entscheidung bis in den Mai verschoben werden könnte: Entweder ein weiteres Jahr beim Rekordmeister oder das Karriereende, ein Wechsel ins Ausland kommt für Neuer nicht mehr in Frage. Eine andere Entscheidung hat der Keeper bereits getroffen: Er wird der DFB-Elf für die WM im Sommer nicht zur Verfügung stehen, eine medial viel diskutierte Rückkehr ist somit ausgeschlossen.
Um Neuers Erbe im DFB-Tor kämpfen mehrere Torhüter. In Bezug auf die Weltmeisterschaft in den USA, Mexiko und Kanada scheint die Wahl des Bundestrainers bereits gefallen zu sein, jedoch bleibt das Rennen langfristig offen. Eigentlich wären diese Aufgaben für Marc-André ter Stegen vorgesehen gewesen, doch der 33-Jährige hatte in den letzten Jahren mit erheblichen Verletzungsproblemen zu kämpfen. Aktuell fällt er bei seinem Leihverein FC Girona aufgrund einer schweren Oberschenkelverletzung aus, und sein Traum, als Nummer eins zur WM zu fahren, wird sich wohl erneut nicht erfüllen.
Dies eröffnet anderen Torhütern die Möglichkeit, sich zu beweisen. In den bevorstehenden Testspielen gegen die Schweiz und Ghana werden Oliver Baumann, Alexander Nübel und erstmals der 22-jährige Jonas Urbig, der als „Ersatzkeeper“ des FC Bayern gilt, zum Einsatz kommen. Baumann von der TSG Hoffenheim hat sich in der aktuellen Torhüter-Hierarchie klar in der Pole-Position etabliert. Der 35-Jährige stand bei den letzten Länderspielen im Tor und hat dabei durchweg überzeugt. Nagelsmann lobt den Routinier, der in der WM-Qualifikation „herausragend“ gespielt hat und auch im März eine starke Leistung zeigen wird.
Es wäre eine große Überraschung, wenn der Kapitän der Kraichgauer beim Turnier nicht im DFB-Tor stehen würde. Alexander Nübel, der bis Saisonende vom FC Bayern an Stuttgart verliehen ist, reiht sich in der aktuellen Torhüter-Hierarchie hinter Baumann ein. Nach der WM könnten die Karten jedoch neu gemischt werden, und Urbig könnte sowohl beim Rekordmeister als auch in der Nationalmannschaft zwischen den Pfosten stehen.
Der 22-Jährige könnte zum Shootingstar werden. Durch seine Rolle beim FC Bayern genießt er einige Vorteile: In den letzten beiden Spielzeiten kam er mehrfach in der Champions League zum Einsatz und hat sich im Schatten von Neuer hervorragend weiterentwickelt. Mit dem Ball am Fuß ist Urbig der beste der drei Keeper und hat in dieser Disziplin möglicherweise bereits seinen Lehrmeister übertroffen, der in den letzten 15 Jahren Maßstäbe gesetzt hat. Auch auf der Linie zeigt er starke Reflexe.
Nagelsmann schwärmt von Urbig: „Er hat für sein Alter eine extrem gute psychische Stabilität bewiesen. Er kam in vielen Spielen rein und hat sofort performt.“ Zudem habe er „eine hervorragende Verbindung zu vielen Spielern“, so der Bundestrainer: „Er kennt viele aus der U-Nationalmannschaft und hat eine gute Verbindung zu dem großen Bayern-Block, was für uns von großem Wert ist.“ Insgesamt attestiert Nagelsmann Urbig „eine große Perspektive, wenn alles so weiter verläuft“.
Ob der junge Bayern-Torhüter als Nummer drei oder zwei zur WM fliegt, wird sich noch zeigen. Entwickelt sich Urbig jedoch weiterhin so wie in seinen ersten 14 Monaten beim Rekordmeister, könnte er Neuer sowohl im DFB-Team als auch beim FC Bayern beerben. Nübel, der seit sechs Jahren beim FCB unter Vertrag steht, aber fünf Jahre davon ausgeliehen war, wird diese Rolle dagegen nicht zugetraut. Weder in der Nationalelf noch in München. Medienberichten zufolge wird er im Sommer erneut verliehen oder – noch wahrscheinlicher – verkauft.