Jürgen Klopp: Ein neuer Bundestrainer mit Herausforderungen

Jürgen Klopp: Ein neuer Bundestrainer mit Herausforderungen

Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp hat nun ein klares Bild von der Stimmung im Fußballvolk. Trotz gewisser Vorbehalte hat er sich eine faire Chance verdient. Ein Kommentar.

Als Jürgen Klinsmann nach der WM 2006 sein Projekt "Sommermärchen" beendete, hätte niemand den DFB für verrückt gehalten, wenn man diesen großen, brillentragenden Mann zum neuen Bundestrainer gemacht hätte. Jürgen Klopp, damals als Experte beim ZDF tätig, begeisterte die Zuschauer mit seinem Fachwissen und seiner Wortakrobatik. Doch zu diesem Zeitpunkt war er noch ein weniger bekannter Trainer, der mit Mainz 05 im Abstiegskampf der Bundesliga kämpfte. Der DFB entschied sich damals für Jogi Löw, Klinsmanns Assistenten, eine Entscheidung, die im Fußballland weitgehend emotionslos zur Kenntnis genommen wurde.

Heute, 20 Jahre später, ist die Situation jedoch anders. Klopp ist fast 60 Jahre alt und wird nicht mehr als unbeschriebenes Blatt wahrgenommen, auch wenn man ihm einige kosmetische Eingriffe ansieht. Die Fans zeigen sich skeptisch gegenüber seinem bevorstehenden Ex-Job bei Red Bull und den Überlegungen, ihn möglicherweise als Werbebotschafter für den Konzern zu behalten. Zudem trugen die unglückliche Entlassung von Ole Werner bei RB Leipzig und die Verpflichtung seines Padeltennis-Kumpels Martin Demichelis aus dem Mallorca Country Club nicht gerade zur Verbesserung seines Images bei.

Im DFB sollte man sich bewusst sein, dass man sich nicht nur den „Kumpel Kloppo“ ins Haus holt, sondern einen Mann, der vor harten Entscheidungen nicht zurückschreckt und Machtbefugnisse einfordern dürfte, die vor ihm noch kein Bundestrainer erhalten hat. Klopp ist sich der Bedenken der Fans bewusst, deren Kritik an der Kommerzialisierung des Fußballs seit Jahren insbesondere auf das börsennotierte Unternehmen Borussia Dortmund und das Red-Bull-Modell in Leipzig abzielt.

Die Empörung der Fans ist in der sensiblen Gemengelage, die der DFB seit Jahren aushalten muss, keine Kleinigkeit. Klopp verfügt jedoch über ausreichend Widerstandskraft, um mit diesen Herausforderungen umzugehen. Auch er, der in Dortmund und insbesondere in Liverpool unter maximalem Druck gearbeitet hat, wird auf dem Thron des Bundestrainers das Gewicht der Verantwortung zu spüren bekommen.

Mit seiner beeindruckenden Karriere als Fußballlehrer – ausdrücklich nicht als „Head of Global Soccer“ – hat Jürgen Klopp sich das Vertrauen des Fußballvolkes ohne Vorbehalte verdient.

Topics

Related news