Jürgen Klopp über seine Rolle bei Red Bull und die Reaktionen in Deutschland
Jürgen Klopp hat sich erneut zu seiner Rolle als Trainer bei Red Bull geäußert und erklärt, warum sein Engagement in Deutschland auf Widerstand stößt.
Leipzig – In zwei Monaten wird Jürgen Klopp ein Jahr als "Head of Global Soccer" bei Red Bull tätig sein. Am 1. Januar 2024 übernahm der 58-Jährige diese Position, nachdem er zuvor entschieden hatte, den FC Liverpool zu verlassen. Er hatte damals betont, nicht mehr als Cheftrainer arbeiten zu wollen. In einem Interview mit The Athletic bekräftigte Klopp diese Aussage, deutete jedoch an, dass sich Meinungen ändern können. Zudem lässt er die Kritik an seinem Engagement an sich abprallen.
Die Reaktionen der Fans in Deutschland waren schockiert, als sie von Klopps neuer Rolle erfuhren. Aus einer Identifikationsfigur wurde für viele ein Verräter. Obwohl er sein "Versprechen", nicht mehr an der Seitenlinie stehen zu wollen, hielt, stößt seine Entscheidung, für den Getränkekonzern Red Bull zu arbeiten, weiterhin auf enormes Unverständnis. Klopp dazu: "Ich bin Deutscher. Ich weiß, was die Menschen hier in Deutschland über das Engagement von Red Bull im Fußball denken. Sie lieben Red Bull in allen Bereichen – aber im Fußball nicht. Lustigerweise fielen die Reaktionen nur in Deutschland so aus. In Liverpool sind die Leute eher glücklich, dass ich das tue, was ich tue, weil ich keine andere Mannschaft trainiere."
Peter Krawietz, Klopps langjähriger Co-Trainer und derzeit "Head of Soccer Philosophy" bei Red Bull, sprach sich zuletzt für die Trainerlegende aus. "Ich habe die Kritik zur Kenntnis genommen, aber sie ist für mich nicht nachvollziehbar. Ich glaube, es liegt ein gewisses Missverständnis seitens der Fans vor," so der 53-Jährige. Krawietz wurde konkreter: "Wo hätte Jürgen denn arbeiten dürfen? Was wäre der Öffentlichkeit genehm gewesen? Zahlreiche kritische Stimmen hätte es auch gegeben, wenn er hypothetisch Trainer bei Bayern München oder Manchester United geworden wäre. So funktioniert die freie Berufswahl nicht. So viel Respekt muss man einer Person zollen. Eine öffentliche Abstimmung darüber, was den Fans recht ist, ist nicht möglich." In England sei es mittlerweile üblich, dass ein Klub von einem Investor geführt werde, der als Geldgeber fungiere und strategische Entscheidungen treffe. "Wenn man sich fragt, warum sich das in Deutschland noch nicht durchgesetzt hat, geht es auch um die Frage, wie professionell und kommerziell der Fußball vermarktet werden darf. Eine hochinteressante Diskussion, die aber so alt ist wie der Fußball selbst," so Krawietz, der überzeugt ist, dass sich der deutsche Fußball in den nächsten ein bis zwei Dekaden den modernen Entwicklungen anpassen muss, um nicht weiter zurückzufallen.
Fakt ist: Jürgen Klopp fühlt sich in seiner neuen Rolle wohl, nicht zuletzt aufgrund des Zeitfaktors: "In fast 25 Jahren war ich auf zwei Hochzeiten: einmal auf meiner eigenen und das zweite Mal vor zwei Monaten. In 25 Jahren war ich viermal im Kino, jeweils in den letzten acht Wochen. Es ist schön, dass ich das jetzt tun kann."
Der ehemalige Chefcoach von Mainz 05 und Borussia Dortmund bekräftigt weiterhin seine Entscheidung, nicht mehr auf der Trainerbank sitzen zu wollen, betont jedoch: "Das ist, was ich jetzt denke, aber man weiß nie. Ich bin 58 – wenn ich mit 65 nochmal anfangen würde, würden alle sagen: 'Du hast gesagt, du würdest das nie wieder machen!' Tut mir leid, ich war mir ja auch zu 100 Prozent sicher, denn das ist meine derzeitige Meinung – ich vermisse nichts." Stattdessen arbeitet er daran, die Philosophie im Red-Bull-Kosmos weiterzuentwickeln und strategische Entscheidungen mitzugestalten. "Ich möchte, wenn nötig, der Notruf der Trainer oder Sportdirektoren sein, der Mann, den sie anrufen, wenn sie nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen," so Klopp.