Julian Nagelsmann gibt Kader für die WM 2026 bekannt
Der WM-Kader von Julian Nagelsmann steht fest, doch 62 Telefonanrufe haben beim Bundestrainer ihre Spuren hinterlassen. Nicht alle waren erfreulich.
Frankfurt - In der vergangenen Woche führte Julian Nagelsmann insgesamt 62 Telefonate, von denen 26 positiv verliefen. „Aber mein Hirn“, erklärte der Bundestrainer am Donnerstagmittag auf dem DFB-Podium in Frankfurt, „war gestern Abend einfach matsche“. Die Nominierung, so der Chefcoach der Heim-EM 2024, „ist schwerer als das Turnier selbst“. Manchmal sei es „fies“, manchmal „unangenehm“, manchmal aber auch „fair“. Es sei eine Erleichterung, dass dieser Prozess nun vorbei sei und die WM endlich bevorstehe. „Ich bin mega heiß, die Jungs sind mega heiß“, versicherte Nagelsmann mit Blick auf die 26 Spieler, die bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada (11. Juni bis 19. Juli) zu Helden werden sollen.
Das Ziel ist nichts Geringeres als der fünfte Stern für Deutschland. Gerne wiederholte der DFB-Trainer, was er bereits beim Turnier-Aus vor zwei Jahren gesagt hatte: „Wir wollen Weltmeister werden.“ Die Diskussion darüber, wer am besten für diese Mission geeignet ist, zog sich „bis kurz vor knapp“. Die Truppe um Kapitän Joshua Kimmich passt „menschlich und sportlich“ perfekt zusammen: „Das Team ist der Kern!“ Die DFB-Elf möchte das Turnier aus Gruppe E (Curacao, Elfenbeinküste, Ecuador) nicht nur durch einige Topstars wie Jamal Musiala, Florian Wirtz oder Rückkehrer Manuel Neuer rocken, sondern als starkes Kollektiv auftreten. Dafür mussten teils harte Entscheidungen getroffen werden, die sowohl positive als auch negative Überraschungen mit sich brachten.
Bereits am Donnerstagmorgen wurden in emotionalen Videos die ersten Nominierungen bekannt gegeben. Die A-Elf bildet sich um Neuer, „Leader“ Kimmich, Jonathan Tah, Nico Schlotterbeck, David Raum, Aleksandar Pavlovic, Leon Goretzka sowie die Offensivreihe Jamal Musiala, Florian Wirtz, Kai Havertz und Nick Woltemade. Im Tor wird Oliver Baumann als „Nummer 1b“ aufgerückt, während Alexander Nübel als dritter Mann mitreisen wird. Für Abwehr und Mittelfeld stehen Waldemar Anton, Nathaniel Brown, Pascal Groß, Felix Nmecha, David Raum, Antonio Rüdiger, Angelo Stiller und Malick Thiaw zur Verfügung. In der Offensive sollen Nadiem Amiri, Maximilian Beier, Lennart Karl, Jamie Leweling, Leroy Sané und Deniz Undav für Torgefahr sorgen. Namen wie Brown, Thiaw, Amiri und Beier wurden von vielen nicht erwartet.
Jeder Spieler kennt seine Rolle, doch Nagelsmann ist „ein Freund davon, dass Spieler verschiedene Positionen spielen können“. Die Auserwählten hatten zudem einen kleinen Vorteil gegenüber den Spielern, die der Bundestrainer enttäuscht zurücklassen musste, wie Said el Mala aus Köln oder Tom Bischof aus München, der „traurig und frustriert“ war. Das härteste Gespräch führte Nagelsmann offenbar mit Matthias Ginter aus Freiburg, was „auch für den Trainer nicht toll“ war. Neben den verletzten Stammkräften Marc-André ter Stegen und Serge Gnabry fehlen auch größere Namen wie Niclas Füllkrug und Robert Andrich. Auffällig ist auch die Verknappung des Stuttgarter Blocks: Chris Führich, Maximilian Mittelstädt und Josha Vagnoman stehen nicht im Kader. Die Elf wird stark von der Bayern-Fraktion getragen, die aus sechs Profis besteht, nachdem Neuer seine Rückkehr verkündet hat.
Der Weg zur WM ist lang, doch Nagelsmann sieht sein Team „gerüstet“. Es bleiben 21 Tage, um in den Testspielen gegen Finnland und die USA an den letzten Feinheiten zu arbeiten und das Land zu begeistern. „Lasst uns gemeinsam etwas Großes kreieren. Wenn wir alle an einem Strang ziehen, wird es ein tolles Turnier“, sagte der 38-Jährige in Richtung der Fans. Schluss mit der Unsicherheit – „wir müssen ins Handeln kommen“.