Leroy Sanés herausfordernde Zeit bei Galatasaray Istanbul
In einer überraschenden Wendung verließ Leroy Sané im Sommer den FC Bayern München, um sich Galatasaray Istanbul anzuschließen. Dies könnte sich als großer Fehler herausstellen.
Der deutsche Nationalspieler trug fünf Jahre lang das Trikot des FC Bayern. Trotz seines enormen Talents und einiger herausragender Leistungen war er nie unumstritten. Die Kritik kam weniger von seinen Teamkollegen und Trainern, sondern vielmehr von den Medien und den Anhängern des Rekordmeisters.
Bei seinem Wechsel, der auch durch ein lukratives finanzielles Angebot motiviert war, spielte auch die öffentliche Wertschätzung eine entscheidende Rolle. Diese wurde ihm bereits bei seiner Ankunft am Flughafen in Istanbul zuteil, wo er von tausenden von Gala-Fans enthusiastisch empfangen wurde – ein Erlebnis, das er in München nicht gekannt hatte. Trotz seiner Freude über den Empfang fiel ihm der Abschied von seinen Mitspielern und dem Trainerteam sichtlich schwer.
Nach drei Monaten in Istanbul wird Sané nun mit der Realität konfrontiert. Obwohl Galatasaray mit sieben Siegen hervorragend in die türkische Süper Lig Saison gestartet ist, wartet man auf Sanés Durchbruch, insbesondere in Bezug auf Torbeteiligungen. Mit nur einem Tor und einem Assist kann er die hohen Erwartungen bisher nicht erfüllen. Eine weitere Torvorlage erzielte er beim Champions-League-Auftakt gegen Eintracht Frankfurt.
In diesem Spiel verlor Galatasaray jedoch deutlich mit 1:5, was vor allem auf katastrophale Abwehrfehler zurückzuführen war. Dennoch wurde der 70-fache Nationalspieler zum Sündenbock gemacht.
Als Galatasaray am zweiten Spieltag der Champions League sensationell den englischen Meister und Titelaspiranten Liverpool mit 1:0 besiegte, saß Sané 90 Minuten lang auf der Bank. Sein Teamkollege Ilkay Gündogan, mit dem er bereits bei Manchester City und in der Nationalmannschaft gespielt hat, äußerte sich nach dem Spiel zur Situation von Sané.
„Ich möchte Leroy nicht in Schutz nehmen. Er weiß selbst, dass er noch viel Potenzial hat und was er verbessern muss. Wir sprechen viel darüber, und er arbeitet daran. Das ist sichtbar“, sagte Gündogan.
Gündogan bat darum, Sané nicht ausschließlich an Toren zu messen. „Er ist ein Spieler, der sich für die Mannschaft opfert. Oft wird übersehen, wie hart er defensiv arbeitet und wie viele Sprints er macht. Das ist für einen Spieler seines Kalibers nicht selbstverständlich. Mir ist es wichtiger zu sehen, dass er diese Einsatzbereitschaft zeigt, als dass er Tore schießt oder Vorlagen gibt.“
Die Aussagen des ehemaligen Mannschaftskapitäns der deutschen Nationalmannschaft erinnern stark an die Einschätzungen seiner ehemaligen Kollegen und Trainer beim FC Bayern. Immer wieder wurde sein Charakter, sein Einsatzwille und seine Bereitschaft, weite Wege in der Defensive zu gehen, gelobt.
Die Öffentlichkeit hingegen neigt dazu, seine Mimik und Gesten zu interpretieren und oft falsch zu deuten. Sané bleibt ein hochsensibler Spieler. Es mangelt ihm nicht an Einsatzwillen, sondern vielmehr an Selbstvertrauen, insbesondere wenn die ersten Spielaktionen misslingen. Jede vergebene Chance, die er sich oft durch seine bemerkenswerte Technik, Schnelligkeit und Kondition erarbeitet, wird von den Medien kritisch betrachtet – was ihn in München zunehmend belastete.
Seine Flucht aus der Bundesliga, nachdem er in der letzten Halbserie beim FC Bayern zu seinen besten Leistungen auflief, könnte sich als Fehler herausstellen. Bei seinen Mitspielern, Trainer Kompany und der sportlichen Leitung wird er hoch geschätzt, was ihm zunehmend Selbstvertrauen gibt und seine Leistungen stabilisiert. In Istanbul muss er nun erneut durchstarten, wo seine Teamkollegen seinen unbedingten Willen anerkennen.