Joshua Kimmich: Erfolg motiviert mehr als Geld
Vor dem Abflug nach Nordamerika erklärte Mannschaftskapitän Joshua Kimmich: „Der Erfolg motiviert uns mehr als die Kohle.“ Die genaue Prämie für die Weltmeisterschaft ist zwar nicht bekannt, jedoch wird sie höher ausfallen als in Katar, sofern das Team nicht früh ausscheidet.
Kimmich ist nicht nur ein herausragender Fußballspieler, sondern auch ein versierter Rhetoriker. Wenn er möchte, kann der 31-Jährige viel reden und dabei wenig sagen. Mit einem schelmischen Lächeln gelingt es ihm, sein Publikum in den Bann zu ziehen. Diese Fähigkeiten machen ihn zu einem idealen Kapitän der deutschen Nationalmannschaft.
Vor seinem dritten WM-Teilnahme am Dienstag wurde Kimmich gefragt, wie sich die von ihm mit dem DFB-Präsidenten und dem Geschäftsführer ausgehandelten WM-Prämien gestalten. Zudem wurde er gefragt, wie viel Geld zusätzlich fließt, da die Nationalspieler nicht nur an den Fifa-Geldern beteiligt sind, sondern auch an den Sponsoren-Einnahmen des Deutschen Fußball-Bunds.
Über Letzteres sprechen der Verband und die Spieler jedoch nie öffentlich, sondern nur intern. In der Vergangenheit lag die Größenordnung bei etwa 300.000 Euro pro Saison für Nationalspieler, die an allen Spielen teilgenommen haben. Insgesamt dürfte der DFB zuletzt für alle A-Nationalspieler, Trainer und Manager rund zehn Millionen Euro pro Saison aus Sponsoring und Lizenzgeschäften generiert haben.
Diese Tendenz ist steigend. Kimmich merkte an, dass es dem DFB besser gehe, weil neue Partner hinzugekommen seien und im nächsten Jahr ein weiterer großer Partner erwartet wird. Dabei bezieht er sich auf den Ausrüster Nike, der rund 100 Millionen Euro pro Saison an den DFB überweist, was etwa das Doppelte dessen ist, was Adidas zuletzt gezahlt hat. Über die gesamte Laufzeit bis 2034 ergeben sich aus diesem Geschäft Mehreinnahmen von 400 Millionen Euro.
Die Verantwortlichen, die dafür sorgen, dass Nike so viel Geld investiert, sind die DFB-Funktionäre, nicht die von ihnen unterstützten Frauen, Jugend- und Amateurteams. Daher kann man davon ausgehen, dass Kimmich, der als geschickter Verhandlungspartner gilt, sich der eigenen Wertigkeit und der seiner Mitspieler bewusst ist.
Was die WM betrifft, nennt der DFB die genaue Prämie diesmal nicht, im Gegensatz zu den vergangenen Jahren. In Katar wären es 2022 im Falle eines Titelgewinns 400.000 Euro pro Spieler gewesen. Zum Vergleich: 1954 erhielten die Helden von Bern für ihre Einsätze eine Höchstprämie von 2.200 D-Mark, ein Fernseher und einen Koffer.
Kimmich äußerte: „Generell ist es für uns Spieler immer sehr schwierig, großartig zu verhandeln, weil wir keine Alternativen haben.“ Er verglich die Verhandlungsposition von Nationalspielern mit der in ihren Vereinen: „Wenn man im Klub nicht zu einer Einigung kommt, hat man immer noch eine Option. Beim DFB können wir nicht sagen: ‚Wenn es nicht passt, treten wir nicht an.‘ Daher ist die Verhandlungsbasis für den DFB leider etwas besser.“
Geschäftsführer Andreas Rettig erklärte kürzlich bei einer Veranstaltung in Düsseldorf: „Ich kann nur so viel sagen: Wenn die Mannschaft Weltmeister wird, gibt es mehr als in Katar, weil auch deutlich mehr hereinkommt.“ Die Fifa zahlt als Rekordprämie für den Weltmeister 50 Millionen US-Dollar (knapp 43 Millionen Euro). Für den Einzug ins Finale gibt es 33 Millionen Dollar (gut 28 Millionen Euro). Da der DFB bei der Unterbringung und Betreuung der Spieler jedoch keine Kosten scheut, fallen bei einer Fußball-WM erhebliche Ausgaben an.
Kimmich ist sich dieser Aspekte bewusst und sagt: „Man findet immer zusammen, orientiert sich an den letzten Jahren und schaut, was in diesem Jahr passiert. Das Turnier ist etwas größer. Es gibt auch höhere Prämien seitens der Fifa.“ Laut Rettig verliefen die Verhandlungen partnerschaftlich, was jedoch die übliche Rhetorik ist. „Was uns im Gespräch gefiel, war die totale Leistungsbereitschaft der Mannschaft. Sie sagen: Am Anfang gibt es keine Prämie, aber wenn wir Weltmeister werden, wollen wir auch mehr.“ Dies ist nicht neu: 2018 und 2022 gab es aufgrund des Ausscheidens in der Vorrunde keine WM-Prämie, was fair war, da auch für den Verband nichts übrig blieb.
Dieses Mal hieß es laut Rettig sogar bis zum Viertelfinale: „Außer Spesen nix gewesen.“ Er betonte: „Dieses Turnier wird für die meisten europäischen Verbände, die nicht ins Halbfinale kommen, ein Verlustgeschäft.“ Daher seien er, Präsident Bernd Neuendorf und Sportdirektor Rudi Völler „glücklich, dass es zu diesem Thema mit dem Mannschaftsrat keine harten Verhandlungen gibt.“
Kimmich bezeichnet die Prämien als „schönen Nebeneffekt, der einem auch zusteht, wenn man abliefert“. Grundsätzlich gilt: „Wir sind intrinsisch motiviert; der Erfolg motiviert uns mehr als das Geld.“ Er erwähnt jedoch nicht, dass ein WM-Titel den Marktwert jedes Spielers steigert und somit bei zukünftigen Verhandlungen mit Sponsoren, Ausrüstern und Vereinen das eigene Einkommen erhöht. Dennoch kann man Kimmichs Eigenmotivation über finanzielle Interessen nicht absprechen: „Als Kinder haben wir die WM nachgespielt und im eigenen Garten die Hymne gesungen. Irgendwann steht man selbst da und darf als Kapitän zur WM reisen. Das ist eine große Ehre für mich.“