Julian Nagelsmanns Zukunft als Bundestrainer in der Schwebe
Sportlich gibt es viele Gründe für eine Trennung von Julian Nagelsmann als Bundestrainer. Allerdings könnte sein bis 2028 laufender Vertrag für den DFB finanziell problematisch werden.
Frankfurt am Main – Nach dem WM-Debakel gegen Paraguay ist Julian Nagelsmann als Bundestrainer kaum noch zu halten. Eine vorzeitige Entlassung könnte den DFB jedoch vor eine kostspielige Entscheidung stellen, da Nagelsmann einen langfristigen Vertrag innehat.
Berichten zufolge verdient Nagelsmann beim DFB rund sieben Millionen Euro pro Jahr, und sein Vertrag läuft offiziell bis nach der EM 2028. Sollte der Verband den 38-Jährigen vorzeitig entlassen, könnte ein Vertragsvolumen von etwa 14 Millionen Euro anfallen. Medienberichten zufolge gilt eine Ausstiegsklausel jedoch nur im Falle eines Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft.
Da Deutschland die Gruppenphase überstanden hat und erst im Sechzehntelfinale gegen Paraguay ausschied, ist unklar, ob der DFB den Vertrag ohne hohe Abfindungszahlungen auflösen kann. Nagelsmann selbst denkt bislang nicht an einen freiwilligen Rücktritt. Unmittelbar nach dem Ausscheiden erklärte er, dass er seine Aufgabe fortsetzen möchte.
„Ich möchte weitermachen. Ich stehe zur Verfügung. Ich bin keiner, der wegläuft. Das ist ausgeschlossen“, sagte der Bundestrainer. Auf Nachfrage erklärte er, dass die Entscheidung allein beim DFB liege: „Wenn der DFB es möchte, bereite ich sehr gerne die EM und die Nations League vor. Wenn sie das nicht möchten, müssen sie es mir sagen.“
Gleichzeitig zeigte sich Nagelsmann überzeugt, dass die Verantwortlichen seine Arbeit richtig einordnen würden: „Die drei Herren wissen, was ich für ein Trainer bin. Wenn sie die Überzeugung haben, dass das das Richtige ist, werden sie mir das sagen. Und wenn sie denken, dass ein anderer es besser macht, werden sie mir das auch mitteilen.“
Beim DFB wird die Aufarbeitung der Situation derzeit intensiv vorangetrieben. Präsident Bernd Neuendorf kündigte unmittelbar nach dem Turnier an, die Ursachen des nächsten WM-Fehlschlags umfassend zu analysieren. „Wir sind uns einig, dass das Abschneiden bei der WM nicht unseren Ansprüchen genügt“, erklärte er. Ein einfaches „Weiter so“ werde es nicht geben.
„Wir können und wollen nach einem derartigen Tiefschlag nicht einfach zur Tagesordnung übergehen“, betonte Neuendorf. Ob Nagelsmann an diesen Gesprächen noch als Bundestrainer teilnehmen wird, ist derzeit ungewiss. Die sportliche Lage spricht klar gegen einen Verbleib, und die Anzeichen verdichten sich, dass alles auf eine Trennung hinausläuft.
Nach dem dritten WM-Aus in Folge vor dem Achtelfinale ist der öffentliche Druck enorm. Auch prominente Stimmen wie Mats Hummels forderten bereits Konsequenzen. Gleichzeitig räumte Nagelsmann selbst ein, dass die Unterstützung der Fans momentan kaum vorhanden sein dürfte: „Ich glaube, wenn man jetzt eine Umfrage machen würde, dann hätte ich wahrscheinlich nicht viele Stimmen.“
Dennoch möchte er den Weg mit der Nationalmannschaft fortsetzen. Genau hierin liegt das Dilemma des DFB: Ein freiwilliger Rücktritt erscheint aufgrund der finanziellen Dimension kaum realistisch, während eine Entlassung den Verband eine zweistellige Millionensumme kosten könnte. Ausgerechnet der Vertrag, der für Kontinuität sorgen sollte, könnte sich als das teuerste Hindernis auf dem Weg zu einem sportlichen Neuanfang herausstellen.