Kritik an Leroy Sané nach dem Aus bei der Klub-WM
Der FC Bayern München hat den Gruppensieg bei der Klub-Weltmeisterschaft in den USA verpasst, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist. Im Mittelpunkt der Kritik steht erneut Leroy Sané.
In unserer heutigen Gesellschaft wird Mobbing oft als eine Art Volkssport angesehen, was tragische Folgen nach sich ziehen kann. Immer wieder kommt es zu Amokläufen von Mobbingopfern, die zu zahlreichen unschuldigen Todesfällen und lebenslangen Traumata führen. Trotz der weltweiten Betroffenheit bleibt die Konsequenz aus diesen Vorfällen oft aus.
Es gibt jedoch auch viele Mobbingopfer, die zu den privilegierten Mitgliedern der Gesellschaft gehören, darunter Fußballspieler mit Millionenverträgen. Die allgemeine Meinung dazu lautet oft: „Sie müssen das bei ihrem hohen Gehalt ertragen können.“ Ist das wirklich so? Ich bin der Meinung, dass viele Sportler 90 Prozent ihres Gehalts als „Schmerzensgeld“ für das Mobbing erhalten und nur 10 Prozent für ihre sportliche Leistung. Leroy Sané zählt dazu, zumindest seit seinem Wechsel zum FC Bayern 2020.
Tatsächlich ist der 29-Jährige ein Spieler mit außergewöhnlichem Talent und Ehrgeiz, der das Potenzial hat, auf Weltklasseniveau zu spielen. Dies hat er immer wieder im Trikot des Rekordmeisters unter Beweis gestellt, jedoch nicht in der erhofften Konsequenz. Sein Ehrgeiz macht ihn auf dem Platz zu einer „Maschine“, wie es sein ehemaliger Trainer Thomas Tuchel ausdrückte, hemmt ihn aber auch regelmäßig. Wenn es zu Spielbeginn nicht gut läuft, verkrampft er zunehmend während des Spiels.
Bereits nach einer Viertelstunde eines jeden Startelfeinsatzes von Sané lässt sich oft prognostizieren, ob es ein mäßiges oder hervorragendes Spiel wird. Dennoch ist es wichtig zu betonen, dass Sané niemals „lustlos“ spielt, was ihm häufig unterstellt wird. Trotz seiner Verkrampfung kämpft er bis zum Schlusspfiff oder bis zu seiner Auswechslung. Oft zeigt er bemerkenswerte defensive Aktionen und läuft in höchstem Tempo.
Nachdem bekannt wurde, dass Sané den FC Bayern in Richtung Galatasaray Istanbul verlassen würde, sorgte die Nachricht, dass er dennoch bis einschließlich des Achtelfinals der Klub-WM für seinen aktuellen Verein spielen würde, für Überraschung. Die Reaktionen waren negativ, da viele Experten bezweifelten, dass er noch eine Leistung abrufen könnte. Dabei war es sein eigener ausdrücklicher Wunsch, was seine Verbundenheit zum FC Bayern und seinen Charakter unterstreicht. Letztendlich hätte er wahrscheinlich am liebsten beim FC Bayern geblieben, wenn...
Im dritten Gruppenspiel der WM gegen Benfica Lissabon stand Sané nun zum ersten Mal in der vollständig durchrotieren Startformation von Vincent Kompany. Nicht überraschend lief in der ersten Halbzeit wenig zusammen, und die Bayern gingen mit einem 0:1 in die Pause. Sané vergab die einzige gute Chance für den FC Bayern nach glänzender Vorarbeit von Serge Gnabry.
In der zweiten Halbzeit brachte die Einwechslung von Michael Olise, Harry Kane und Joshua Kimmich eine neue Dynamik ins Spiel. Sané hatte die erste große Chance auf den Ausgleich, scheiterte aber am überragenden ukrainischen Torwart Anatolii Trubin.
Die Bayern waren in der zweiten Halbzeit klar überlegen, vergaben jedoch mehrere „Monsterchancen“ zum Ausgleich. In der 87. Minute hatte Sané erneut die Möglichkeit, als er nach einem hervorragenden Pass von Kane auf die gesamte Benfica-Abwehr zulief, scheiterte jedoch erneut an Trubin.
Schließlich verlor der FC Bayern unglücklich mit 0:1. In der Öffentlichkeit wurde Sané reflexartig zum Hauptschuldigen erklärt. Hätte er die beiden Chancen kurz nach der Halbzeit und kurz vor dem Ende genutzt, wäre er als „Man of the Match“ gefeiert worden. So wird er jedoch wiederholt zum Mobbing-Opfer der deutschen Fußballgemeinschaft, an der sich sogar ehemalige Spieler wie Michael Ballack und Mario Basler beteiligen.
In meinem Umfeld gibt es zahlreiche „Sané-Fans“, die seinen unermüdlichen Einsatz bewundern und mit ihm leiden, wenn es nicht gut läuft. Dennoch gibt es auch eingefleischte Fans, die sich zunehmend am Mobbing gegen den scheidenden Spieler beteiligen. Dies hat mich zunächst verwundert, dann genervt und schließlich verärgert. Mobbing kann ich nicht akzeptieren, weshalb ich mich von diesen Leuten distanziert habe.
Leroy Sané könnte jedoch ein letztes Mal für „seinen“ FC Bayern auflaufen: Am Sonntag im Achtelfinale gegen CR Flamengo aus Brasilien. FCB-Trainer Kompany wird ihm sicherlich weiterhin das Vertrauen schenken, das ihm von vielen in Deutschland, darunter auch viele eigene Fans, entzogen wurde.
Nach diesem Spiel wird der 72-fache deutsche Nationalspieler für den türkischen Meister Galatasaray auflaufen, was sportlich sicherlich eine Verschlechterung darstellt. Vielleicht ging es ihm jedoch auch um Wertschätzung seiner Person und seiner Einstellung auf dem Platz, nicht nur in Form eines Gehaltsschecks, sondern auch durch die Fans. In Istanbul ist die Begeisterung um ihn gewaltig.
Auch als Anhänger des FC Bayern kann man ihm bei diesem neuen Abenteuer nur das Beste wünschen. Leider sind seine Beweggründe für diesen „Abgang“ nur allzu gut nachvollziehbar.