Lucas Scholl: Von den Höhen des FC Bayern zu neuen Zielen

Lucas Scholl: Von den Höhen des FC Bayern zu neuen Zielen

Lucas Scholl, ein ehemaliges großes Talent im deutschen Fußball, hat bei den Profis des FC Bayern München nicht Fuß fassen können. Nun hat er jedoch neue Ambitionen.

In München ist Lucas Scholl, der Sohn der FC-Bayern-Legende Mehmet Scholl, bekannt. Obwohl auch er eine vielversprechende Profi-Karriere vor sich hatte, endete diese abrupt. Sein Vater, Champions-League-Sieger von 2001, bezeichnete ihn als „verhinderten Multi-Millionär“. In dem YouTube-Format „Einfach Fussball“ sprach Lucas Scholl offen über seine Karriere, seine Fehler und seinen neuen Traum.

Der 29-Jährige, der seit 2022 für den österreichischen Drittligisten Wacker Innsbruck spielt, erzählte, wie er in die Jugendmannschaft des FC Bayern kam. Mit sechs Jahren spielte er beim TSV Waldtrudering, als sein Vater ihm mitteilte, dass eine Mannschaft bei einem Firmen-Cup an der Säbener Straße ausgefallen sei und er mit seinen Teamkollegen einspringen solle.

„Wir füllten praktisch den Adidas Cup auf. Dann haben wir dieses Turnier gespielt und sind, glaube ich, erst im Viertelfinale ausgeschieden“, berichtete Scholl und fügte hinzu: „Ich saß weinend auf der Tribüne, weil wir ausgeschieden waren. Da kam ein Trainer zu mir und fragte mich, wer mein Lieblingsspieler sei und wo ich denn spielen würde – und dann habe ich meinen Namen gesagt, meine Eltern vorgestellt und dann war relativ schnell klar, wo die Reise für mich hingeht.“

Scholl durchlief die ersten Jugendmannschaften des FC Bayern problemlos, doch in der U19 kam seine Karriere ins Stocken. Der Grund dafür war, dass die Spieler des älteren Jahrgangs gerade die deutsche Meisterschaft gewonnen hatten und beim Trainer gesetzt waren. Die Wende kam in der Saison 2013/14 mit Star-Trainer Pep Guardiola.

Der Katalane beobachtete ein Trainingsspiel der U19-Mannschaft, in dem Scholl mit der B-Mannschaft spielte, die das Übungsspiel gewann. „Dann kam Pep nach dem Spiel zu mir und gab mir wertvolle Tipps: Wenn ich den Ball von einer Seite bekomme, muss ich immer offen stehen. Ich darf nie geschlossen stehen. Und wenn der Ball von links kommt, muss der Blick immer nach vorne gerichtet sein“, erklärte er.

Guardiola gab ihm innerhalb von Minuten viele grundlegende Ratschläge und stellte die Frage, wie viele Tore und Vorlagen er auf dem Konto habe. „Ich habe ihm gesagt, dass ich im Moment nicht viel spiele. Und er hat dann gesagt: ‚Wie? Du spielst gerade nicht? Das geht so nicht. Du musst spielen.‘ Ab diesem Zeitpunkt habe ich auch immer gespielt.“

Lucas Scholl blieb im Blickfeld von Pep Guardiola. Der Mittelfeldspieler durfte mit den Profis trainieren und wartete auf seine Chance. Doch die Qualität des Kaders war überwältigend: „Alle 22 Spieler waren top, jede Position war doppelt oder dreifach besetzt. Juan Bernat war der beste Linksverteidiger, den ich je gesehen habe. Aber er war nur der Ersatzmann für David Alaba. Das war unglaublich.“

Scholl gelang es nicht, sich durchzusetzen. Mehrere Faktoren spielten dabei eine Rolle. „Mein Körper war ja auch nicht bereit. Ich wog 60 Kilogramm. Ich war stockdünn.“ Mit seinem Förderer und Co-Trainer Hermann Gerland absolvierte Scholl intensives Einzeltraining, um den Sprung zu den Profis zu schaffen.

„Ich habe vier Stunden mit ihm trainiert. Alles. Ballkontrolle, Diagonalbälle. Dann gab es bei Bayern eine Wand, wo man einfach dagegen spielen musste: annehmen, dagegen spielen, annehmen, auch hoch und flach, alles. Dann kam das Kopfballpendel. Ich und Kopfpendel? Ich kann gar nicht köpfen! Ich habe das gemacht, bis ich nicht mehr konnte. Dann hat er mich nach Hause gefahren.“

Doch in der Saison 2016/17 kam es zum Bruch mit dem FC Bayern. Scholl hatte ein Versprechen von Gerland erhalten: „Lucas, wenn wir deutscher Meister sind und in der Champions League noch dabei sind, spielst du diese Saison noch Bundesliga.“ Scholl war begeistert und gab diese Botschaft seinem Trainer der zweiten Mannschaft (Heiko Vogel) weiter.

Doch dann erlebte Scholl Unerklärliches. „Im nächsten Spiel war ich zur Halbzeit raus. Im darauffolgenden Spiel war ich nicht im Kader. So war das bei der zweiten Mannschaft. Ich weiß nicht, was da vorgefallen ist. Aber es war schon eklig. Dann bin ich auch im Winter gegangen.“ Scholl hatte die Möglichkeit, beim FC Luzern in der Schweiz zu unterschreiben, doch der Traditionsklub stellte Anforderungen, die er als beleidigend empfand.

„Ich sollte einen normalen Profivertrag für junge Spieler erhalten. Den bekamen alle. Ich sollte nebenbei noch im Fanshop arbeiten, auch wie alle anderen Spieler. Es ging einfach darum, Demut zu zeigen. Ich sollte zehn oder 20 Stunden in der Woche im Fanshop stehen und Sachen verkaufen. Da war ich mir damals zu schade und habe gesagt, dass ich das nicht mache.“

Zusätzlich wollte Luzern, dass Scholl sich körperlich stabilisiert, weshalb er zunächst in der zweiten Mannschaft spielen sollte. „Ich habe gesagt: Ich spiele nie wieder in einer zweiten Mannschaft. Das tue ich mir nicht mehr an. Das mache ich nicht. Dann hat man zu mir gemeint: ‚Lucas, entweder du machst das oder du musst aufhören.‘“

Scholl ergänzte: „Ich war um die 20 Jahre alt. Ich war eineinhalb Jahre zuvor in meinem Jahrgang wahrscheinlich noch eines der größten Talente in Deutschland. Ich war dann kurz vor der Depression. Da habe ich gesagt: Ich muss weg.“ Scholl wechselte zu Regionalligist Wacker Nordhausen. 2020 folgte der Wechsel zu dem bayerischen Amateurklub VfR Garching und dann zum österreichischen Zweitligisten SV Horn.

In der Saison 2021/22 war Scholl vereinslos. In der darauffolgenden Saison unterschrieb er einen Vertrag bei Wacker Innsbruck, wo er bis heute aktiv ist. Wie lange Scholl noch für den Traditionsklub spielen wird, entscheidet er kurzfristig. Sein großer Traum ist es nun, Trainer zu werden. Er geht bereits seine ersten Schritte als Coach und gehört laut eigenen Angaben zum Trainer-Team am FC-Bayern-Campus, wo er in TikTok-Videos Anleitungen für Fußballtricks gibt.

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