José Mourinho und die Champions League: Ein schmerzhafter Abschied
Am Donnerstag wird die Auslosung zur Champions-League-Saison 2025/26 stattfinden, doch eine der prominentesten Figuren des Wettbewerbs wird erneut fehlen.
Istanbul – Ein Bild, das dem europäischen Fußball abgeht: José Mourinho an der Seitenlinie der Champions League, mit seiner charakteristischen Gestik, seinen taktischen Finessen und der Aura, die ihn zum „Special One“ machte. Doch die Realität ist ernüchternd – sein letztes Spiel in der Königsklasse liegt bereits über fünf Jahre zurück.
Am 10. März 2020 schied Mourinho mit Tottenham Hotspur in Leipzig aus. Seitdem ist Europas Elitewettbewerb um eine seiner schillerndsten Figuren ärmer. Wenn es um Mourinhos Vermächtnis geht, führt kein Weg an der Champions League vorbei. Zwei Titel holte er mit dem FC Porto (2004) und Inter Mailand (2010), beide Male mit taktischen Meisterleistungen, die Fußballgeschichte schrieben.
Seine Verbindung zu diesem Wettbewerb ist einzigartig und prägte über ein Jahrzehnt lang die Erzählungen der Königsklasse. Die Bilanz spricht für sich: In 151 Champions-League-Spielen als Trainer feierte er 80 Siege – eine Erfolgsquote von über 50 Prozent. Der Durchbruch kam 2004 mit dem FC Porto. Was Mourinho damals gelang, grenzte an ein Fußballwunder.
Mit einem Team, das auf dem Papier chancenlos schien, besiegte er Manchester United, Lyon und La Coruña in der K.-o.-Runde und schließlich AS Monaco im Finale mit 3:0. Dies war der Beginn einer Ära, die den modernen Fußball nachhaltig prägen sollte. Sechs Jahre später wiederholte er diesen Erfolg mit Inter Mailand.
Das Triple 2010 – Champions League, Serie A und Coppa Italia – war der Höhepunkt seiner Trainerkarriere und das bis heute einzige Mal, dass dies einem italienischen Verein gelang. Im Halbfinale gegen den FC Barcelona siegte Inter zu Hause 3:1, verteidigte im Rückspiel im Camp Nou lange mit zehn Mann und verlor lediglich mit 0:1 – genug für den Einzug ins Finale, das Inter gegen den FC Bayern dominierte.
Paradoxerweise blieb ihm ausgerechnet bei Real Madrid, dem Klub mit den meisten Champions-League-Titeln, der große Wurf verwehrt. Drei Jahre lang (2010–2013) versuchte Mourinho, „La Décima“ zu holen – ohne Erfolg. Es gab drei Halbfinal-Niederlagen in Folge gegen Barcelona (2010/11), den FC Bayern (2011/12) und Borussia Dortmund (2012/13).
Besonders schmerzhaft war die Niederlage gegen Bayern München 2012 im Elfmeterschießen. Mourinho gestand später, dass dies der einzige Moment in seiner Karriere war, in dem er nach einem Spiel geweint habe: „Es war wirklich hart, weil wir das beste Team Europas waren.“ Nach seiner Zeit bei Real Madrid wurde es schwieriger.
Bei seiner Rückkehr zu Chelsea (2013-2015) erreichte er immerhin das Halbfinale 2014, wo sein Team an Atlético Madrid scheiterte. In der folgenden Saison schied Chelsea im Achtelfinale gegen PSG aus, gewann jedoch überlegen die Premier League. Bei Manchester United (2016–2018) war die Bilanz gemischt.
Nach dem Gewinn der Europa League 2017 erreichte er in der Champions League das Achtelfinale, wo United überraschend gegen Sevilla ausschied. In seiner dritten Saison wurde er vor den K.-o.-Spielen entlassen. Der Tiefpunkt kam bei Tottenham. Das 0:3 in Leipzig am 10. März 2020 sollte sein bislang letztes Champions-League-Spiel werden.
Ein Jahr später wurde er am 19. April 2021 entlassen – sechs Tage vor dem Finale des Carabao Cup gegen Manchester City. Ein bitteres Ende, das ihm die Chance nahm, die lange Titeldürre der Spurs zu beenden. Nach seiner Zeit bei der AS Rom, wo er die Conference League gewann, trainiert Mourinho heute Fenerbahçe Istanbul.
Mit den Türken scheiterte der „Special One“ in der Champions-League-Qualifikation im Vorjahr an Lille und nun an seinem Ex-Klub Benfica. Fenerbahçe wird erneut in der Europa League antreten, während die Sehnsucht nach der großen Bühne weiterhin groß bleibt. Während Mourinho um europäische Plätze kämpft, dominierten andere Trainer in den letzten Jahren die Königsklasse.
Pep Guardiola, sein alter Rivale, gewann 2023 mit Manchester City seinen dritten Henkelpott. Carlo Ancelotti sammelte mit Real Madrid 2024 seinen fünften Champions-League-Titel und wurde damit zum alleinigen Rekordhalter. Die Champions League hat in den letzten fünf Jahren viele große Momente erlebt.
Doch eines fehlt: die Magie, die Mourinho diesem Wettbewerb verliehen hat. Seine taktischen Schachzüge, seine Pressekonferenzen und seine Fähigkeit, Außenseiter zu Riesen zu machen. Mourinho und die Champions League – das ist eine Liebesgeschichte, die noch nicht zu Ende erzählt scheint. Wenn am Donnerstag die neue Champions-League-Saison ausgelost wird, bleibt Mourinho vorerst nur die Rolle des Zuschauers.