Leroy Sané: Vom Kritiker zum Teamplayer im deutschen WM-Kader
Die Nominierung von Leroy Sané für den deutschen WM-Kader hat für viel Diskussion gesorgt. Der Flügelspieler hat jedoch eine neue Rolle eingenommen.
Chicago – Eine der umstrittensten Entscheidungen im WM-Kader von Bundestrainer Julian Nagelsmann war die Berufung von Leroy Sané. Trotz unzureichender Leistungen bei seinem Verein Galatasaray Istanbul sicherte sich der Spieler einen Platz im deutschen Aufgebot. In seiner ersten Saison in der türkischen Hauptstadt erzielte der Linksfuß in 43 Einsätzen lediglich sieben Tore und verzeichnete neun Vorlagen, was hinter den Erwartungen zurückblieb.
In der WM-Qualifikation erlebte Sané einen wahren Auf und Ab. Nach einer Phase der Vernachlässigung im September und Oktober des vergangenen Jahres, trug er im entscheidenden Spiel gegen die Slowakei im November mit zwei Toren, einem Assist und einer herausragenden Leistung maßgeblich zum 6:0-Sieg der DFB-Auswahl bei und ebnete den Weg zur Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko.
Im vorletzten Testspiel vor der WM, einem 4:0-Sieg gegen Finnland, nahm Sané erneut die Rolle des Reservisten ein und musste dem 18-jährigen Lennart Karl den Vortritt auf dem rechten Flügel lassen. Nach seiner Einwechslung erhielt er lediglich 17 Minuten Spielzeit, in denen er nur phasenweise sein Talent unter Beweis stellen konnte, wie auch im anschließenden Rematch gegen Finnland vor ausgewähltem Publikum.
Immer wieder wird Sané vorgeworfen, sein volles Potenzial nicht auszuschöpfen und eine positive Körpersprache zu vermissen. Doch dieses Verhalten könnte der Vergangenheit angehören. Bereits im geheimen Testspiel gegen Finnland zeigte Sané eine bemerkenswert positive Ausstrahlung und nahm sich viel Zeit, um den anwesenden Fans Autogramme zu geben.
Seine offene Art, im Vergleich zu seinem früher eher zurückhaltenden Auftreten, ist auch seinen Mannschaftskollegen nicht entgangen. „Leroy ist ein Toptyp, der viel gute Laune verbreitet und immer ein offenes Ohr für die Jungs hat, insbesondere für die jungen Spieler“, schwärmte sein Kollege Kai Havertz. Durch das Organisieren von UNO-Kartenspielrunden sorgt Sané für eine fröhliche Stimmung und fungiert als Bindeglied zwischen erfahrenen Spielern und Talenten wie Nathaniel Brown von Eintracht Frankfurt.
Vor der WM fügt sich der Teamplayer in seine Rolle als Joker ein. Egal ob in der Startelf oder als Einwechselspieler: „Für mich ist er ein herausragender Spieler, der den Unterschied machen und Spiele mit Einzelaktionen entscheiden kann“, betonte Havertz, dessen Funktion im Team noch nicht geklärt ist, und hob den sportlichen Wert seines Sturmpartners hervor.
Obwohl Fußball-Deutschland vor allem hofft, dass Sané auf dem Platz mit seinen außergewöhnlichen Fähigkeiten glänzt, dürfte den Fans auch seine neue Rolle abseits des Rasens gefallen. Wenn er durch seinen Einfluss in der Kabine eine angenehme Atmosphäre im Team schafft, könnte dies dem deutschen Abschneiden im Turnierverlauf nur zugutekommen. Sollte Sané auch auf dem Platz überzeugen, könnte aus der umstrittenen Persönlichkeit ein echter Glücksfall für den DFB werden.