Luca Waldschmidt über persönliche und sportliche Herausforderungen

Luca Waldschmidt über persönliche und sportliche Herausforderungen

Luca Waldschmidt zählt unbestritten zu den besten Fußballern des 1. FC Köln. Dennoch hat Trainer Lukas Kwasniok ihn nur selten als Spielmacher eingesetzt.

Köln – Die Hinrunde verlief für den Angreifer alles andere als zufriedenstellend. Trotz der offensichtlichen Probleme des 1. FC Köln im Ballspiel kam der Kreativspieler nur sporadisch zum Einsatz. Waldschmidt äußerte in einem Interview mit EXPRESS.de, dass sich dies im neuen Jahr ändern soll.

Luca, herzlichen Glückwunsch zur Hochzeit! Wie fühlt es sich an, einen Ehering am Finger zu tragen?

Luca Waldschmidt: Ehrlich gesagt haben wir noch keinen Ring. Die standesamtliche Hochzeit war sehr spontan, daher haben wir das bisher noch nicht geschafft. Die Ringe sind in Arbeit (lacht). Es ist ein schönes Gefühl, ich bin sehr glücklich, auch wenn es noch ungewohnt ist, ‚meine Frau‘ zu sagen.

Wie sehr beeinflusst Ihr privates Glück Ihre sportlichen Leistungen?

Waldschmidt: Es ist ein extrem wichtiger Faktor für mich. Es gibt mir Kraft und Halt. Wenn im Privatleben alles in Ordnung ist und ich mich wohlfühle, hat das auch positive Auswirkungen auf meine Leistungen. Privates Chaos bringt man immer ein Stück weit mit auf den Platz. Daher bin ich sehr froh, dass ich gerade rundum glücklich bin.

Wenn man Sie täglich erlebt, scheint Ihr Auftreten gelöster und befreiter als in der Vergangenheit. Können Sie das bestätigen?

Waldschmidt: Ja, das trifft zu. Ich habe insgesamt einiges umgestellt, Abläufe verändert und gelernt, auch mal ‚nein‘ zu sagen. Ich habe für mich klarer festgelegt, was mir guttut und was nicht. Ich möchte mich künftig mehr auf meine Stärken konzentrieren. Ich habe mir Fragen gestellt wie: Was gehört zu meinem Spiel und was macht mich aus? Ich sehe jetzt vieles klarer, und das möchte ich auch auf den Platz bringen und einfach Spaß am Fußball haben.

Sie gehörten zu den Gewinnern der Vorbereitung. Haben Sie sich für die Rückkehr in die Bundesliga in dieser Saison besonders viel vorgenommen?

Waldschmidt: Das würde ich nicht so sagen. Ich möchte immer das Maximale herausholen. Ich glaube, dass ich gegen Ende der vergangenen Saison in einen Flow gekommen bin, den ich bis zum Sommer beibehalten habe. Das ist auch mein Anspruch an mich selbst. Ich möchte immer Gas geben, mich bestmöglich vorbereiten und der Mannschaft helfen.

Trotz der guten Vorbereitung standen Sie nur fünfmal in der Startelf und haben erst 370 Minuten gespielt. Das kann nicht Ihr Anspruch sein, oder?

Waldschmidt: Definitiv nicht, wenn man die Spielminuten betrachtet. Das ist deutlich zu wenig. Dennoch versuche ich, meine Stärken einzubringen, wenn ich auf dem Platz stehe. Das ist mir bisher gut gelungen, wenn ich meine Statistiken betrachte. Alle 74 Minuten ein Tor oder Assist ist nicht schlecht.

Hat Ihnen der Trainer nachvollziehbar erklärt, warum Ihre Spielminuten bisher so begrenzt waren?

Waldschmidt: Er erklärt mir immer seine Gedanken. Dennoch ist das aus persönlicher Sicht natürlich nicht zufriedenstellend. Daher ist es normal, dass wir da auch mal unterschiedlicher Meinung sind. Ich möchte mich von der ersten bis zur 90. Minute einbringen und bin überzeugt, in jeder Phase des Spiels wichtig zu sein. Das habe ich in Wolfsburg mit einem Tor und gegen St. Pauli mit einer Vorlage bewiesen. Mir tut es gut, lange auf dem Platz zu stehen. Rhythmus ist für mich ein wesentlicher Faktor.

