Julian Brandts Zukunft beim BVB: Ein Spieler im Schatten
Julian Brandt ist der dienstälteste Spieler von Borussia Dortmund, Vizekapitän und zählt zu den Topverdienern des Vereins. Aktuell spielt er jedoch eine untergeordnete Rolle im Team. Welche Konsequenzen hat dies für seine Zukunft?
In der laufenden Saison hat Brandt in sechs Pflichtspielen lediglich 193 Minuten auf dem Platz gestanden. Nur einmal war er länger als 45 Minuten dabei, und zwar bei seiner einzigen Nominierung in der Startelf gegen Union Berlin. In den letzten Spielen kam er lediglich als Einwechselspieler in den Schlussphasen gegen Juventus und den VfL Wolfsburg zum Einsatz.
Die Auswirkungen einer Kahnbeinoperation, die er sich bei der FIFA Klub-WM zugezogen hat, lassen sich nicht allein für seine geringe Spielzeit verantwortlich machen. Brandt wurde von einem Stammspieler zu einem Rotationsspieler herabgestuft. Trainer Niko Kovač setzt derzeit in der Offensive auf die Spieler Karim Adeyemi, Maximilian Beier und Serhou Guirassy.
In der Regel wird Carney Chukwuemeka als erster Einwechselspieler eingesetzt, was die Frage aufwirft, ob Brandts Zeit beim BVB nach dieser Saison zu Ende geht. Sein Vertrag läuft aus, und um eine Verlängerung zu erreichen, muss der Nationalspieler in dieser Spielzeit überzeugende Leistungen zeigen.
Dortmund ist sich des eher ungewöhnlichen Schrittes bewusst, mit einem hochbezahlten Spieler ins letzte Vertragsjahr zu gehen. Im vergangenen Sommer gab es zudem wahrscheinlich keinen nennenswerten Markt für Brandt. Sportchef Lars Ricken erklärte im August: „Wir schauen, wie die Saison verläuft. Ich kann mir auch eine Vertragsverlängerung vorstellen, wenn die Leistung stimmt.“
Dieser letzte Halbsatz ist entscheidend. Leistungsnachweise sind jedoch schwer zu erbringen, wenn die Einsatzzeiten fehlen. Es bleibt abzuwarten, ob es sich um eine Momentaufnahme handelt oder ob sich eine generelle Tendenz abzeichnet. Trainer Kovač hat grundsätzlich ein hohes Ansehen für Brandt, und der Vergleich mit Talenten wie Jamal Musiala und Florian Wirtz ist noch in den Köpfen der Fans.
Mit seinen aktuellen Entscheidungen sendet Kovač jedoch ein anderes Signal. Ein weiterer wichtiger Aspekt in der Diskussion um Brandt ist die Gehaltsstruktur beim BVB. Medienberichten zufolge wird sein Jahresgehalt auf 7 bis 8 Millionen Euro geschätzt, was ihn zu einem der besserverdienenden Spieler im Kader macht.
Die sportliche Leitung unter Ricken und Sportdirektor Sebastian Kehl hat sich zum Ziel gesetzt, Missverhältnisse abzubauen. Ein bedeutender Einschnitt könnte 2026 erfolgen, wenn auch die Verträge von Emre Can (angeblich 8,5 Millionen Euro) und Niklas Süle (Topverdiener mit etwa 14 Millionen Euro) auslaufen. Während das Defensiv-Duo derzeit verletzungsbedingt ausfällt, könnte Brandt theoretisch Argumente für seine Vertragsverlängerung sammeln.
Allerdings drängt er sich in den ersten Monaten der neuen Saison nicht auf. Viele Faktoren deuten darauf hin, dass Brandts Zeit beim BVB dem Ende entgegengeht. Ob ein Verkauf im Winter realistisch ist, um noch eine Ablöse zu erzielen, bleibt abzuwarten. Eine Vertragsverlängerung würde derzeit jedenfalls überraschen, auch wenn dies bislang unausgesprochen bleibt.