Sie haben Wolfsburg angesprochen. Trotz eines Tores mussten Sie zur Halbzeit raus. Nach der Vorlage in Mainz saßen Sie im nächsten Spiel auf der Bank. Von außen wirkte das nicht immer nachvollziehbar. Wie haben Sie das erlebt?

Waldschmidt: Es war auch für mich manchmal schwer nachvollziehbar. Vor allem in Wolfsburg hatte ich ein sehr gutes Gefühl, ich war gut im Spiel, habe ein Tor erzielt und musste dann trotzdem raus. Der Trainer wollte taktisch etwas verändern, und das hat er mir auch so erklärt.

Lukas Kwasniok unterscheidet zwischen Kämpfern und Künstlern. Wo würden Sie sich einordnen?

Waldschmidt: In erster Linie bin ich natürlich mehr Künstler als Kämpfer, aber ich habe definitiv dazu gelernt. Ich bin sehr fleißig und viel unterwegs, das zeigen auch meine Laufdaten. Dafür habe ich extrem hart gearbeitet. Ich bin auch ein Kämpfer. Mittlerweile habe ich Fähigkeiten im Repertoire, die ich früher nicht hatte.

Der FC hat im bisherigen Verlauf Schwierigkeiten im Spiel mit dem Ball. Was können Sie persönlich in der Rückrunde gegen dieses Kreativproblem tun?

Waldschmidt: Meiner Meinung nach sehr viel (lacht). Allerdings benötige ich dafür auch meine Mitspieler. Es muss wieder dieses gewisse Gefühl zwischen allen entstehen. Das kommt vor allem durch Rhythmus und eine gewisse Eingespieltheit, die wir wiederfinden müssen.

Said El Mala sorgt derzeit für einen regelrechten Hype. Wie erleben Sie das, und erinnert es Sie an Ihre frühe Karriere?

Waldschmidt: Bei Said ist es deutlich mehr als bei mir früher. Er ist auch noch viel jünger als ich damals. Er ist quasi noch ein Teenager, während ich erst nach der U21 so richtig durchstartete. Es ist enorm, was auf ihn einprasselt. Köln ist auch ein ganz anderes Pflaster als Freiburg damals für mich. Er geht damit aber sehr entspannt um. Er hat einfach Lust, Fußball zu spielen, will dribbeln und Spaß haben. Diese Freude und Leichtigkeit lässt er sich nicht nehmen, egal, was um ihn herum passiert. Seit ich ihn kennengelernt habe, hat sich daran nichts geändert. Er ist immer noch derselbe Junge wie am ersten Tag. Das muss er sich unbedingt beibehalten.

Wie sind Sie damals mit dem Hype umgegangen?

Waldschmidt: Rückblickend würde ich sagen, dass ich sogar einen Tick zu wenig für mich selbst mitgenommen habe. Ich hatte keine Zeit, alles zu reflektieren. Ich war einfach in meinem Modus und habe vieles ausgeblendet. So ist alles ein bisschen an mir vorbeigerast. Daher habe ich nicht richtig realisiert, dass meine Leistungen wahrgenommen wurden und viel Anerkennung gab. Das habe ich erst im Nachhinein erkannt. Rückblickend hätte ich gerne mehr davon genossen und aufgesogen. Ich glaube, ich hätte daraus noch mehr Kraft und Selbstvertrauen ziehen können.

Geben Sie solche Tipps auch an Said weiter?

Waldschmidt: Nein, das habe ich bisher nicht gemacht. Wir sind wahrscheinlich zu unterschiedliche Typen, die anders mit bestimmten Situationen umgehen. Wenn ich jedoch das Gefühl hätte, dass es ihn belastet oder ich ihm mit meiner Erfahrung helfen könnte, würde ich das tun.

Kwasniok hat Sie beide als kongeniales Duo beschrieben. Wie sehen Sie das Zusammenspiel?

Waldschmidt: Wir verstehen uns sehr gut auf dem Platz. Wir haben beide eine unglaubliche Liebe für das Spiel und sind absolute Instinkt-Fußballer. Das kommt uns im Zusammenspiel zugute, weil wir oft intuitiv wissen, was der andere vorhat. Das sind Dinge, die kann man nicht trainieren; die sind einfach da. Das verbindet uns und macht echt Spaß.

Abschließend: Sie sind jetzt 29 Jahre alt. Was haben Sie in Ihrer Karriere noch für Ziele und Träume?

Waldschmidt: Ich möchte Erfolge feiern und noch einmal international spielen.

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